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Saarbrücker
Zeitung, 30.01.1994 |
SZ: |
Im
Konzert eben gab es ja zwei Teile, die ich mal mit »Ringsgwandl
der Erzähler« und »Ringsgwandl der Spötter« überschreiben
möchte. Ist der weniger satirische Teil des Programms
der »neue« Ringsgwandl oder wolltest Du nur einmal
Deine beiden Seiten präsentieren? |
Ringsgwandl: |
Das
Letztere; das ist einfach eine andere Seite von mir.
1977/78 hab' ich schon einmal versucht solche ruhigen
Songs auf Kleinkunstbühnen zu machen, aber das war
damals so, daß das nicht auf große Gegenliebe gestoßen
ist. Weil's natürlich eine ganz andere Art und Weise
ist ein Lied zu machen, als dieses extrem aufgekratzte
und rotzige Zeug, was ich so in den letzten Jahren
gemacht hab', womit ich bekannt geworden bin. Das
ist eine andere Seite, die ich schon immer gehabt
habe, aber die einfach lange Zeit kein Schwanz hören
wollte. Und dieses Jahr hab' ich's dann einfach mal
gemacht. Ich wollt' diese Platte mit diesen Songs
schon immer mal machen. Und da hat dieses andere
grelle, aufgekratzte, wirklich überdrehte Zeug, was
natürlich sehr spektakulär und sehr öffentlichkeitswirksam
war, das hat dadurch mal ein bisserl Ruhepause. Also
ich werde jetzt meinen Lebensabend nicht damit beschließen,
daß ich bloß noch dezente Gitarrenabende gebe. |
| SZ: |
Im
satirischen Teil Deines Programms hast Du über die
Wohnmobilurlauber gelästert. Wieviele Wohnmobilbesitzer,
glaubst Du, saßen heute im Publikum? |
| Ringsgwandl: |
Viele
! Klar, das Publikum beklatscht sich dann auch selbst,
aber das hat zwei Seiten. Auf der einen Seite kann
man sagen, was soll dieses ganze satirische Zeug,
wenn die Leute einfach alles beklatschen, wenn Du
die Leute praktisch mit gar nichts mehr zwicken kannst.
Das ist das Unbefriedigende, das Unschöne dabei.
Auf der anderen Seite, ist es doch ein positiver
Vorgang, wenn Leute irgendwo hingehen, wo einer ihrer
Alltagszustände geschildert wird, sie das erkennen
und sie lachen dann über sich selbst. Das verändert
jetzt nicht die Welt nachhaltig, aber das ist ein
positiverer Vorgang, als wenn jetzt z.B. 70 000 beim »Genesis«-Konzert
hocken. Es ist nicht so, daß der Kabarettist die
Welt verändert, aber es ist ein Unterschied, ob es
jetzt nur Akklamationskünstler gibt, nur kommerzielles
Zeug oder ob es ein paar Leute gibt, die a bisserl
rotziger sind. |
| SZ: |
Aber
klingt nicht trotzdem inzwischen in Deinem Programm
ein bißchen Resignation durch? |
| Ringsgwandl: |
Nein,
das ist keine Resignation, sondern das ist so, daß ich
glaube, daß das gängige deutsche Wortkabarett, bei
allen Verdiensten und bei aller Wichtigkeit und bei
allem Positiven, die diese Gattung in unserem verhurten
Kulturbetrieb einfach hat, daß dieses Kabarett einfach
Ausdruck einer grundlegenden Fehleinschätzung ist.
Ich sag's jetzt mal ganz kraß: ich glaube, daß dieses
ganze SPD- und DGB-gekaufte Kabarett ein grundlegender
Irrtum ist. Weil, es ist einfach eine widerliche
Veranstaltung, wenn ein Kabarettist, der 30% seines
Jahreseinkommens durch SPD-Parteiveranstaltungen
bezieht, vor einem pseudo-aufgeschlossenen Publikum
Kohlwitze macht und die klatschen alle. Ich war schon
immer gegen die Kohlwitze gewesen, weil ich's einfach
für einen zu billigen Scherz halte. Die Politik ist
ein ganz klein bisserl komplizierter, als daß irgendein
dahergelaufener Volksschullehrer, der meint, er macht
einen kritischen Scherz das besser machen könnte.
Deshalb glaube ich, daß das eine Selbstüberschätzung
is'. Ich bin ja ganz a zynische, ironische Sau, aber
ich glaub' nicht, daß es so billig geht, wie es der
normale deutsche Wortkabarettist so macht. Der muß mir
erst mal erklären, was jetzt der Unterschied zwischen
dem Geißler und dem Scharping is'. Und ich glaube
auch, daß die jüngere Generation von Leuten, die
so 20 oder 25 sind, daß die nicht in ein normales
Kabarett reingehen, daß die schon wesentlich weiter
sind und wissen, daß sich dort nicht gesellschaftliches
Weiterdenken abspielt. Das ist ja Unsinn unsere gesellschaftlichen
Konflikte immer noch als den Unterschied zwischen
CDU und SPD darzustellen. Ich glaub' diesen Krampf
nicht. Das ist für mich keine Resignation: ich glaub'
nicht an das Engagement von irgendwelchen engagierten
linken Lieder machern. Das ist Sozialromantik, das
ist einfach ein Irrtum. |
| SZ: |
Heißt
das, daß Du das Politische ganz aus Deinem Programm
'raushalten willst? |
| Ringsgwandl: |
Nein,
nein, ich bin ja nicht unpolitisch oder sowas. Ganz
im Gegenteil, ich habe ganz dezidierte Vorstellungen über
Politik, aber ich weiß, daß ich kein Politiker bin.
Ich würd' mich nie dazu aufschwingen und sagen: "Alle
herhören, jetzt kommt der Ringsgwandl und sagt Bescheid,
wo's 'lang geht" Ich kann vielleicht dem einen
oder dem anderen Politiker eine Frage stellen die
ihn irgendwo zwickt, aber ich würd' mir nie anmaßen
zu sagen, daß die alle blöd sind. Deshalb werd' ich
auch keine Wahlkampfauftritte machen. Es ist nicht
die Aufgabe von einem Künstler, der sich irgendwie
als kritisch versteht, irgendwelche Machtträger zu
zementieren. Ein Künstler hat da nichts zu suchen. |
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Das
Interview wurde geführt von Zippo Zimmermann |
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