"Juhuuuuu!" konnte
man da nur geschmerzt antworten, wenn die schöne bayerische
Musi schräg und schwer und lastend durch das Münchner
Zerwirkungsgewölbe dröhnte. Der historische Raum paßte
als Spielort der neuen Studioproduktion des Gärtnerplatztheaters
perfekt, denn die Herren, um die es geht, residieren
gerne so feudal in einem traditionsreichen, stilvollen
Raum , ein paar dezente Hinweise auf die eigene Bedeutung
- hier ein paar "Goldene Schallplatten", ein
gigantischer Chefsessel und ein überdimensionierter Schreibtisch.
Genauso hat Peter Jeremias die Szene bestückt.
Und daß zu diesem Schreibtisch vorne eine goldgelbe Treppe emporführt,
signalisierte ironisch parallel zu dem herzig und vor
Waldesstimmung triefenden Raumeck mit der klassisch aufgemotzten
Stubn-Musi, worum es geht: "Um ein gaaanz ächtes
Bavarian Casting", wo der Schreibtisch dann zum
Laufsteg wird. Schon vor etlichen Monaten hat ja ein
Fernseh-"Tatort" aus München die rabiaten Machenschaften
des gar nicht so gemütlichen Volksmusik-Geschäfts entlarvt.
Der mal clowneske, mal abgründig-anarchische,
mal poetisch-chaotische Kabarettist Georg Ringsgwandl
hat sein in Köln uraufgeführtes "Operettchen" überarbeitet;
die nun einstündige Parodie "Die Ländlerqueen sieht
Morgenrot" zeigt, wie ein "Dr. Franz",
ein Konzentrat der Medien-Bosse Siegel - Kofler - Thoma
- undundund, nach einer Dekoration für seine Werbeblöcke
sucht: Einer "Humpftrarara" und Tümelei.
Fred Silla traf diese Mischung
aus selbstgefälliger Nulldiät, "Niete in Loden-Mode",
aus albinohafter Blässe und gierig geschmackloser Geldmacherei
ganz präzise und so tat denn dieser "Engerling Im
Edelholzbüro" "Gutes mit möglichst viel Gewinn".
Das folgende Hin und Her, die verkrampfte Suche nach "Neuem" -
das dann ein pervertiertes "Altes" wird - besaß mal
Wortwitz, mal Derbheit, mal auch noch gespreizte Unbeholfenheit,
aber ingesamt gutes Timing.
Tristan Schick am Klavier
ließ seine sechs Instrumentalsolisten die Spannweite
von Schlager der dreißiger Jahre über Gershwin hin zu
allem Schmuh und Schmäh zwischen Ländler, Polka, Zwiefachen
oder Czardas schmunzelnd ausmusizieren. Gisela Ehrensperger
verkörperte und singschauspielerte die Margot, dieses
tiefdekolletierte Kraftmilchpaket einer bayerischen "Haßmilchfirma" so
herrlich direkt, daß Ringsgwandls visionärer Alptraum
mehr als wahrscheinlich wurde: Demnächst mit Griff in
den Schritt und eindeutigem Genuggele an Melkmaschinenmikrofonen
die "Super-Sado-Maso-Volksmusikshow" - und
das nur hundert Meter vom Hofbräuhaus enfernt! Juhuuuu!
Wolf-Dieter Peter