| Von Helmut Schwarzmeier
Landau.
Sämtliche Register
hat Georg Ringsgwandl am Donnerstagabend beim Zeltfestival
gezogen. Musikalisch unterstützt wurde er von den "alten
Giftlern".
Es
gibt Ärzte,
die arbeiten mit Tupfer und Skalpell, andere wiederum
stochern mit dem Bohrer in den Mündern anderer Leute
herum. Diese "Tugenden" hat der Arzt Ringsgwandl
schon längst auf anderen Gebieten ausgebaut. Scharf wie
ein Skalpell schneidet er sich immer tiefer in sozialkritische
Themen. Wenn man ihn so sieht, traut man ihm das alles
auf den ersten Blick gar nicht zu. In Sachen Outfit ist
er nicht vom Geschmack gesegnet. Ein Hut in Form eines
Nachttopfes, ein soft- lila Jacket, gelbes Hemd, grün-gemusterter
Binder, schwarze Hose, schwarze Schuhe mit goldenem Einsatz,
in denen er barfuß steht - so betritt der Meister der
schrill-skurilen Auftritte die Bühne.
Der
Zuschauer meint auf den ersten Blick, ihn könne kein
Wässerchen trüben. Doch das ändert sich schnell. Ringsgwandl
erzählt von Peter Maffay, der mit seinen perversen Freunden
aus den diversen einschlägigen Massagesalons die Gegend
unsicher macht, belästigt einen Kameramann und klärt
ihn darüber auf, dass das analoge Zeitalter längst vorbei
ist. Beleidigt will Ringsgwandl wissen, warum der Mann
keinen Film über den kleinen Mann oder Frau aus Niederbayern
dreht. Dabei kann er bitterböse werden und macht nicht
einmal vor sich selber halt. Als Ringsgwandl sich einmal
verhaspelt, tippt er auf einen Defekt seiner körpereigenen
Festplatte oder auf einen Hirntumor. Oder war doch der
Tartar oder das Sushi schuld und er hat einen Fischbandwurmbefall
im Gehirn?
Nach
den Verbalattacken geht es musikalisch weiter mit Geschichten,
die das Leben schreibt, unterlegt mit fetzigem Rockn`Roll,
Blues, Reggae, Country- und Westerntönen oder mit gefühlvollen
Liedern, bei denen ihm die Zuhörer seine Geschichten
förmlich von den Lippen ablesen. Die Musik der Giftler
macht den Kabarett-Abend perfekt.
Georg
Ringsgwandl macht es schon längst nichts mehr aus, dass
sein englischer Gitarrist seit der Zeit, als sich BMW
in England unbeliebt gemacht hat, nur noch im Sitzen
spielt. Er steht höchstens auf, wenn es zum VIP- Zelt
in die Pause geht.
"Dieser
Journalist gehört abgewatscht" - Georg Ringsgwandl
ist mit der Berichterstattung einer großen Münchner Tageszeitung,
nicht ganz zufrieden. Denn Feuilleton versteht der Kabarettist
nicht, Politik ist ihm Wurst, und wenn ein Krieg ausbricht,
merkt er es sowieso. Wenn er jedoch den Sportteil liest,
steigt bei ihm der Adrenalinspiegel weit über das erträgliche
Maß hinaus. Die Phantasie von Ringsgwandl ist mannigfaltig,
grenzenlos und reicht hin bis zum Strafdengeln auf einem
Bauernhof. Was ihn derzeit jedoch mehr beschäftigt, ist,
einen neuen Markt für sich zu eröffnen. Ringsgwandl will
die Frauen für sich gewinnen, die mehr durch innere,
als durch äußere Werte glänzen. Schönheit ist also relativ,
da können auch T- Shirts-tragende, mit alten Jogging-Hosen
ausgestattete Damen in einem ganz anderen Licht erscheinen.
Selbst
mit dem Landtagsabgeordneten Wallner hat er Erbarmen
und ist für dessen Rehabilitierung. Vielleicht deswegen,
weil Ringsgwandl bereits an die nette Tierhomöopathin
denkt, die bei Schwellungen aller Art helfen kann.
Geholfen
hat Georg Ringsgwandl denjenigen unter den knapp 500
Zuschauern, die etwas missgelaunt gekommen waren: Sie
verließen am Ende eines ansprechenden Kabarettabends
das Zirkuszelt bestens gelaunt. |