Interview
 

Gute Unterhaltung hat lebensnahen Kern

Georg Ringsgwandl setzt mit seinem neuen Programm im TiF auf unterhaltsamen Zoff

Nordsee - Zeitung 16.02.2001

Gegen den Flachsinn im Fernsehen wettert Georg Ringsgwandl. Am Sonntag will er im Theater im Fischereihafen (TiF) mit seinem neuen Programm "Gache Wurzn" beweisen, dass es auch anders geht. NZ-Redaktionsmitglied Nikola Mihajlov sprach mit dem 52-jährigen Entertainer

NZ:

Comedy steht zurzeit in der Zuschauergunst ganz oben. Was halten Sie davon?

Ringsgwandl:

Ich kann mir nichts Elenderes vorstellen als Verona Feldbusch oder Stefan Raab. Da ist mir ein ungarischer Teppichhändler lieber. Dem würde ich lieber die Krampfadern massieren, als mir eine Raab-Sendung anzuschauen. Wenn Raab beim Stammtisch in Seehausen säße, würde er mit seinem Humor derartig absinken, weil die Installateure, Zimmerer, UPS-Ausfahrer und Frührentner, die da sitzen, einen um Klassen besseren Humor haben. Der gute Witz kommt nicht, weil 22 verzweifelte Gagschreiber sich irgendetwas aus den Fingern saugen.
NZ: Aber die TV-Comedy-Stars haben Erfolg. Wollten Sie nie ein Star werden?
Ringsgwandl: Doch. Ich habe nichts dagegen, ein Star zu sein. Ich würde auch gerne mal in die Hitparade kommen. Aber ich kann diese Inbrunst, mit der die Showstars ihre kümmerliche Botschaft in die Medien pressen, nicht nachvollziehen. Ich finde das zu eitel. Ich habe kein Problem mit Karajan oder den Beatles, weil der Quotient aus Können und Medienalarm in Ordnung ist. Aber wenn der Quotient aus Substanz und Medienalarm gegen Null geht, melden sich meine Gallensteine und zwicken.
NZ: Was macht für Sie gute Unterhaltung aus?
Ringsgwandl: Gute Unterhaltung hat einen lebensnahen Kern. Das haben wir bei Mozart, Charlie Chaplin, Woody Allen, Bob Dylan und den Beatles erlebt. Sie haben vorgemacht, dass Unterhaltung nicht nur blöd sein muss, sondern intelligent ist und Lebensrealität auf eine unterhaltsame Art verarbeitet. Die Blödel-Comedy ist anstrengend, nicht unterhaltend. Da schaue ich lieber einem Bauern zu, wie er ein Maisfeld abmäht. Das ist wenigstens meditativ.
NZ: Sie ecken bewusst an mit Ihren Texten. Wollen Sie Reaktionen im Publikum hervorrufen?
Ringsgwandl: Klar. Das soll keine Schlafveranstaltung werden. Das muss unterhaltsamer Zoff sein.
NZ: Sprechen Sie mit Ihrer Kunst nicht eher Bildungsbürger an?
Ringsgwandl: Da sitzen Leute, die nie ein Gymnasium von innen gesehen haben, aber auch versprengte Professoren. Die meisten sind zwischen 25 und 45, aber es gibt Ausreißer. Vor kurzem sind 12- bis 13-Jährige erschienen, aber da rollt's auch mal eine 88-Jährige mit dem Rollstuhl rein. Man kann keinen größeren Wunsch haben, als dass das Publikum bunt gemischt ist. Die Alternative ist 'Nsync, die synthetisierte Band für die Präpubertierenden.
NZ: Auf was dürfen sich die Besucher am Sonntag freuen?
Ringsgwandl: Wir zeigen Momentaufnahmen aus dem Leben. Szenerien aus der Gegenwart, nicht irgendwelche Künstlerfantasien, Schnulzen oder Kitsch aus Künstlerhirnen. Von der Musik her wollen wir es so einfach halten wie möglich, sozusagen als Gegenentwurf zur synthetischen Popmusik, die mit dem großen Instrumentarium arbeitet. Wir haben das extrem schlicht gemacht. Die Rockband so weit reduziert wie es nur geht. Mit einfachen akustischen Instrumenten. Völlig unmodern.