Interview
Bayerwaldbote (Regen) vom Mittwoch, 16. November 2005
Georg Ringsgwandl will in Bodenmais große Show machen
Ein Interview mit dem schrillen Rock-Kabarettisten der am Samstag bei "Kultur im Keller" im Adam-Bräu-Keller auftritt
Von Michael Lukaschik.
Bodenmais. Am Samstag feiert "Kultur im Keller" in Bodenmais Premiere. Regelmäßig will Eva Adam-Sterl künftig Musiker und Kabarettisten in die Tiefgarage des Hotels Adam in der Bahnhofstraße holen. Den Anfang macht am Samstag, 19. November, Georg Ringsgwandl, der zur Zeit mit seinem Programm "Alte Reißer & frisches Gwachs" auf Tour ist. Der Bayerwald-Bote hat sich mit Georg Ringsgwandl unterhalten.
Kennen Sie Bodenmais?
Ringsgwandl: Nein, deswegen komme ich ja.
Zum Programm: Sie sind mit vielen älteren Sachen wieder auf Tour. Die Bühnenshow ähnelt der, die Sie schon in den 80er Jahren hatten. Warum? Ist es Nostalgie?
Ringsgwandl: Nein, diese Art habe ich auch in den 90er Jahren weitergemacht. Zwischendurch hat es andere Phasen und Programme gegeben: 1993 zum Beispiel Staffabruck, bei dem Programm habe ich mich ganz normal auf die Bühne gesetzt, ganz zivil und nur mit Gitarre; dann gab es verschiedene Theatergeschichten. Und jetzt machen wir wieder ein Live-Programm, das richtig scheppert, das so glamourös ist, dass es funkt.
Ist das dann der echte Ringsgwandl?
Ringsgwandl: Ja, das ist eher der echte, der da rausbricht. Das hat aber auch damit zu tun, dass die ganze Verzagtheit und das Gejammer, das Gewuisel, dass alles so schlimm ist, nicht mehr auszuhalten ist; und deshalb habe ich gedacht, jetzt sollten wir wieder mal so richtig draufhaun.
Glauben Sie nicht, dass wir noch immer, wie Sie es einmal ausgedrückt haben, im "Zeitalter der Doagbatzen" leben?
Ringsgwandl: Ja, der Eindruck verstärkt sich eher. Aber es gibt noch ein paar Andere, und ich bin der Prediger dafür, dass den Anderen Mut zugesprochen wird. Ich kämpfe den verzweifelten einsamen Kampf gegen die deutsche Fernsehunterhaltung.
Sie treten aber ab und zu im Fernsehen auf.
Ringsgwandl: Ja, aber selten, ganz selten. In der flächendeckenden Comedy-Industrie bin ich nicht vertreten.
Sie sind auf Ihrer Tournee in ganz Deutschland, in Österreich und in der Schweiz unterwegs. Was ist der Unterschied zwischen dem Publikum in Niedersachsen und in Niederbayern?
Ringsgwandl: Die haben bloß einen unterschiedlichen Dialekt. Niederbayern und Niedersachsen unterscheiden sich sonst nur ganz unwesentlich. Leute, die auf dem Land leben. Vorteil in Niederbayern für mich ist, dass ich hier so reden kann, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Da verstehen mich die Leute. In Norddeutschland muss ich mich anstrengen, da muss ich so amtsboarisch reden.
Wie groß ist bei Ihnen noch die Lust am Verkleiden, am Schminken, am Klamauk, der Ihre Konzerte auszeichnet? Wie wichtig sind Ihnen die Showelemente?
Ringsgwandl: Das ist ganz extrem wichtig. Wenn ich nur eine Band habe, nur Musik mache, da wird's ma fad. So eine normale Rockband ist mir zu lätschert. Die Band muss schon gut sein. Aber die Show muss so sein, dass ich weiß, warum ich reingehe und Eintritt zahle. Ich will eine Bühnenshow sehen, ich will etwas geboten bekommen. Normalerweise hänge ich muffig den ganzen Tag rum, aber wenn ich mich gegen sieben in meine Garderobe setze und richte mich fesch her, so dass ich zur Oscar-Verleihung oder in Las Vegas im Cesar's Palace auf die Bühne gehen könnte, dann fühle ich mich wie ein anderer Mensch, dann fühle ich mich in Hochform.
Wie exakt ist so ein Abend durchchoreografiert?
Ringsgwandl: Überhaupt ned. Des fahrt aus mir heraus, des is mehr zufällig. Es passiert immer irgendwas, aber das ist nicht trainiert.
Die Zwischenmoderationen, die ja im Konzert sehr wichtig sind, wie spontan sind die?
Ringsgwandl: Die Moderationen sind ein wesentlicher Teil vom Abend. Ich habe sie nie auswendig gelernt. Es gibt einige Geschichten, da weiß ich, wie die laufen, aber da gibt es verschiedene Varianten. Kann sein, dass sie in Bodenmais eine ganz andere Wendung nehmen.
Ihre Mitmusiker nehmen es Ihnen nicht übel, dass Sie sich manchmal etwas abfällig über sie äußern?
Ringsgwandl: Nein, das wissen die schon, dass das gefährlich ist und verreckt ausgehen kann.
Nick Woodland, der Gitarrist, hat ja immer einen ganz stoischen Gesichtsausdruck.
Ringsgwandl: Manchmal sage ich, dass da Nick tot ist; dass da a douda Engländer an der Gitarr is. Oder dass er blind und taub ist. Aber die Jokes, die kennt er schon.
Mit Nick Woodland sind Sie schon lange unterwegs, aber Ihre zwei anderen Mitmusiker sind neu.
Ringsgwandl: Ja, der Manni Mildenberger und der Flo Schmidt sind ganz junge Burschen, 22 und 28. Ich habe sie im Dezember 2004 bei einer Wirtshausveranstaltung aufgegabelt. Das sind zwei hervorragende Leute. Da ist jetzt eine kleine frische Musikwerkstatt unterwegs.
Sie haben drei Töchter. Töchter sind gegenüber Vätern oft sehr kritisch. Wie sehen Ihre Töchter das Programm?
Ringsgwandl: Sie sind kritisch, ja, aber sie lieben ihren Vater auch. Gegenüber mir waren sie immer total respektlos. Ich war daheim nie der Star. Die haben da ein ganz entspanntes Verhältnis dazu. Manche Sachen finden sie nett, manche Sachen finden sie nicht gut. Das sagen sie auch. Früher haben sie sich immer geschämt, weil der Vater so verrücktes Zeug macht und nicht der normale Zahnarzt ist. Inzwischen haben sie sich arrangiert und wissen, dass der Vater nicht zu retten ist.
Sie haben sich schon sehr pessimistisch geäußert über die derzeitige Gesellschaft, über die Politik, über die Bürokratie, über die Verzagtheit. Sehen Sie einen Hoffnungsschimmer?
Ringsgwandl: Ich würde mir wünschen, dass die Verzagtheit einmal weicht.
Sie verstehen sich nicht als politischer Liedermacher.
Ringsgwandl: Ich bin schon ein politischer Liedermacher, aber nicht im Sinn eines Agitationsbarden, der gegen Missstände ins Feld zieht und bei Gewerkschafts- und SPD-Veranstaltungen auftritt. Aber die Sachen, die ich schreibe, die haben einen gesellschaftspolitischen Hintergrund. Von der Parteipolitik habe ich mich komplett abgewendet. Das ist ein ödes Thema, das ist, als würde ich über verschiedene Mehlsorten in Nordrhein-Westfalen reden.
Noch eine Botschaft an Bodenmais?
Ringsgwandl: Die sollen einheizen, wenn wir kommen, do is bei eich hinten ja scho saukoit im November.
Sie kennen das Motto, unter dem Sie in Bodenmais auftreten?
Ringsgwandl: Nein.
Kultur im Keller.
Ringsgwandl (lacht): Spitze.
Sie wissen, wo Sie spielen werden? Es ist eine Hotel-Tiefgarage.
Ringsgwandl: Interessant, dann wäre es nicht schlecht, wenn sie vielleicht zwei Autos rausfahren würden, damit wir Platz haben. Und schon mal einen Heizlüfter anlaufen lassen, damit's warm wird.