| |
WOBLA
14.03.01
"Punkender
Doktor", "Singender Sauerbruch" oder
gar "der letzte König Bayerns": Dies
sind nur drei Umschreibungen, mit denen Dr. Georg
Ringsgwandl in den letzten Jahren betitelt wurde.
Seinen Arztkittel hat der Mediziner längst gegen
schrillste Klamotten eingetauscht, seine Bühnenshow
ist in der deutschen Kleinkunstszene einzigartig.
Eingehüllt in einen Plastiksack mit Gletscherbrille
und Badekappe singt er von Hühnerärschen und
Papstbesuchen, springt und rennt scheinbar unkoordiniert über
die Bühne, um in der nächsten Sekunde ein nachdenkliches
Lied über Ausländerfeindlichkeit in Deutschland
anzustimmen. Am 23. März kommt dieser "akademische
Anarchist" nach Bamberg, im Zentralsaal
wird er dem Publikum die Stücke seiner aktuellen
CD "Gache Wurzn" und einiges mehr präsentieren.
Das WOBLA traf sich auf eine Tasse Kaffe und
ein kleines Schwätzchen mit dem "Gaudibursch
und Gurkenkönig". |
WOBLA: |
Ihre im diesen
Jahr erschienene CD trägt den Titel "Gache Wurzn".
Können Sie diesen Titel kurz für einen Oberfranken übersetzen? |
Ringsgwandl: |
Das ist nicht einfach:
Irgendwas zwischen "scharfer Zahn", "wilde
Hexe" und "ausgekochtes Weibsbild". |
| WOBLA: |
Die Entstehungsgeschichte
der "Gache Wurzn" - Platte klingt nach
viel Spaß. Am Abend mit ein paar Freunden getroffen,
Hausmusik im wahrsten Sinne des Wortes gemacht und
dann - nachdem der Sound gepasst hat - die Aufnahme
der elf Songs an zwei Abenden in der Wohnküche einer
Bekannten. |
| Ringsgwandl: |
Das war wirklich
so. Wobei natürlich auch hinter diesem Projekt viel
Arbeit und ein wenig Glück steht. Erst einmal muss
man die richtigen Freunde finden, die Chemie muss
stimmen. Zudem müssen die Lieder, bevor man sie locker
am Abend spielt, erst einmal geschrieben werden.
Wir haben zudem die Songs irgendwo in den Bergen
vor Publikum, das uns gar nicht richtig kannte, gespielt
und so nach und nach unseren Sound gefunden. Und
als wir mit dem Ergebnis hundertprozentig zufrieden
waren, haben wir uns eben in die Küche gesetzt und
das Band mitlaufen lassen. |
| WOBLA: |
Das ist bereits
Ihre siebte CD. Beschreiben Sie uns kurz Ihren Wandel
vom Arzt zum Pop - Musiker und Performancekünstler. |
| Ringsgwandl: |
Die erste
Platte 1986 habe ich ursprünglich nur für meine Enkel
gemacht. Ihnen wollte ich irgendwann einmal vorspielen,
was ihr Opa so nebenbei gemacht hat. Diese Veröffentlichung
hat dann einigen Leuten gefallen, es sind immer mehr
Menschen zu den Konzerten gekommen und dann hat das
irgendwie nicht mehr aufgehört. Das war ein Geschenk
des Himmels. |
| WOBLA: |
Damals haben
Sie Ihre Brötchen als Arzt verdient, die Musik war
eine schöne Nebensache. Wann haben Sie den weißen
Kittel endgültig an den Nagel gehängt? |
| Ringsgwandl: |
Von 1985
bis 1993 habe ich beides gleichzeitig gemacht: Tagsüber
und oftmals auch am Wochenende in der Klinik gearbeitet,
in den freien Stunden an den Songs geschrieben und
im Urlaub und an übrigen Wochenenden live auf der
Bühne gespielt. |
| WOBLA: |
Das klingt
nach Stress! |
| Ringsgwandl: |
Es war zumindest
eine sehr tätigkeitsreiche Phase. Aber Musik machen
ist ja nicht unbedingt eine typische Arbeit, es ist
auch viel Spaß dabei. Andere Leute machen das Ganze
als Hobby. Davon leben zu können ist meiner Ansicht
nach eine ziemlich privilegierte Sache. |
| WOBLA: |
Vermissen
Sie Ihren früheren Job? |
| Ringsgwandl: |
Die zunehmende
Popularität hat mich irgendwann ganz aus der Medizin
herausgerissen. Was aber nicht heißt, dass ich meinen
Arztberuf manchmal auch vermisse. Aber man kann nicht
beides machen, du kannst eben nicht zwei Vormittage
in der Klinik operieren. Ich habe mich für diesen
Weg entschieden, und es macht immer noch wahnsinnig
Spaß. |
| WOBLA: |
Als Abschluss
noch die Frage, die Ihnen wohl immer gestellt wird:
Wären Sie auch ohne Ihre medizinische Geschichte
und Synonyme wie "singender Sauerbruch" ähnlich
erfolgreich? |
| Ringsgwandl: |
Die Arztgeschichte
ist eigentlich nebensächlich. Denn die ersten zwei
Jahre als Musiker, als ich noch unbekannt war, wusste
ja kein Mensch, dass ich Arzt war. Ich habe das lange
geheim gehalten, es kam erst raus, als ich schon
berühmt war. Am Anfang habe ich immer unterschiedliche
Berufsbezeichnungen angegeben und in einigen frühen
Zeitungskritiken steht diese auch noch schwarz auf
weiß nachzulesen. Meine Hauptlegende war die, dass
ich Schaufensterdekorateur in München für Kaufhof
und Karstadt sei und ich deshalb diese schrillen
Klamotten trage. Da schrieben die Redakteure: Kein
Wunder, dass dieser Ringsgwandl so schrill daherkommt,
wo er doch eigentlich als Schaufensterdekorateur
sein Leben finanziert... |