Interview
 
FUERST 1995

FUERST:

Viele waren überrascht, als du an Silvester 1994 im Schauspielhaus in Köln dein Musical "Die Tankstelle der Verdammten" inszenieren hast lassen. Wie kam es zu der Idee, und wie hast du sie umgesetzt?

Ringsgwandl:

Das Projekt ist ein Musiktheater, nicht ganz im kommerziellen Sinne, wie z.B. "Cats" (O-Ton "Käääzz""), oder das "Phantom der Oper" - Kitsch - Zeugs. Mein Stück ist mehr ein realistisches Theaterstück mit Musik, das aus meiner Zeit stammt. Es geht um ein paar Episoden aus dem Leben vom "Schreiner Schorsch", meinem früheren Gitaristen und auch um Dinge, die ich selbst erlebt habe. Das zusammengefaßt in einer Handlung, zeigt zwei verschiedene Arten davon, wie man sein Leben angehen kann. Die vernünftig rationale, durchkalkulierte Art, und die mehr auf das Leben bezogene Art. Das ganze spielt in einer etwas schrägen Szenerie an einer abgefuckten Tankstelle, wo sich die Typen immer treffen. Typen, wie ein alter Rock'n Roll - Gitarist, der immer chronisch abstürzt, einer, der sich als Testfahrer ausgibt, einer, der einen verhauten Autodealer mimt. Das ist im Groben die Szenerie des Stückes. Ich hatte früher schon Gastspiele im Kölner Schauspielhaus. Vor einigen Jahren kam ich mit dem dortigen Intendanten ins Gespräch. Dem hat damals schon die Idee und das Konzept, das ich von diesem Stück im Kopf hatte, gefallen. 1993 habe ich das Stück dann geschrieben und ihm gegeben. Die Inszenierung läuft mit sehr gutem Erfolg und wurde bereits mehrfach verlängert.
FUERST: Wer wirkt mit, bzw. sind auch Musiker dabei?
Ringsgwandl: Das Ensemble hat im wesentlichen der Intendant zusammengestellt, ich hatte bei der Besetzung ein Mitspracherecht. Die meisten Darsteller sind vom Hausensemble. Dazu kommen drei Gäste - darunter Gerd Köster. Gerd spielt die Hauptrolle, den habe ich an Land gezogen, weil ich gesehen habe, daß das Ensemble keinen Mann hatte, der die Rolle vergleichbar bringen konnte. Ich habe bei dem Stück dann auch noch die Musikeinstudierung mit der Band und den Sängern gemacht.
FUERST: Hast du jetzt Blut geleckt? Wird es weitere Theateraktivitäten von dir geben?
Ringsgwandl: Klar mache ich das wieder! Das macht Spaß!
FUERST: Wird es Inszenierungen an anderen, auch bayerischen Theatern geben?
Ringsgwandl: Es haben sich schon eine Reihe von Theatern dafür interessiert, auch verschiedene Tournee - Veranstalter. Es wird schon noch woanders inszeniert werden. Die letzten, die angerufen haben, waren vom Staatstheater in Stockholm.
FUERST: Du hast letztes Jahr auch beim Ingeborg Bachmann - Preis gelesen und bist dort ziemlich angeeckt. Was war los?
Ringsgwandl: Ja, das habe ich auch gemacht. Und gleich ziemlich eins auf die Fresse bekommen, weil mein Text nicht das war, was sich die Jury vorgestellt hatte.
FUERST: Wieso?
Ringsgwandl: Zwei Juroren fanden meine Geschichte ganz gut, aber die anderen neun haben sie buchstäblich geschlachtet. Die Geschichte, die ich vorgetragen habe, hieß "24 Stunden Sanitär - Notdienst Maderegger" und handelte von einem Installateur, der am Ostersamstag 24 Stunden Notdienst hat. Der Mann hat die Gesellschaft sozusagen aus der Installateurs - Feiertags - Perspektive betrachtet.
FUERST: Als einer der wenigen hast du dich aber gegen die Jurykritik gewehrt?
Ringsgwandl: Bei diesem Wettbewerb ist es so, daß der Autor, nachdem er vorgelesen hat und von der Jury zerpflückt worden ist, noch Stellung nehmen kann. Aber die meisten Autoren sind danach so verdattert und haben so wahnsinnigen Respekt vor diesem Verein, daß sie sich nichts mehr sagen trauen. Manche Autoren sind da bereits vollkommen vernichtet. Ich habe mir das nicht gefallen lassen und denen da mal richtig Gas gegeben - das war ein recht muteres Spiel mit denen. Ich habe denen grob gesagt vorgehalten, daß die Jury selbst ein Problem hat, das mit dem normalen Leben zu tun hat. Und daß da nur beamtenmäßige Germanistik - Professoren säßen - quasi degenerierte Fernsehkasperl. Es tut mir leid, habe ich gesagt, wenn sie als jury die Realität nicht kennen, sondern die Welt nur aus ihren IKEA - Arbeitszimmern heraus beurteilen; dann kann das doch nicht mein Problem sein. Sie sollten vielmehr überlegen, ob sie nicht die Grundparameter für die Beurteilungen revidieren müßten.
FUERST: Parallel zur Musik wird es also von dir zukünftig auch noch Kurzgeschichten und Musiktheater geben. Bleibt da nicht irgendein Gebiet auf der Strecke?
Ringsgwandl: Die Musik bleibt weiterhin mein wesentliches Betätigungsfeld. Diese anderen Sachen konnte ich nur machen, weil ich meinen Beruf als Arzt aufgegeben habe. Alleine an der Tankstellen - Geschichte habe ich ein Jahr gearbeitet.
FUERST: Wird es die Tankstellen - Musik auch mal als Tonträger, quasi als Soundtrack geben?
Ringsgwandl: Ja, ich bin gerade dabei, eine Platte damit einzuspielen. Bis auf zwei Frauenstimmen sind wir eigentlich schon fertig. Das ist kein Bandprojekt von mir, sondern quasi wirklich der Soundtrack zum Theaterstück. Anders ist nur, daß auf der Platte eine Rolle von mir gesungen wird.
FUERST: Welches Programm wird dein Publikum beim Open - Air in Sarching hören?
Ringsgwandl: Ich werde eine neue Band mitbringen, bei der bisher aber nur Nick Woodland als Gitarrist feststeht. Mein früherer Bassist kann nicht, weil der bei der "Tankstelle" mitspielt, und mit dem Schlagzeuger gibt es Zeitprobleme. Aber eine neue Band zusammenzustellen, ist kein Problem. In Sarching werde ich bereits mein neues Bühnenprogramm präsentieren, das "Der bunte Hund" heißt und im wesentlichen auch meine neue Platte ist, die im Herbst erscheint. Das ist dann meine Bandplatte.
FUERST: Welche Themen nimmst du diesmal aufs Korn?
Ringsgwandl: Wie immer die Weltproblematik - in zwei Stunden hin und zurück.