| "Keine
vordergründigen Witzeleien" - Ringsgwandl
zum neuen Album
Wodurch unterscheidet sich die Gache
Wurzn (übersetzt: steiler Zahn) vom Gaudibursch?
Ringsgwandl: Der
Gaudibursch war ein Eintopf: viele verschiedene
Stile und musikalische Gattungen, dazwischen
ein paar Moderationen. Auf der einen Seite witzig,
auf der anderen auch unverdaulich. Vom künstlerischen
Aspekt her ist es schöner, wenn alles aus einem
Guss ist. Die Gache Wurzn hat eine einheitliche Ästhetik.
Keine vordergründigen Witzeleien, keine kabarettistischen,
wohlfeilen Scherze, sondern Texte, die meine
Musiker akzeptierten. Die sind nämlich ein erbarmungsloses
Publikum. Von den 40 Songs, die ich ursprünglich
geschrieben habe, habe ich 30 weggeschmissen.
Was sie mir alles um die Ohren gehauen haben:
zu gestelzt, zu gewollt, zu verklemmt. "Was zählt, ist allein
der Groove" - Ringsgwandl zur Entstehung
der Songs
Wie
entstanden die Songs auf dem neuen Album?
Ringsgwandl: Hauptsächlich
probten wir in einer Wohnküche in der Aberlestraße
in München-Untersendling. Die Jungs fühlen sich
in einem Studio einfach nicht wohl, da dürfen
sie nicht rauchen, da ist es ihnen zu steril.
Ich setzte mich hin und spielte meine Songs,
die anderen stiegen dann entweder darauf ein
oder sie unterbrachen mich, weil ihnen was nicht
passte. Es gab kein Arrangement - was zählt,
ist allein der Groove, und den haben sie sowieso
drauf. Wir haben uns viel Zeit gelassen, bis
die Songs durchgegoren und nicht mehr peinlich
waren. Innerhalb von zwei Tagen haben wir die
Gache Wurzn dann komplett in dieser Wohnküche
eingespielt. Nach der Gaudibursch-Combo
- Ringsgwandl und seine Musiker
Wie
kam der Kontakt zu deinen Musikern zustande?
Ringsgwandl: Als
sich die Gaudibursch-Kombo 1998 trennte, musste
ich binnen weniger Tage eine neue Band zusammentrommeln,
weil die Tournee schon begonnen hatte. Mein langjähriger
Gitarrist Nick Woodland hat dann auf die Schnelle
zwei Freunde angebracht, mit denen er schon seit über
20 Jahren durch die Kneipen zieht: einen Bassisten
und einen Schlagzeuger. Eigentlich zwei unmögliche
Musiker. Skip (Herbert Thaller, d. Red.) ist
das absolut Allerletzte unter den Schlagzeugern
und mit Tak (Martin Thalhammer, d. Red.) wollte
kein Mensch mehr zusammenspielen. Wir haben uns
getroffen und einige Songs durchgespielt. Es
klang gut, hatte von Anfang an einen lockeren
und ungekünstelten Groove. Die beiden Musiker
passten zu Nick und mir: Sie spielten nicht zuviel,
droschen nicht wie narrisch, sondern musizierten
einfach gut miteinander. Wir entwickelten einen
schlichten, eigenen Sound. Die Fans haben diese
verkommene Kapelle von Anfang an geliebt. Da
wusste ich: das ist meine Band!

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"Die gediegenen Wohnviertel
sind der Horror"- Ringsgwandl über reale
Personen
In
den elf Songs des neuen Albums geht es um
die alltäglichen Probleme, die das Leben
so mit sich bringt: Geldsorgen, das miese
Wetter in Deutschland, Autounfälle, Suff.
Handeln deine Songs, etwa der "Garten-Nazi",
von realen Personen?
Ringsgwandl: Meistens
schon. Beim Garten-Nazi gehts
sogar um mehrere reale Personen. Um Leute, die
mit der Handschere ihren Rasen trimmen, die mit
den Nachbarn prozessieren, weil der Hund kläfft.
Eine typische Population, nicht mehr Stadt und
noch nicht Land, ein Vorstadtphänomen. Außen
ist ihre Hütte kitschig verziert, innen gibts
barockes Zeugs und drei scharfe Pistolen, und
wenns Ärger ansteht, fuchteln sie damit
rum. Da draußen zu wohnen ist relativ inspirationsfrei,
die gediegenen Wohnviertel in Seehausen, in denen
ich wohne, sind der Horror. Meine Frau arbeitet
hier, die Kinder fühlen sich wohl und die Hunde
haben Auslauf, aber ich bin froh, dass ich noch
meine alte Bleibe in München hab.

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"Gute Texte haben
eine tragikomische Mischung"- Ringsgwandl
und sein Publikum
Nervt
es dich, wenn die Zuschauer deine Songs falsch
deuten und alles oder zumindest das Meiste
von dir per se als witzig empfinden?
Ringsgwandl: Nein,
weil ich nicht will, dass die Leute nur andächtig da sitzen wie bei einer Predigt. Gute
Texte haben ja stets eine tragikomische Mischung.
Wenn sich ein Song, der ein ernstes Thema behandelt,
auch noch selbst zu ernst nimmt, wirds
unerträglich. Einige Musiker bekommen von ihrem
eigenen Pathos eine Gänsehaut, dieses ganze Maffay-Glump
zum Beispiel.

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"Eine komplett andere
Welt"- Ringsgwandl über seinen Kollegen
Konstantin Wecker
Einer,
den du auf deiner Website ringsgwandl.de
regelmäßig aufs Korn nimmst, ist Konstantin
Wecker...
Ringsgwandl: Von
seinen künstlerischen Fähigkeiten her ist er
einer der wirklich Guten im deutschen Unterhaltungsgeschäft.
Er ist ein guter Performer und hatte in all den
Jahren immer Erfolg. Nur, für mich ist das eine
komplett andere Welt. Der Wecker ist Neil Diamond
und Julio Iglesias, ich mehr Prince und Bob Dylan.
Ich liebe den trockenen Witz, der frei von Selbstmitleid
ist und verabscheue das Pathos in hohem Maße.
Wecker ist ein Freund des Pathos, des großen
Gefühls und der operhaften Geste. Das hat genauso
seine Berechtigung, er hat sogar ein wesentlich
größeres Publikum als ich, aber es ist einfach
nicht meine Welt.

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Hader,
Polt und Zimmerschied - Ringsgwandl über Kollegen, die er schätzt
Welche
Kollegen sind denn deine Welt?
Ringsgwandl: Ich
kann mich hervorragend unterhalten bei Helge
Schneider, mag Hader, Polt und Zimmerschied.
Deren Programme schaue ich sogar mehrmals an.
Was die aktuelle Musik angeht, gefallen mir Destinys
Child ganz gut; junge, witzige Weiber aus New
York mit harter Attitüde. "Mule Variations" von
Tom Waits ist ein tolles Album, außerdem hör
ich gern ein paar deutsche HipHop-Sachen wie
Freundeskreis und Tocotronic.

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Ringsgwandl über Humor,
wie er ihn schätzt:

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"Keine Starverehrer-Seite,
sondern ein virtueller Stammtisch"- Ringsgwandl
und das Internet
Auch
in Sachen Internet gehst du mit der Zeit.
Wie kam es zu deiner Website?
Ringsgwandl: Für
Künstler wie mich, die nicht unter die Kategorie
Mainstream fallen, weder auf MTV noch auf VIVA
laufen und auch nicht die großen Budgets zur
Verfügung haben, gibts außer kleinen Nischenradiosendern
und Tageszeitungen niemand, die uns unterstützen.
Da ist das Internet ein optimales Medium. Die
ringsgwandl.de macht ein Fan von mir, ein junger
Typ, der seit einem schweren Verkehrsunfall Frührentner
ist und im Rollstuhl sitzt, ausgestattet mit
demselben rauen Humor wie ich. Keine Starverehrer-Seite,
sondern ein virtueller Stammtisch. Auch ich melde
mich dort öfter mal zu Wort. Ansonsten nutze
ich das Internet eher selten: ich schaue mir
interessante neue Seiten an, nutze Routenplaner,
Bahnauskunft und Amazon. "Strafrechtsparagraphen
gegen unfähige Architekten"- Ringsgwandl über
das Stadttheater
Wann
sehen wir dich wieder in Ingolstadt?
Ringsgwandl: Ingolstadt
kommt nicht an uns vorbei. Wir spielen im gesamten
deutschsprachigen Raum, nur nicht in Südafrika das
hat Heino bereits fest im Griff. In der Fronte
fühl ich mich wohl, im Stadttheater weniger.
Der Architekt hats gebaut und sich anschließend
verzogen, damit er nicht geköpft wird. Das ist
eine Lücke im Strafrecht: Es müsste einen Strafrechtsparagraphen
geben, der unfähige Architekten bestraft.
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Foto und Interview by Uwe Ziegler - www.capress.de |