Pressearchiv
2004
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| Landshuter Zeitung, Region Vilsbiburg
09.12. 04 |
Ausverkaufter
Konzertabend wurde zum Szenetreff: |
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Georg
Ringsgwandl und Band gastierten in der Schloßwirtschaft
- "Turbolenz" Vorband
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Haarbach.
Es hätte gacher sein können, aber nicht voller. Als die
bayerische Kultfigur Georg Ringsgwandl mit Band am Nikolausabend
auf die Bühne in der Schlosswirtschaft stieg, lernte
das Publikum gepolsterte Fledermäuslhäusl kennen, hörte
das Iraklied und erfuhr von den schlechten Abgaswerten
schöner Frauen. Nach ihrem Zitherlied wollte die extrige
Diva im Dr. med. die Wirtschaft - die für einen Abend
zum wahren Szenetreff mutierte - "zusammenklappen,
weil schon seit Napoleon hier nix investiert wurde".
Diese Theorie belegte der Meister der Satire mit einem
Blasenstein, der im Klo gefunden wurde und scheinbar
vom mächtigen Franzosen stammte. Mehrere hundert Gäste
auf dem altehrwürdigen Tanzboden nahmen ihm das nicht
ab. Der angekündigte Krampus wurde von ihnen zwar ein
wenig vermisst, dafür gab es "Turbolenz" als
Vorband.
Nur ganz wenig Vilstaler Schickeria
verirrte sich am Montag nach Haarbach. Und so wirkte der
binnen kurzem ausverkaufte Konzertabend eher wie ein großes
Treffen zweier ober- und niederbayerischer Szenefamilien,
bei dem der Kampf um einen Sitzplatz knapp eine Stunde
vor Beginn alternativ ausgetragen wurde. Promoter Edi Speckmaier
hatte Haarbach mit der Schlosswirtschaft dafür ausgewählt.
Ein verdammt guter Chaot!
Bei der Bräu Fanny, da steigen
die Musiker einfach so auf die Bühne, die gerade genug
Platz für Ringsgwandl und Band bietet. Die Choreografie
nennt die Urgestalt, die aus einem Vorort von Bad Reichenhall
stammt, wenn sie Kontrabassist Christian Diener, Drummer
Gerwin Eisenhauer und Gitarrist Nick Woodland von der Bühne
jagt, "zum Inhalieren". Denn wo Ringsgwandls
Texte den Nerv des Publikums treffen, herrscht Rauchverbot.
Spontan und flexibel gibt er sich während des gesamten
Programms; eine ganze Reihe von Lachern provoziert er g'spinnert
aus dem Stehgreif - und sei es notwendig, sich in das ihn
störende Geratsche seiner Gäste einzumischen.
Im zufällig gewählten Kostüm,
zwei Trachtenhüte übereinander, sagt er: "Hörts ihr
mei Gitarre?" Und es ist klar, welche Tonart gespielt
wird. Mit der endlosen Geschichte des Namens der Frau Hummelbrunner,
der durch die Hochzeiten der Nachkommen internationalen
Charakter bekommt, wärmt sich Ringsgwandl, der verdammt
gute Chaot, auf. Für die Zitherlieder packt er die Zitherhaube
und die Sonnenbrille aus - heutzutage sei Musik auch eine
Modefrage - und singt, er habe den Aufschwung auf dem Gewissen.
Weil er halt nur im Seconhandladen kauft. Melancholisch
anmutend geht es weiter - stets optimal begleitet von Tontechniker
Wolfgang Hartmann -, wenn er bedauert, "dass es früher
immer so viel gschnimm hat". Oder er fragt: "Buarle,
was bedeutet Dir dein Leben?"
Schwager wie ein Gänsegeier
Eines bleibt für den ausgebildeten
Kardiologen, der vor über zehn Jahren seinen Beruf an den
Nagel gehängt hat, ungeklärt: Warum doch Franken und Bayern
keine Rennfahrer hervorbringen. "Natürlich, die fahren
nicht schlecht." Aber wahrscheinlich sei es die natürliche
Selektion durch die Bäume.
Mit seinen Trennkost-Musikern, "der
eine isst das Fleisch, der andere das Gemüse", entführt
Ringsgwandl die Zuhörer an den Vilstalstausee, oder war
er der Rottalstausee? - Ihm ist es egal, wie die Flüsse
heißen, das Publikum verzeiht es ihm. Am Stausee, da wohnt
die Verwandtschaft und baut Fledermäuslhäusl. Gepolstert
versteht sich, damit sich die armen Viecherl beim Anflug
die Schnauzen nicht immer so quetschen. Die Fledermäuslhäusl
bringt sein Schwager, der Urologe, am Haus an, der sonst
tückische Textilien trägt und deshalb ausschaut wie ein
Gänsegeier, wenn am Samstagabend die buddhistische Ruhe
im Haus einkehrt. Gezitherte Philosophie als Rapper über
Feng Shui mit dem Klo im Wohnzimmer und Fragen wie "Host
Do scho des neuaste Windows? Bist Du zufrieden mit deiner
Maus?" machten zwei Zugaben fällig. Bitte mehr, Georg
Ringsgwandl.
An Gemeinsamkeiten mit der Vorband "Turbolenz" war
bis auf ein paar Rapwurzeln nichts auszumachen. "Turbolenz",
das sind Schlagzeuger Mane Mildenberger, Bassist Florian
Schmidt und Leadgitarrist Stefan Lenz, die durch einen
Mix an Themen und Musikgenres ansprechen. Rapgesang paart
sich mit Jazzbreaks ab. Durch Auftritte bei Stadtfesten
oder sogar als Vorband für Nena wurden ihre Songs bekannt.
Bei ihrem Gastspiel in Haarbach traf ihre Musik auf geteiltes
Publikum. Bei Musikerfreunden älterer Generation erfuhr
sie wohlwollend Anerkennung; an manchen Tischen wollte
man nur endlich den Ringsgwandl hören. Lauter hätte es
auf jeden Fall sein dürfen.
Nadja Pongratz |
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| Straubinger Tagblatt 01.12. 04 |
Witzig
und ein bisserl hinterfotzig
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(cb)
Nicht “um
sechse in der Fruah“, wie es in seinem Lied vom
allgemeinen Aufstehen in der Stadt beschrieben wird,
nein um halbe neine auf d‘Nacht legte er los, der
Meister Ringsgwandl, am Samstagabend im Burggasthof Neurandsberg,
und die großen Erwartungen der vielen Zuhörer wurden
nicht nur nicht enttäuscht, sondern noch übertroffen.
Eines seiner Markenzeichen, sein schrilles “Outfit“ hat
er im tiefsten bayerischen Wald ja im Koffer gelassen,
aber nicht seinen treffsicheren Witz, seine Bosheiten,
seine Hinterfotzigkeit und seinen Zynismus. Wenn er in
schönstem Bayrisch “das Hochdeutsche ist deppert“ oftmals
hart an der Gürtellinie entlang schrammt ? bei ihm gehörts
irgendwie einfach dazu, “der Meister darf die Form
zerbrechen“.
“Du musst mit der Musik die geheimen Wünsche der Frauen spiegeln, mit nur
drei Mann gar nicht so einfach. Aber bei dieser Wahnsinnsband ist für jeden Frauentyp
etwas dabei. Der Bassist Christian Diener ist einer für Frauen mit dem Haralappen,
der Gitarrist Nick Woodland der Mann für die Oberschichtfrau, und der Schlagzeuger
Gerwin Eisenhauer der Mann, mit dem sich die Frauen identifizieren.“ So
stellte er seine Band vor und zusammen mit ihm selber, dem Gitarristen, Zitherspieler,
dem Spieler auf dem Synthesizer, wurde “in Kack- oder Mistdur“ gerockt,
wie es so noch nie auf der Neurandsberger Kleinkunstbühne zu hören war ? wobei “Kleinkunstbühne“ in
diesem Fall nicht nur als Genrebezeichnung, sondern den Ausmaßen nach wörtlich
zu verstehen ist und daher für den Original-Georg-Ringsgwandl-Ausfallschritt,
fürs schräge gelenkige Beineschwingen, die großen Sprünge und Gesten, eigentlich
zu klein, aber in der Beschränkung zeigte sich auch hier wieder einmal der Meister.
Nicht Protestsong, Blues wird es genannt, wenn er singt: “Du kannst nix
mitnehma“, wenn er singt von Hoffnungslosigkeit, Ungerechtigkeit, von den
Großen, die daheim bleiben, wenn sie dich in den Krieg schicken. Heute kommt
in seinem Song nicht mehr der Russ, sondern, aktualisiert, “der Bush“.
Der Mann mit den zwei Hüten stellt seine selbstkomponierte Oper vor, den Straßenköter, “die
scheene Frau“ darf nicht fehlen. Mit seinen frechen
Zwischentexten zieht der Schorschi aus Berchtesgaden vom Leder was das Zeug
hält.
Dem hellauf begeistertem Publikum bereiteten Ringsgwandl und Band ein Riesenvergnügen,
frenetischer Beifall zwang zu mehreren Zugaben.
Baierl
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| Tiroler Tageszeitung 29.11.04 |
Der
Beelzebub im Schafpelzmantel
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Multitalent
Georg Ringsgwandl begeisterte mit seiner Band Die alten Giftler im
Alten Kino von Imst.
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Wer
Georg Ringsgwandl nicht kennt und angesichts der Tatsache,
einen gewesenen Arzt vor sich zu haben, glaubt, ihn problemlos
einordnen zu können, irrt sich im Laufe des Abends gleich
mehrere Male. Die Person auf der Bühne ist in keinem
Sinn des Wortes zu fassen und schlägt im Gegensatz zu
anderen Kabarettisten, die sich zumindest einem politischen
Lager zuordnen lassen, völlig aus der Art. Ringsgwandl
ist Bürger und Anarchist, besorgter Vater und Weiberheld,
Popikone und Volksmusiker zu gleichen Teilen.
Nichts überwiegt bei ihm, alles findet in seinen Liedern
und Anekdoten auf beeindruckende
Weise seinen Platz.
Und wenn manchmal auch das Gefühl entsteht, Ringsgwandl hätte entweder als Medizinstudent
zu viele Selbstversuche unternommen oder sei eine Eigenart von Genie, so rührt
die Tiefe seiner Worte nachhaltig und hinterlässt einen Eindruck von Zuversicht,
ohne sentimental zu werden.
Dementsprechend singt er vom groben Leben, das einem nicht immer die
Wahl lässt
und zu allerhand absurden Situationen führt, mit der Liebe eines Menschen der
am Anfang steht und sich ehrlich freut auf der Welt zu sein. Dabei stellt Ringsgwandl
aber nicht die Helden aus Film und Fernsehen, sondern den so genannten gewöhnlichen
Menschen in den Vordergrund und erzählt dessen Geschichten vom Scheitern und
Aufbegehren im Alltag.
Die Ironie und Depression der Fünftagewoche mit angehängtem Wochenende sind für
Ringsgwandl aber kein Grund zur Aufgabe, sondern immer einen Lacher wert, und
bilden den traurig-komischen Spannungsbogen eines empfehlenswerten Abendprogramms.
Zu dessen Gelingen tragen zu einem großen Teil auch die drei Musiker der Band
Die alten Giftler bei, die auf dem Kontrabass, dem Schlagzeug und einer Gitarre
Ringsgwandl ausnehmend gut begleiten und zusammen mit ihm eine Formation bilden,
die beste Unterhaltung bringt.
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| Münchner Merkur, Region Ebersberg15.11.04 |
Realsatire
in Fleischwolfmanier
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VON
FRANZ KÖPPL. Vaterstetten - Dass Georg Ringsgwandl ein guter
Oberarzt in einer Garmischer Klinik war, wussten wohl
nur wenige der über 300 Besucher im Vaterstettenener
GSD-Saal. Aber dass er ein hervorragender Künstler ist,
wissen sie spätestens seit dem Wochenende, als er sein
begeistertes Publikum mit einem hinreißenden Programm
in seinen Bann zog. Damit ist es der Vaterstettenerin
Monika Hofmeister einmal mehr gelungen, einen für ihren
Heimatort außergewöhnlichen Abend zu organisieren.
Ein
Hut, ein jeden Geschmack beleidigendes grünes Jacket,
eine kleinkarierte Hose und rote Turnschuhe: Schon
von der Kleidung her
ist Ringsgwandl eine Ausnahmeerscheinung.
Das Publikum
erkennt sich wieder
Die
Beine nie gerade, sondern immer eins davon verdreht,
seine
Schlaksigkeit und hochaufgeschossene Figur tragen ein Übriges
dazu bei, dass man die Augen nicht von der Bühne lassen
kann. Und dann redet Ringsgwandl einfach drauf los
und schafft es in kürzester Zeit, Personen so zu charakterisieren,
dass wir sofort unseren Nachbarn oder, schlimmer, uns
selbst darin erkennen.
Der
unfähige
Architekt, von dem er wissen will, wo er dafür ausgepeitscht
wird, was er mit seinen Plänen noch alles verbrechen
wird, der Mitarbeiter im Landratsamt, der sich nicht
totarbeitet, der Rassist, der die Ausländer hasst und
für alles verantwortlich macht, die frustrierte neureiche
Hausfrau, die nach dem 10-Uhr-Piccolo mal in den Tablettenschrank
schaut, der Geizkragen, für den es ein gebrauchter
Fichtensarg auch tut, alle waren sie vertreten und
dienten nach dem Durchlaufen des Ringsgwandlschen Fleischwolfes
nur noch als Grundlage für seine Realsatire.
Manchmal
schwer verständlich
Große Teile
des Abends waren musikalisch, wobei Ringsgwandls Auftritte
mit Gitarre und Zither von einer dreiköpfigen Band
unterstützt wurden. Dabei musste man gut zuhören, denn Ringsgwandl
nuschelte bisweilen völlig ungeniert. Zusätzlich durch
seine Mundart erschwert entgeht einem da leicht der
Familienstammbaum des Wolfratshausers Edmund Stoiber,
der von Russland und Österreich über Finnland und Jordanien
sowie Spanien das Familienblut direkt nach Wolfratshausen
bringt.
Ringsgwandls
Humor ist bissig und skurril, bisweilen sogar zotig,
aber stets gewöhnungsbedürftig und vor allem immer
mitten ins Ziel treffend. So beispielsweise die permanenten
Seitenhiebe auf die eigene Berufsgruppe, die Ärzte.
Wer genau hinhörte, konnte auch die pazifistische Grundeinstellung
heraushören, wenn Ringsgwandl zum Beispiel über die
Sinnlosigkeit des Krieges philosophiert. Nicht nur
deshalb war der Abend sicherlich alles andere als sinnlos. |
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| Münchner Merkur 15.11.04 |
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VON
DR. BÄRBEL
SCHÄFER. Dachau - Mit seiner Band, den "giftigen
Krattlern", gastierte Dr. Georg Ringsgwandl auf
dem "Tempelberg" und sagte den Dachauern im
ausverkauften Thoma-Haus Bescheid. Dem tollhaus e.V.
war es gelungen, den "gaachen Songpoeten" nach
Dachau zu holen. Für sein zweistündiges Destillat aus
irrwitzigem Nonsens und nachdenklichen Geschichten und
Liedern erntete der Rocker von der traurigen Gestalt
frenetischen Applaus.
Doch
der gelernte Kardiologe tritt nicht mehr in der schrillen
Bühnenshow
der 90er Jahre auf, sondern mit dezenterem Image, weniger
exaltiert, dafür ruhiger, stellenweise sogar melancholisch.
Kaum geschminkt, ohne "damische Perückn",
in Sakko und Krawatte steht er mit der Gitarre brav
auf der Bühne. Einziges Relikt aus alten Zeiten ist
der graue Filzdeckel auf dem Kopf und die verdrehte
Körperhaltung mit dem Luftsprung zum abschließenden
Gitarrenakkord - das Markenzeichen des schrägen Vogels.
In nuancenreicher bayerischer Mundart ohne volkstümliche Dumpfheit fabuliert
Ringsgwandl über Feng Shui, über kleinkariertes Spießertum und erbarmungswürdige,
gescheiterte Existenzen. Die Einladung nach Dachau goutierte er mit Erinnerungen
an Hebertshausen, wo er vor 28 Jahren seine erste Praxisvertretung absolvierte.
Damals hatte er noch keine Ahnung von der Medizin, aber er hat die Patienten
sowieso nur "ogschaut". Im Arzthaushalt (die Älteren im Publikum
konnten sich noch an die Familie erinnern) ging`s nicht besonders vornehm zu:
Einkaufen im Krone-Center, Rinderherz aus der Hundefutterabteilung und ein
bis unter die Haarspitzen bewaffneter Doktor. Mit einem ironischen Seitenhieb
auf unzufriedene Ehefrauen ("Mein Körper ist ein Labor") bedachte
er die Dachauer Politprominenz.
Ringsgwandl entwickelt seine Comedy aus der Realität und macht aus dem Zeitungsbericht
einer in Wien verurteilten Russin einen umwerfend komischen Familienstammbaum,
der von Schweden über Island und Jordanien bis ins schwärzeste Bayern reicht: "Die
Isländerin ist so beinhart, dass sie sogar im Dachauer Hinterland durchkommen
könnte." Witzig ist, wenn er seine Bandmitglieder als Frauentypen charakterisiert,
denn "Genie allein reicht nicht, Marketing ist alles". Bassist Martin
Thalhammer mit Bausparer ist der Typ für die ganz normale Frau, während Gitarrist
Nick Woodland der Mann fürs Abgründige ist. Schlagzeuger Gerwin Eisenhauer
fungiert schließlich als probate Mischung aus beiden: "Wir hätten ihn
an einer Raststelle beinahe an so eine Matz verloren."
Geschichten von Nebenan und aus dem Leben
Ringsgwandls Geschichten schwimmen nicht auf einer Modewelle, sondern kommen
von Nebenan und aus dem Leben. Wenn er von der buddhistischen Idylle bei seiner
Schwester im Chiemgau, von den Heimwerkerwochenenden und dem "Fledermaisl-Haisl",
das der Schwager in fünf Metern Höhe aufhängen muss, damit der Briefträger
die Post nicht hineinwirft, erzählt, dann erinnert das an den skurrilen Humor
eines Karl Valentin. Nach der Pause kristallisierte sich der Auftritt zum Konzert
der Band mit einem brillanten Nick Woodland auf der Gitarre: kräftiger, erdiger
Rock und Evergreens wie das vor schwarzem Humor triefende "Jedermann" und
die Bob Dylan-Adaption "Nix mitnehma". Mit Strickmütze und Sonnenbrille
startete Ringsgwandl ein Umschulungsprogramm für gestrandete E-Gitarristen
und spielte auf der Zither eine herrliche Ballade für Konsumverweigerer, die
ihre Klamotten im Second-Hand-Laden kaufen. Einfach schön der alte Fatalismus-Song "C`est
la vie said the old folks" in bayerischer Fassung: "Irgendwie wird`s
scho wern". Spätestens jetzt wissen die Dachauer Bescheid. |
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| SZ 15.11.04 |
Georg
Ringsgwandl bei tollhaus im ausverkauften Thoma-Haus
Dachau |
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Nick
Woodland Trio legt schnörkellos grundsolide Basis für
den Arzt mit Gitarre
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Dachau. "Bescheid" weiß man
bei Georg Ringsgwandl nie genau, wenn es um die Gestaltung
seines Auftritts geht. "Bescheid" sagte er
vor eineinhalb Jahren in der Weilachmühle Thalhausen
- und nun am Freitag Abend im vollen Stockmann-Saal des
Ludwig-Thoma-Hauses auf Einladung des Kulturvereins tollhaus
Dachau. Wer nun glaubte, nach dem Besuch in Thalhausen
Bescheid zu wissen, der irrte in vielen Punkten. Zwar
ist der solide schnörkellose Rock von Nick Woodlands
Trio für den "Arzt" mit Gitarre" der Fels,
auf den er baut, doch alles andere entwickelt er nach
Laune und spontaner Eingebung. Der Weg ist das Ziel in
diesem Kabarettkonzert.
In
Dachau führte
er am Freitag vor bunt gemischtem, bestens gelauntem
Publikum - vom Grundschüler bis zur Oma - über langatmige
absurde Geschichten voll Lokalkolorit vor der Pause zu
einem stringenten rockigen zweiten Teil, in dem Ringsgwandl
gut gereifte Goodies wie "Kannst nix mitnehma" auf
Bob Dylans "Gotta serve somebody" in Bestverfassung
servierte oder den abgeklärten Song über die verlorenen
Ideale: "Wos bedeut' Dir dein Leben?" Da mochten
viele es bedauern, unruhig auf Stühlen in Reihe sitzen
zu müssen, anstatt den Zuckungen nachzugeben und selbst
abzurocken nach Herzenslust.
Nick
Woodland, britisches Rock-Urgestein in München, und Martin Thalhammer
am Bass sind langjährige Weggefährten Georg Ringsgwandls,
der beileibe nicht immer die schrille Diva auf der Bühne
herauskehrt, sondern auch mal von der Rampe zurücktritt.
In Dachau schrubbten sie mit Erwin Eisenhauer am Schlagzeug,
und auch die Dachauer Musikexperten waren voll des Lobes.
Schmunzelnd quitierten sie den Deutschrock-Oldie "Shakehands,
Dein Herz liebt einen anderen", den Ringsgwandl
unvergleichlich rockig ins Mikrofon schmalzt. Sie wippten
mit bei "Irgendwie werd's scho werdn"" ("You
never can tell"), der optimistischen Antwort auf
die Null-Bock-No-Future-Haltung, und bei Georg Ringsgwandls
inbrünstiger Konsumverweigerer-Hymne "I bin der
Bremsklotz für die Konjunktur, i hob'n Aufschwung auf'm
Gwissn", puristisch und cool manäristisch auf der
Zither begleitet.
In
solches Schwelgen in musikalischen Jugenderinnerungen
hinein zündete der
Zyniker die Granate des "Schaff ma uns a paar Kinder
o, ziag ma's auf - zum Überlebn, zum Zammafahrn, zum
Umbrachtwerdn. Ob der Kärntner gwählt wird, ob der Balkan
explodiert: Lass uns net streitn, es streit scho de ganze
Welt".
Nach
solch unverblümtem
Bescheid ein wunderschön unorthodoxes Liebeslied an eine
ebensolche "scheene Frau". Und wieder Lachsalven
Zündendes mit den grotesken Episoden "s' liegt alles
im Feng-Shui" zum Zithersolo oder den Heimwerker-Wochenendfreuden
mit Fledermäushäusl und anschließendem Pantoffelabend
im zwangsjackenähnlichen Bärli-Anzug. Eine Achterbahn
der Gefühle setze Ringsgwandl in Betrieb, und die Dachauer
kosteten sie mit Vergnügen aus. Seine hitverdächtige
Rockballade "Jedermann, deine Tage sind gezählt" begleitete
als Ohrwurm nachhause.
EVA S. KLIMT |
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| Nürnberger Nachrichten 12.10.04 |
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Georg
Ringsgwandl in Hilpoltstein
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Endlich
macht einer mal auf kultureller Ebene das, was Globalisierungskritiker
schon lange fordern: Die regionalen Ressourcen nutzen!
So war Georg Ringsgwandl wohl der einzige der Aufführenden,
der zum Konzert mit der Hilpoltsteiner Stadtkapelle in
der örtlichen Stadthalle eine etwas längere Anreise hatte.
Dabei war diese ungewöhnliche Fusion des oberbayerischen
Unikums mit einem vorwiegend jungen Freizeit-Orchester
nicht nur ökonomisch, sondern auch musikalisch ganz wunderbar
passend.
Gedacht war die Veranstaltung als ein „etwas anderer Hoagartn“, angelehnt
an die alte Tradition der lockeren, feierabendlichen Zusammenkünfte, bei denen
im ländlichen Bayern geschwatzt, gespielt, musiziert oder gehäkelt wird: In lockerer
Abfolge bringt die Stadtkapelle unter Leitung von Siegfried Czieharz Ausschnitte
aus ihrem breiten Programm, das keine Grenzen zu kennen scheint zwischen Volksmusik,
Pop-Melodien, spanischer Klassik oder New-Orleans-Jazz.
Eine von zwei Attraktionen
„Ein hervorragender Klangkörper“ konstatiert Georg Ringsgwandl ganz
treffend und ausnahmsweise ganz ohne Ironie. Er begreift sich und seine musikkabarettistischen
Einlagen demnach nur als eine von zwei Hauptattraktionen und schwadroniert sich
wie gewohnt durch die allerköstlichsten Absurditäten, wobei ihm das ganz banale
Leben die besten Steilvorlagen bietet.
Da gipfelt das an sich schon vollkommen hanebüchene Thema „Mülltrennung“ in
der Frage „Wie entsorge ich einen Kropf?“, oder der Trend zu Doppelnamen
wird gedanklich so konsequent weitergesponnen, dass nach unzähligen Hochzeiten
doppel- und dreifachnamiger Menschen in der fünften Generation ein Nachnahme
eine ganze DIN-A4-Seite füllt. Die messerscharfen Spitzen dieser valentinesken
Ulknummern liegen immer haarscharf unter der Oberfläche. Höhepunkte des Abends
sind Lieder, die Ringsgwandl und die Stadtkapelle gemeinsam aufführen: „Hühnerarsch,
sei wachsam!“, mit konzentrierter Ernsthaftigkeit gespielt von jungen Musikantinnen
und Musikanten in roten Maßanzügen. Einmalig!
PETER GRUNER
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| Nürnberger Zeitung 11.10.04 |
Ringsgwandl-Konzert
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Ob
man im klassischen Sinne von einem Programm sprechen
kann, wenn
einer wie Georg Ringsgwandl auftritt, mag man beim Besuch
eines seiner Konzerte leise bezweifeln. Zwei Jahrzehnte
nun mischt dieser philosphische Kasperl die Musik- und
Kabarettszene mit seinen verqueren Geschichten und Betrachtungen über
den Zeitgeist auf.
Auch beim Gastspiel in der Stadthalle von Hiltpoltstein
war Ringsgwandl ganz Ringsgwandl, kam vom Hundertsten
in Tausendste, amüsierte sich über die Absurditäten
der Abfallwirtschaft in seiner Heimatstadt Garmisch-Partenkirchen, das Nordic
Walking oder erzählt „Hölzchen auf Stöckchen“ wunderbar poetisch über
Knieprobleme, Feng Shui oder die „Königin vom Bamberger Discount-Getränkemarkt“.
Das ist geistricher Blödsinn in höchster Potenz und kommt bei den Zuhörern an.
Der etwas andere Heimatabend
Ohne Schminke und ohne die „damische“ blonde Perücke steht Ringsgwandl
im ersten Teil des Abends vor den gut fünfhundert Fans in der Dreifachturnhalle
auf der Rampe, unterbrochen in seinem Redeschwall von der hiesigen Stadtkapelle
unter der Leitung von Siegfried Czieharz, die mit großartigen Blues-, Jazz- und
Hip-Hop-Einlagen zu diesem etwas anderen Heimatabend, auch „Hoagartn“ genannt,
beitragen.
Nach der Pause wird aus der Satire über das Mittelstandsfegefeuer dann ein Hochamt
der grimmigen Groteske. Ringsgwandl bedichtet neidvoll die buddhistische Idylle
im Haus seiner Schwester, wo man am Feierabend den „Bärli-Anzug“ überstreift
und zu den Obi-Haustür-Wochen nach Freilassing geht. Ringsgwandls Geschichten
oszillieren nun zwischen greller Balkaniade und gedeckter Vanitas-Stimmung. „Music
was my first Love“ spielt die Blaskapelle dazu und „Weine nicht,
Argentinien“. Genialer könnte die Symbiose zwischen dem Anarcho-Kabarettisten
und den Bläsern im Anzug kaum ausfallen.
Armin Roucka |
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| DIE RHEINPFALZ 16.08.04 |
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Witzig,
aber tiefsinnig: Rolf Stahlhofen und Georg Ringsgwandl
in Edesheim
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VON
LAURA ESTELMANN. Rolf Stahlhofen betrat am Freitag die
Edesheimer
Seebühne und beeindruckte: ohne große Effekte, dafür
aber mit unglaublich viel Gefühl in der Stimme. Mit ihm
war der bayerische Paradiesvogel Dr. Georg Ringsgwandl
beim Konzert bei den Schlossfestspielen zu erleben.
Rolf
Stahlhofen begeisterte. Schon beim ersten Lied, der
Ballade "Asche
auf mein Haupt", drohte Gänsehaut den Körper zu überziehen.
Die Zuhörer waren begeistert. Dann moderierte der Sänger
mit Witz den nächsten Titel an, animierte die rund
550 Gäste, zu klatschen und zu singen.
Mit
den Stücken "Du
musst das Licht sehen" und "Zeit etwas zu ändern" forderte
er zum Handeln auf, regte aber auch an, positiv zu
denken. Es dauerte nicht lange, und das begeisterte
Publikum sang den Refrain zu "Es wird besser jeden
Tag" aus vollem Hals mit, was der "Sohn Mannheims" grinsend
mit einem "ihr müsst nicht schön singen, nur laut
und ehrlich" quittierte. Nach "Gib mir Musik" und
der Zugabe "Warum sind wir nicht happy bis ans
Ende der Zeit" wurde Rolf Stahlhofen mit Stehenden
Ovationen verabschiedet.
Paradiesvogel
mit schrillem Outfit
Dann
trat Georg Ringsgwandl in seinem schrill-grünen Outfit auf
die Bühne und sorgte für viel, sehr viel Gelächter.
Der Doktor der Medizin legte zwischen seinen Liedern
immer wieder kabarettistische Einlagen ein. Egal womit
der Bayer sich befasste, die Zuschauer fanden es zum
Brüllen komisch. Wenig ernsthaft, aber tiefsinnig und
sozialkritisch nahm er sich dem Alltag an, etwa im
Lied "Sechse in der Früh". Darin besang er
alle möglichen und auch einige unmögliche Ereignisse
an einem frühen Morgen, sehr zur Erheiterung des Publikums.
Langer
Applaus folgte, als er Stücke wie "Armes kleines Unterhoserl" und "Heavy
Metal Landler" zum Besten gab und sich seine Band
derweil bei Jazz und Country bediente. Das Publikum
johlte und war begeistert. Zweieinhalb Stunden erlebte
Jung und Alt ein bunt gemischtes Programm. Doch die
Lichter gingen auf der Bühne nicht aus, bevor Georg
Ringsgwandl und Rolf Stahlhofen nicht noch einmal aufgetreten
waren. |
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| Mannheimer Morgen 15.08.04 |
Denkwürdiger
Abend in Edesheim
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Open-Air-Konzert
mit Ringsgwandl, Stahlhofen und den Mannheimer Popforschern
bei den Schlossfestspielen
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Edesheim.
Die Temperatur ist verbesserungsfähig, die dunklen Wolken
hängen tief und die Schirme liegen griffbereit - einladendes
Open-Air-Wetter stellt man sich anders vor. Trotzdem
erleben über 400 Besucher bei den Edesheimer Schlossfestspielen
einen denkwürdigen Abend mit Ringsgwandl, Stahlhofen
und den Mannheimer Popforschern.
Und
das liegt nicht nur daran, dass die von den Musikern
gebetsmühlenartig vorgetragene
Beschwörungsformel "Das Wetter hält!" Wirkung
zeigt und die Schirme einen entspannten Abend verleben.
Die schräge musikalische Mischung mit dem kauzigen Rock-Oberarzt
Dr. Georg Ringsgwandl, dem Soul-Temperamentsbolzen Rolf
Stahlhofen und den außerhalb Mannheims weithin unbekannten
Pop-Akademikern um Sänger Peter Baltruschat und Bassist
Michael Herzer funktioniert wie gemalt. Das kann an der
malerischen Kulisse der Seebühne vor dem Edesheimer Schlösschen
liegen oder an dem Unplugged-Konzept des Abends, das
Musik aufs Wesentliche reduziert: handwerkliche Klasse,
Entertainer-Qualitäten und das Potenzial des Songmaterials.
Und
gemessen an diesen Punkten hat sich Stahlhofen, der Gastgeber
dieses Abends, ziemlich
schlagkräftige Konkurrenz ins Haus geholt. Er hatte vom
Veranstalter-Team um Capitol-Chef Thorsten Riehle die
Vorgabe, einen prominenten Musiker mit ins Boot zu holen.
Und da hätte man sich von Peter Maffay oder Udo Lindenberg
bis Jule Neigel, Edo Zanki und Xavier Naidoo viele aus
dem riesigen Kollegenkreis des umtriebigen Ex-Söhne-Mannheims-Sängers
vorstellen können - auf das bayerische Unikum Ringsgwandl
standen die Wetten nicht sehr hoch. "Ich habe ihn
bei ,Tabaluga' kennen gelernt, fand ihn schon immer großartig
und habe einfach gefragt", klärt Stahlhofen die
Verbindung auf.
Die
nach gut 20 Jahren Pause reanimierten Popforscher (ehemals
Ddt Huber) waren dem
Soulmann im Mai bei ihrer Premiere, einem Auftritt im
Rahmen der Preisverleihung "Anzeige des Jahres" des "Mannheimer
Morgen" aufgefallen. Das geht den Zuschauern in
Edesheim ähnlich, denn der gepflegte Groove der neunköpfigen
Band sorgt sofort für Bewegung auf den Sitzplätzen. Beim
zupackenden Shuffle von "Hör mal" greifen viele
zu den Programmheften, um nachzuschlagen, wer da eigentlich
so souverän und entspannt den Abend eröffnet. Percussionist
Hans-Jürgen Götz bekommt Szenenapplaus - stellvertretend
für die herausragende Rhythm-Section mit Andreas Pilder
am Schlagzeug und Michael Herzer. Nach einer kurzweiligen
halben Stunde werden die Popforscher mit sehr viel Beifall
verabschiedet - einen Effekt, den sie hätten steigern
können, wenn sie ihre bewährten Publikumsbeglücker "Ich
sitz auf meinem Hund am Kai" oder "Die Wirklichkeit" statt
zum Beispiel dem etwas sperrigen "Wo gehst Du hin?" gespielt
hätten.
"Unplugged heißt für
Rockmusiker, dass wir alles etwas leiser spielen",
erklärt Stahlhofen zu Beginn seines Konzerts das etwas
widersinnige Phänomen, dass "entstöpselte" Konzerte
ohne Strom nicht funktionieren. Das Gegenteil muss seine
routinierte Band die nächsten 45 Minuten lang beweisen.
Aber obwohl die Musiker auf der Bühne wegen technischer
Probleme teilweise nichts von sich hören, ist der Sound
vor der Seebühne wunderbar - vor allem bei der Unplugged-Version "Wetterprophet".
Der Stoppok-Song hat meteorologische Signalwirkung: Das
schwer groovende "Du musst das Licht sehen" öffnet
anschließend den Wolkenvorhang und gibt den Blick frei
auf ein atemberaubendes Abendrot. Der anfangs etwas zurückhaltende
Stahlhofen nutzt die Gunst des Augenblicks, spielt sein
Fähigkeiten-Spektrum zwischen Balladier und Tempomacher
voll aus und reißt spätestens mit "Gib mir Musik" auch
den abgeklärtesten Ringsgwandl-Fan vom Sitz. Der als
schwieriger Exzentriker geltende Bajuware hat derweil
die Avon-Beraterin empfangen, den Lippenstift nachgezogen
und feiert den Kollegen von der Tribüne aus mit dem einen
oder anderen Jubelschrei - auch nicht ganz selbstverständlich
in einer eher hengstbissigen Branche. Als er und seine
Band fast beiläufig das Regiment auf der Bühne übernehmen,
sind es nicht unbedingt die handwerklich erstklassigen
Liedermacher-Rocksongs, die dem Stimmungspegel den letzten
Push geben. Ringsgwandls großartig abstruse Standup-Comedy
mit sinnstiftenden Zitaten aus der "Edenkobener
Rundschau", Ausführungen zum Heiratsmarkt für Musiker
und Hymnen an ein "Latex-Tüterl" sind zum Kringeln.
Genau wie das mit Spannung erwartete Gipfeltreffen mit
Stahlhofen zum Abschluss, das sich musikalisch auf recht
spontanen Background-Gesang des Mannheimers beschränkt.
Aber spätestens als er von Ringsgwandl die Perücke übernimmt
und die bayerische Version von Dylans "Gotta Serve
Somebody" verziert, ist alles zu spät. Jörg-Peter
Klotz |
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| Miesbacher Merkur 07.08.04 |
Attacken auf
den Feind des kleinen Mannes
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Ringsgwandl
in Oberdarching
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VON
TOBIAS ÖLLER
Oberdarching - "Scharf rechts hinterm Mond, wo der
Garten-Nazi wohnt" - dort, im Kleinstadtidyll, dem
Schmelztiegel von Arbeitern und Anzugträgern, Spießbürgern
und Schlitzohren, wo sich Fuchs und Hase wenn schon nicht
Gute Nacht, so doch wenigstens die Meinung sagen, dort
hat der Dr. Georg Ringsgwandl in den 80ern sein Revier
markiert und bis heute nicht verlassen. Bewahrt hat er
sich nicht nur die direkten, unumwundenen Verbal-Attacken
auf den Feind des kleinen Mannes sondern auch seine musikalische
Unberechenbarkeit. Hatte er sich noch mit leisen Balladen
und melancholischer Lyrik vom Wintermärchen in Tegernsee
beim heimischen Publikum als arrivierter, einfühlsamer
Poet verabschiedet, so präsentierte er nun im Festzelt
des Burschenvereins Ober- und Mitterdarching eine ebenso
zeitlose wie mitreißende Rock`n`Roll-Retrospektive aus
20 Jahren Schaffenskraft.
Vorbei sind die Tage der musikalischen Feldversuche,
zumal der Sänger und Gitarrist
Ringsgwandl in Martin Thalhammer (Bass), Nick Woodland (E-Gitarre) und Gerwin
Eisenhauer (Schlagzeug) die endgültige und perfekte Besetzung für seine Form
des bajuwarischen Crossover gefunden zu haben scheint. Wenn er dabei vom bohrenden
Sarkasmus in der Rolle des Schuldigen gleichsam den
Quantensprung zur ernsthaften Anklage an Staat und Gesellschaft vollzieht, so
gehört dies ebenso zum Erfolgs-Konzept wie die Tatsache, dass er, der er seine
eigene Kunstfigur geworden ist, zwischen den einzelnen Titeln zum unzensierten
Sprachrohr des Volksgeistes avanciert. Die von Wasserschutzzonen gebeutelten
Darchinger ruft er auf zum Widerstand, "Kali, Phosphor, Rattengift" will
er aussäen, rät zum "vermummten Brunzumzug" und "Soach-Ku-Klux-Klan".
Und kein anderer Bayern-Barde bringt den Zorn des kleinen Mannes auf Kapitalfetischisten
besser auf den Punkt als der Kardiologe im Gewand des Revolutionsführers: Er
berichtet nicht von der großen Politik sondern vom Hier und Jetzt, und vor allem
- das ist seine große Stärke - vom Nebenan. Dass er dabei mitunter vom Hundertsten
ins Tausendste und ins Abertausendste gerät, demaskiert die selbst gebastelte
und wunderbar schwülstige Komplexität des lästernden Kleinbürgers. Hier die Feldenkrais-Therapeutin,
die ständig auf Fortbildung und dabei noch gegen Mobilfunkmasten ist, dort ihr
Sohn, der keinen Klavierunterricht nehmen will, weil er das für repressiv hält,
und auch die "Königin vom Bamberger Discount-Getränkemarkt" darf nicht
fehlen im skurrilen Spektrum des sozialen Mikrokosmos.
Den Humor jenseits von Gürtellinien und moralischen Barrieren will er nicht missen: "Ich
bin halt a gemeine Drecksau." Und vor eben dieser ist auch die im Festzelt
allgegenwärtige Oberbräu-Werbung nicht sicher: "Oben Schaum - Unten Traum.
Epileptikerbier?" Wie tief sich die scharfsinnigen und -züngigen Lieder
der veröffentlichten Tonträger ins musikalische Spektrum des Oberlands eingegraben
haben, zeigten die frenetischen Reaktionen auf Ringsgwandl-Klassiker wie "Wuide
Unterwegs", "Radlmare", "Sechse in der Fria" und "Scheene
Frau", allesamt präsentiert im Kleid des kraftvollen unplugged Rock, mit
unüberhörbaren Anklängen an den frühen Sound der Dire Straits. Erst nach knapp
drei Stunden Programm und fünf Zugaben verabschiedeten sich Ringsgwandl und Band
mit "Gut Nacht, die Damen" von ihrem begeisterten Publikum.
mm
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| SZ Landkreisausgabe Starnberg
24.05.2004 |
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Georg
Ringsgwandl beim Tollhub - Festival
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Mit seinem
neuen Programm „Bescheid“ begeistert er 400
Zuhörer in ausverkauftem Haus |
Penzberg
- Eine 16-stündige Oper für 42 Elefanten und 635 Blockflötenkinder:
Mit einem solchen Spektakel hatte beim Kabarettabend
auf Gut Hub wohl niemand gerechnet. Wobei weder die Decke
noch das Publikum in der eiskalten Tenne – erfahrene
Tollhubianer waren an den mitgebrachten Isolierkissen
und Winterjacken zu erkennen – auf ihre Belastbarkeit
getestet wurden: Georg Ringsgwandl verkürzte sein Gesamtoeuvre
zu einem zehnminütigen Solopart. Sein absurd drastischer
Vortrag von brünstigen Elefanten, singenden Hera Linds
und eifernden Ökokaspern begeisterte im mit gut vierhundert
Gästen ausverkauften Haus – wie das ganze Programm „Bescheid“ in
seiner vollen Vielfalt.
Ringsgwandl erzählt wunderbar poetisch kleine Geschichten von alltäglichen Problemen,
dem Frühaufstehen, dem BMW und dem PC – irgendwie wird es schon gut gehen.
Tut es aber nicht immer. Wobei des Barden Herz in seinen Balladen eindeutig den
Losern zugewandt ist. Dann wird er wieder bissig, plötzlich kommt ein gezielter
Seitenhieb auf die Politik, Stoiber oder ein Anti-Kriegslied. Schwenkt um zu
einer Schlagerparodie vom Feinsten, in der er herrlich ins Mikrofon schmalzt
und nebenbei seine Kollegen derbleckt. Schließlich sei er einer der letzen deutschen
Schlagersänger, behauptet er. Die anderen seien längst vom „Ichbinnichtderichbin“-Virus
befallen, mutierten zum Indianer oder Rastafari, von Giesing nach Kitzbühel,
anstatt sich zu ihren bayerischen Wurzeln zu bekennen. Ein Liebeslied mit schmachtenden
Gitarren und Background-Chor kann bei ihm dennoch in einer kreativen Beschimpfung
der Angebeteten enden.
Im Anschluss folgt ein sauberer Rock’n’ Roll, mit ausgefeilten mitreißenden
Gitarrensoli des Engländers Nick Woodland aufgemotzt – oder die Bekenntnisse
des Konsumverweigerers Ringsgwandl, der sich selbst reduziert an der Zither begleitet
(Die macht nämlich sexy und bringt Erfolg bei den Frauen!). Gewürzt wird die
musikalische Performance mit allerlei köstlichen Nichtigkeiten, sei es das Philosophieren über
den Unterschied zwischen Penzberg (High Tech und Pharma) und Murnau (Odeln und
Farmer), die Faszination von Möbelhäusern oder die Gunst, bei einem Penzberger
Bürohandel als Kunde aufgenommen zu werden. Zwischendurch leistet er sich einen
spontanen Schlagabtausch mit Penzbergs Filmdokumentator Günter Bergel, der sich
auch vom Vergleich mit einem Hirsch zur Brunftzeit nicht aus der Ruhe bringen
ließ oder er erzählt ausschweifend von den Heimwerker-Wochenend-Vergnügungen
seines Schwagers. Wie er dabei als Feldermaus den Anflug ins samstäglich montierte
Fledermäuslhäusl vorführt, ist unnachahmbar und Lachmuskel strapazierend. Die
Kunst des höheren und intelligenten Blödsinns beherrscht Ringsgwandl perfekt,
ebenso die Tonlagen vom fistelnden Zirpen bis zum tief grollenden Röhren. Und
selbst wenn der rote Faden durch sein Programm manchmal nicht mehr zu finden
ist – amüsant ist es allemal. Zwei lange Zugaben und begeisterter Applaus.
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| Oberbayerisches Volksblatt
29.04.2004 |
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"Ja
wia de Joor vorbei gehn fast ohne jede Spur, ma siehgd
uns gornix o, a boa Kratzer nur". Nur gerade die
Farbe ist weniger geworden. Ein bisserl weniger schrill
im Outfit, weniger deftig in der Schminkatur als vor
Jahren erschien der Herr Dr.
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(a.D.)
Ringsgwandl zu seinem Rendezvous mit der Bühne des Gasthof
Lax zu Alteiselfing, die unvollendete Oper "Ein
Ebersberger in Reitmehring" im Gepäck. "Bescheid!" heißt
das neue Programm, mit dem er hier in Erscheinung trat: "Es
geht darum, Bescheid zu geben in einer vertrackten Welt,
dem Schlingernden eine Orientierung zu bieten, zu zeigen,
wie der Kleinhäusler erhobenen Hauptes durch das Spalier
moderner Dämonen schreitet. Lebenshilfe vom Arzt und
muntere Gesänge. Tipps für gelungene Kleidung und versiertes
Auftreten, gesunde Ernährung und das nötige Fingerspitzengefühl
bei der Bewerbung um leitende Posten. Du bist nicht allein,
Verzagter! Schäme dich nicht, auch der Kanzler hat Probleme."
Probleme
mit der Improvisiertheit und Stegreifqualität
der nichtmusikalischen Intermezzi zwischen den Musikstücken
hatte der einzige Zwischenrufer des Abends: "Is
dees de Generalprobe?" wollte dieser wissen, woraufhin
Georg Ringsgwandl ihm wiederum Bescheid gab, wohl demonstrierend,
dass er solche Zwischenrufe fast braucht, um zur Hochform
aufzulaufen. Leider ist das Publikum meistens anständig.
Ringsgwandl schlug die Zither, untermalte seinen Gesang
mit der Gitarre, begleitet von dem lyrischen Spiel
seines langjährigen Kompagnons Nick Woodland an der
elektrischen Gitarre, dem understatementmäßig agierenden,
hervorragenden Schlagzeuger Gerwin Eisenhauer sowie,
stets zuverlässig, Martin Thalhammer am elektrifizierten
Bass.
Als
ehemaliger Kardiologe ist Georg Ringsgwandl dem heißeren Herzen der einfachen
Leute näher alos den höheren Etagen. Als Bühnenmensch
ist er ein grandioser, philosophischer Kasperl durch
und durch, wie man ihn sich nicht besser wünschen könnte. |
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| Südkurier
29.04.2004 |
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Georg
Ringsgwandl mit seinem neuen Programm "Bescheid" im
Theaterstadel
|
Von
Jörg Büsche
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Papa,
sag, Wie geht es zu?" Was für eine Frage! Und
was waren das noch für Zeiten. Als die Papas auf solche
Fragen noch zu antworten, als sie noch Bescheid wussten.
Georg Ringsgwandls neues Programm heißt "Bescheid".
Und es ist zum Teil ein Rückblick in Jugend und Kindheit.
Aber genauso gut taugt es als Zeit-Diagnose für eine
vertrackte Gegenwart.
Ja,
was sollen die Väter denn heutzutage antworten?
Wenn doch selbst die Schremps und Konsorten allmählich
den Überblick verlieren. Sie schieben das Geld hierhin
und dorthin. "Sechs Milliarden nach Detroit",
sagt der Ringsgwandl. Sechs Milliarden - was ist
das schon. Peanuts. Wen stört's wirklich, wenn die
in den Sand gehen. Knirscht doch überall mittlerweile.
Wir leben in der Wüste Gobi.
Georg
Ringsgwandl aber fährt Mercedes. Aubergine-rot, uralt, einen
250er mit mehr als 300000 Kilometern. Das Scheckheft
ist längst zu Ende. Dafür findet Ringsgwandl immer öfter
Kärtchen an der Windschutzscheibe. "Willst Du
Deinen Wagen verkaufen?" fragen da irgendwelche
Leute an. Ringsgwandl vermutet: "Die kommen
aus dem Osten." Aber seinen Daimler, den würde
er niemals hergeben. Den braucht er zum Meditieren.
Denn
mit seinem 250er schleicht er hinter Gülle-Wagen her und schnuppert. "Raubtierhaltung
oder Pflanzenfresser?" Dann und wann rollt Ringsgwandl
auch hinter einem Betonmischfahrzeug - blickt ins
mengende Dunkel des mächtigen Rührwerks. "Ohmmm" So
geht "Zen - oder die Kunst langsame Autos zu
fahren."
Freilich,
ganz oben auf der Stufenleiter der loslassenden Weltweisheitslehre
ist Georg Ringsgwandl noch nicht angelangt. Er zeigt
noch viel zu viel Gefühle. Er freut sich, wenn vorne
die Audis gegen den Mischer klatschen. Das ist Schadenfreude über
die Manager und ihre Schergen. Die Raser, die Rempler,
die Ellenbogen-Akrobaten, die, wenn sie nach Hause
kommen, ihre Frauen plagen: "Was hast Du heute
geleistet?!"
"Papa, sag,
Wie geht es zu?" Daheim müssen wir "jede
Mark umdrahn", während die andern "schnelle
Autos fahrn". Nein, das ist kein Protest-Song.
Es ist ein Blues - zu dem Nick Woodlands Gitarre
singt. Da gibt es keine Hoffnung, keine Aussicht
auf soziale Gerechtigkeit. Manchester, ach was! Georgia
ist längst überall. Es gibt nur die Schönheit, den
Trost durch Woodlands Gitarre.
Derweil
der Ringsgwandl bei seinen Überleitungen immer noch den Flirt-Kasper
macht. Wenigstens ist's ehrlich. Gehe es doch auf
der Bühne immer nur um das eine. "Der Michel
Jackson, der Mick Jagger und ich." Alle buhlen
um die Frauen. Nick Woodland schmunzelt in sich hinein,
beugt sich über seine Gitarre. Den Ringsgwandel wurmt
solche Gelassenheit. Früher, da habe er auch E-Gitarre
gespielt, um den Frauen zu gefallen. Sehr erfolgreich; "es
waren aber alles Schlampen". Heute spiele er
Zither. Die habe auch mehr Saiten als so eine E-Gitarre.
Dann
zithert er los. Richtig beschaulich. Singt von seiner
Konsumverweigerung.
Singt, wie ihm sein Bremsklotz-Dasein behagt. Das
Nichts-Kaufen. Mögen die in Berlin sich doch schwarz ärgern.
Und damit es zu keinen Missverständnissen kommt schiebt
der Ringsgwandl noch eine Oper hinterher. So eine
richtig moderne, ein Selbstkomponierte. Im Libretto
geht`s um den Jürgen, einen Müll-Trenner und um 200
Elefanten.
"Papa, sag,
Wo kommen denn die her?" "Geh zum Ringsgwandl
mein Sohn. Lass Dir das von dem erklären. Es lohnt
sich!" |
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| Spaichinger Zeitung 02.02.2004 |
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Georg
Ringsgwandl bietet in der Stadthalle geistreichen
Blödsinn auf Urbayerisch und in höchster Potenz
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Von
Gisela Spreng
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Spaichingen.
Früher brachte er ganze Hallen zum Kochen. Heute hat
er sich ein dezenteres Image zugelegt: Dr. Georg Ringsgwandl
sagte seinem Publikum am Samstagabend in der ausverkauften
Stadthalle "Bescheid".
Ohne
Schminke, ohne "damische
Perückn" wie einst, saß der gelernte Kardiologe
und Intensivmediziner im kaffebraunen Anzug mit Filzhut
auf seinem hohen Holzhocker und verbreitete mit schrägem
bayerischen Humor zwei Stunden lang Vergnügen pur.
Statt
wieherndem Gelächter
gab es vorwiegend verständnisvolles Schmunzeln, wenn
manch braver Zeitgenosse einsah, dass nicht nur er
ein unverbesserlicher Spießer ist. Georg Ringsgwandl
macht Kabarett auch für Leute, die Kabarett eigentlich
nicht mögen. In schier endlosen Monologen in schnoddrigem
Urbayerisch nahm er vor allem sich selber aufs Korn.
Schade,
dass man große
Mühe hatte, rein akustisch dem Weg des bayerischen
Genies durch den Dschungel der alltäglichen Widrigkeiten
zu folgen. In einer virtuosen Gedankenfetzen-Poesie
zeigt er Mitleid mit dem armen Strauß-Sohn, der sich
36 mehrstellige Schwarzgeld-Nummernkonten merken muss.
Dann
singt er ein Loblied auf das Stofftaschentuch, das
nach einer Schnupfenattacke über
Nacht auf der Heizung trocknet und am nächsten Morgen
wie frisch gebügelt wieder zum Einsatz kommt. Fast
neidisch erzählt er von der buddhistischen Idylle im
Haus seiner Schwester im Chiemgau, wo der Ehemann ein "Fledermoisl-Hoisl" mit
gepolsteter Rückwand in fünf Metern Höhe anbringt,
damit sich die Viecherl ihre breiten Schnautzen nicht
ständig anstoßen und der Postbote keine Briefe durch
den Schlitz wirft. Das ist geistreicher Blödsinn in
höchster Potenz, wie ihn die Zuhörer lieben.
Nach
solchen Exkursionen erweckt er seine Band wieder zum
Leben für das nächste
Bayer-Rock-Intermezzo. Der Meister singt vom "Buale",
das hart sein muss, und vom Glück, das "a läufige
Hundsmatz" ist, begleitet sich auf der Westerngitarre,
rockt, bluest, folkt. Der Kontrabass legt einen wohligen
Teppich darunter, der Schlagzeuger zelebriert seine
Perkussion mit Insbrunst und Sologitarrist Nick Woodland
singt mit unbewegter Miene auf seiner Gitarre. |
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| Süddeutsche
Zeitung 26.01.2004 |
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Kammerspiel
eines bockbeinigen Sozialromantikers
|
Von
Andrea Schlaier
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Das "bayerische
Genie" kredenzt mit seinem neuen Programm ein
Destillat aus irrwitziger Kunst und exaltierter Künstlichkeit
Ottobrunn - Man macht sich da schon so seine Gedanken.
Hat der jetzt die eigenen Faxen dick, die Faschings-Industrie
seinen Werbevertrag fristlos aufgekündigt
oder will er halt einmal auch so selbstverständlich lässig daherkommen wie sonst
andere Väter und Garmischer Kardiologen zum Oberstufen-Konzert der Kinder? Warum
also steigt Georg Ringsgwandl, Apologet der Geschmackresistenten, auf einmal
ohne kreischend rosanen Lippenstift, damische Perücke und wild bunten Satin-Fetisch
auf die Bühne im Ottobrunner Wolf-Ferrari-Haus? Er sieht regelrecht gut aus.
Wie er so auf seinem hohen Holzhocker sitzt mit dem milchkaffeebraunen Ich-hab-zwar-einen-Volvo-bin-aber-heut-Abend-mit-dem-Hollandrad-meiner-Frau-hier-Anzug.
Auf dem Kopf ein geschönter Filz-Deckel, in anthrazit. Diesmal also dezenter
Designer-Chic statt "Punk-Qualtinger", dem liebsten aller Kritiker-Attribute.
"Das Nötigste" heißt Ringsgwandls neues Programm und es ist tatsächlich
so wie seine Garderobe: leiser und augenfreundlich. Der 55-Jährige reißt sich
zusammen und kredenzt dem ausverkauften Saal nichts als das Destillat seiner
irrwitzigen Kunst und exaltierten Künstlichkeit. In dem Fall kommt das einer
altermilden Rückschau auf die jahrelange Ballerei anzüglicher Gschertheiten gleich: "Best
of" Ringswandl geht locker als Kammerspiel eines bockbeinigen Sozialromantikers
durch.
Alle hat er mitgebracht, den kopflosen Räuber Kneißl, der auch nur einen Platz
gesucht hat, "wo er leben kann", s'Buale, das hart sein muss, das Glück, "a
läufige Hundsmatz", den "Straßenköter" und die "Luxusschnoin" eh.
Bis zur Rührseligkeit kommt's da nie, weil Ringsgwandl etwaige Sentimentalitäten
rechtzeitig in der banalen Realität aufschlagen lässt. Vom Sarkasmus verschont
bleibt auch nicht der eigene Vater, der rechtzeitig vor der Ganzkörper-Transplantation
abdankt. Der depressive Max Strauß qua Geburt auch nicht.
Die beiden machen den Anfang seiner endlosen Stehgreif-Monologe zwischen
den Songs. Die Kapelle des Meisters droht bei der Gedankenfetzen-Poesie
des überzeugten
Stofftaschentuch-Beschneuzers und Milchlaster-Hintendreinfahrers einzupennen.
Auch wenn der plötzlich bei der Schwester im Chiemgau rauskommt, deren Wohnzimmer
am Samstagabend vor buddhistischer Energie oszilliert, sobald der Gatte nach
vorangegangener Jalousien-Waschung seinen "Bärli-Anzug" überstreift,
mit dem "Loch am Arsch". "Das warten auf die Pointe ist die Pointe" hat
ein Berliner Kritiker über "das bayerische Genie" mal geschrieben.
Das ist noch immer ein Hochgenuss.
Blues-Gitarre, Drums und Kontrabass können's erwarten und sind rechtzeitig hellwach,
damit musikalisch gesehen die Rampensau nicht wieder mit Ringsgwandl durchgeht.
Hysterische Falsett-Arien gibt's nur im Ansatz, dafür einen traumhaft gepflegten
Sound vom runtergekochten Rock n' Roll bis zum Blues des Altmeisters Nick Woodland.
Und weil so viel Disziplin gelobt gehört, gönnt sich Georg R. zum vogelwilden
Ende den wachsamen "Hühnerarsch" und dem Publikum das "gagafidele" Finale
eines punkfreien, puren Vergnügens.
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| Süddeutsche
Zeitung, 21.01.2004 |
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Wellküren
bekommen Hoferichter-Preis
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Kabarettistisch
potent: Die Wellküren erhalten den
Ernst-Hoferichter - Preis |
VON FRANZ
KOTTEDER |
A
Stubnmusi, sagen die drei Frauen da vorne auf
der Bühne, ist die beste Empfängnisverhütung.
Das haben unsere Eltern immer gesagt, und die müssens
wissen. Es handelt sich bei dieser Aussage ganz
unzweifelhaft um Ironie.
Nicht nur, weil man das von einer Kabarettgruppe wie
den Wellküren erwarten darf
und nicht nur, weil sich die legendäre Musikantenfamilie Well eben aus zwei Eltern
und der stolzen Zahl von 15 Kindern zusammensetzt.
Sondern auch, weil gerade die Stubnmusi eine ganz entscheidende Mitschuld
daran
trägt, dass der voll besetzte Saal im Literaturhaus an diesem Dienstagabend einer
besonderen Empfängnis beiwohnen darf: Die Wellküren empfangen den Ernst-Hoferichter-Preis
aus der Hand von Oberbürgermeister Christian Ude.
Der, so steht zu vermuten, ist eigentlich längst selber scharf auf diesen Preis,
den er momentan aber nicht kriegen kann, weil er selbst in der Jury sitzt. Anders
ist es kaum zu erklären, warum Christian Udes Begrüßungsrede jedes Jahr wieder
dermaßen vor Witz, Ironie und Weltläufigkeit (die wichtigsten Preiskriterien)
sprudelt, dass die darauf folgenden Laudatoren sich regelmäßig schon zu Beginn
vor lauter Schreck dafür entschuldigen, wie langweilig ihre Ansprache im Vergleich
dazu werde und dass man gegen einen solchen Vorredner nur abstinken könne.
Auch Kabarettist Georg Ringsgwandl sieht sich dazu genötigt und sagt, er verfolge
eher einen trockenen, wissenschaftlichen Ansatz, um dem Phänomen
Wellküren auf die Spur zu kommen. Leicht sei das nicht: Mit einem einfachen
Doktortitel tust du dir da hart. Riesenerfolge im ganzen Land, sogar
bei Ober-, Nieder- und Nebenpfälzern, und das trotz praktisch null Mediencoverage
durch den Bayerischen Rundfunk: So etwas sei auch von einem versierten Kommunikationsfachwirt
nur schwer zu erklären.
Ists das Rollenmodell Girls Group, sind die Wellküren vielleicht
so etwas wie die bayerischen Bangles, die alpenländischen Supremes? Kann auch
nicht sein, sagt Ringsgwandl, denn: Schwarz sind sie nicht. Letztlich
greife wohl nur ein Erklärungsansatz halbwegs ihre große kabarettistische
Potenz, ihr musikalisches Gewicht gebe den Ausschlag.
Ringsgwandl: Von diesem Gewicht her san die Wellküren nämlich so etwas
wie der Max Strauß, bloß nicht so depressiv und obendrein noch steuerlich
sauber!
Den Preisträgerinnen Moni, Vroni und Burgi Well obliegt es dann,
diese These zu untermauern. Was ihnen eindrucksvoll gelingt. Ob La Paloma auf
selbst gebastelten Nonnentrompeten, ob Jazzlandler mit Gitarre, Tuba
und Saxofon, ob altbairische Moritat, in der die Wildererin mit der
Förstererin aneinander gerät und schließlich die Gottin um
Vergebung der Sünden bittet das Publikum klatscht begeistert oder kugelt
sich vor Lachen.
Womit
wiederum zwei Thesen des Oberbürgermeisters
bestätigt werden. Frauen sind an sich schon
interessant, hatte Ude zu Beginn unter Beifall
festgestellt, Schwestern auch, und zwar nicht
nur als Schwestern ihrer Brüder. Womit er natürlich
auf die Biermösl Blosn anspielte. Und dann habe an
den Wellküren schon deshalb kein Weg vorbeigeführt,
weil man wegen gesunkener Zinserträge heuer nur einen
Preis nicht zwei oder drei wie sonst vergeben
konnte und zugkräftige Preisträger brauchte, die
einen Saal alleine unterhalten können. Dieses Kalkül
ist auf das Prächtigste aufgegangen. |
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