Presse 2005
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Kieler
Nachrichten, 26.11.05
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Georg Ringsgwandl betörte das Publikum im Schloss
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| Von Beate Jänicke |
Kiel "Bin I deppert in a depperten Welt?",
singt Georg Ringsgwandl und
macht dazu ein "vogelwuildes Gsicht". Die rot gemalten Lippen aufgestülpt,
flattert er tänzelnd über die Bühne des Schlosses, dass das
Publikum ganz
verzückt kichert über diesen seltsamen bayrischen Paradiesvogel,
den es an
den "Förde-Busen" geweht hat. Ein Unikum ist er, ein Urviech geradezu,
wie
es nur (und schon immer) ganz wenige gibt und gab.
Seit 30 Jahren schon tingelt der 1948 geborene Musiker, Kabarettist, Autor,
Theatermacher und Kardiologe über deutsche Bühnen. Richtig bekannt
wurde er
in den 80ern, als mit grellen Auftritten im Glitzerfummel die
Lifestyle-Problemchen der Epoche konterkarierte. Danach wurde es stiller um
ihn, Ringsgwandl schrieb und spielte Theater in München. Jetzt ist er wieder
zurück auf der Rockbühne. Alte Reisser, frisches Gwachs heißt
die Tour und
versammelt alte und neue Songs und Geschichten.
Um Schubladen schert sich der freigeistige Freund ausgefallener Outfits
wenig. Die für ihn passen würde, müsste sowieso erst gezimmert
werden.
Spindeldürr, leicht vorn übergebeugt, eilt er über die Bühne
und spintisiert
absurde Szenarien. Der Vergleich mit Karl Valentin, dem bayrischen
Humor-Genius, stellt sich reflexartig ein; von den Zeitgenossen teilt noch
am ehesten Helge Schneider mit Ringsgwandl diese Lust an der
hintergründigen, anarchischen Narrenspiegelei.
Die Gitarre hängt er sich nicht einfach nur um die Schulter,
sondern steigt
umständlich mit den Füßen durch Gurt. Seine Jacke ist kein verbeultes grünes
Pepita-Jackett, sondern aus "Smaragdbaumnatter, der einzigen
Pelzschlange
der Welt" genäht. In Tübingen, dieser "Fachwerk-Studenten-Kommune", hätten
sie ihn einmal deswegen fast umgebracht, erzählt er. Eine übergewichtige
Vegetarierin habe ihm ein Küchenmesser in den Rücken
gerammt. Doch, Pech
gehabt: "Zwischen der zwölften und 13. Rippe gibt es einen
feinen Spalt, wo
zufällig kein Gewebe ist."
Ein abgedrehter Fabulierer ist er auch in seinen Songs. Musikalisch meist
zwischen krachend-rockig und bluesig angesiedelt, wird er spielfreudig
unterstützt vom alt gedienten Gitarren-Haudegen Nick Woodland, auch ein
Original, der wirkt wie aus dem Londoner Wachsfigurenkabinett für englische
Rockmusiker ausgeliehen, und den beiden "Jungspunden" Florian Schmidt am
E-Bass und Manfred Mildenberger an den Drums. Mit ihnen als Band besingt
Ringsgwandl die ganz normale Spießerhölle des "Garten-Nazis", der
seinen
Hund jeden Freitag mit dem Hochdruckreiniger abstrahlt. Oder er macht sich
lustig über den Siegeszug esoterischer Wohnphilosophien durch deutsche
Reihenhäuser, wo der Sohn sein Zimmer nicht mehr aufräumen will, weil
die
dreckigen Pizzaschachteln "perfekt im Feng Shui liegen". Dazwischen tanzt er
seitwärts wie ein Ägypter, hüpft wie Rocksaurier Mick Jagger zu
seinen
besten Zeiten und bezaubert die Leute mit verquerem Charme.
Manchmal verkündet er auch fast so etwas wie "Botschaften". Dann singt er
einen "Gangsta-Rap" zur Zither-Begleitung und verulkt als "Bremsklotz der
Konjunktur" Berliner Politphrasen: "Ich hab den Aufschwung auf dem Gewissen,
der Ringsgwandl hat's verschissen." Doch zum singenden Moralapostel taugt er
auch dann nicht, sondern spottet lieber gleich weiter über den "orthopädisch
angepassten Liedermacherhocker", den sie ihm fürs Solo hingestellt haben.
Ihm, dem gescheiten Depp in einer bekloppten Welt. |
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Bayerwaldbote (Regen),
21.11.05
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Der
Rock'n'Roll-Clown mit den vielen Gesichtern
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600
Zuhörer umjubeln Ringsgwandl & Band im
Adam-Bräu
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| Von
Johannes Fuchs |
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Bodenmais. Gelungener Einstand der "Kultur im Keller": Rund
600 sind am
Samstag zum ersten Konzert der neuen Bodenmaiser
Veranstaltungsreihe in den
Adam-Bräu-Keller gekommen. Für Rock-Comedy-Altmeister
Georg Ringsgwandl war
auch Besuchern aus den umliegenden Landkreisen der
Weg durch den Winter
nicht zu weit.
"Alte Reißer und junges Gwachs" - das Motto der Tournee
spiegelte schon das
Personal auf der Bühne wider. Georg Ringsgwandl,
seit gut 20 Jahren mal als
Liedermacher, mal als schräger Rock-Kabarettist,
mal als Musical-Macher
unterwegs, hat auf seine alten Tage die Lust an der
Schminke, der Travestie
und der ekstatisch-zuckenden Bühnenshow wieder entdeckt.
Ganz anders
geschnitzt ist da sein alter Weggefährte Nick Woodland:
Ein zurückhaltender
Brite mit schwarzem Hut, ergrauten Alexis-Corner-Koteletten
und entsprechend
bluesigem Gitarrenstil.
Dass das Ganze aber keineswegs zu einem rein nostalgischen
80er-Jahre-Abend
für gereiftere Semester gerät, dafür lässt der Meister
seine beiden
Nachwuchs-Leute sorgen. Bassist Flo Schmidt trägt
Brille und Overall in
Weltraum-Optik und beherrscht nicht nur die lyrischen
Bass-Passagen, sondern
genau so krachende Funk-Nummern. Manni Mildenberger,
der barfuß am
Schlagzeug sitzt, spielt mit solcher Power und Spielfreude,
dass es ihn oft
kaum auf seinem Schemel hält. Und hat spätestens
mit seiner
Hundeblick-Gesangsnummer die Herzen der weiblichen
Zuhörer in der Tasche.
Dieses Quartett macht tatsächlich etwas Neues aus
alten
Ringsgwandl-"Reißern".
Etwa dem Klassiker "Nix mitnehma". Dessen lapidare
Feststellung der
Vergänglichkeit irdischer Güter ja zeitlos gültig
ist: "Du kannst ein
Popstar sein mit sechs goldenen LP, oder Fernsehquizmaster
mit am teuren
Toupé - aber des derfst du net mitnehma."
Reinster Rock 'n' Roll ist es, wenn Ringswandl schmachtet:
"Radl-Mari, i
denk so oft an di". Dann wieder wird er melancholisch
und
singt: "I suach ja gar nix bsonders, bloß a ganz
normale Frau".
Ringsgwandl kann auch bissig sein. Den "Garten-Nazi"
hat er in der Münchner
Vorstadt entdeckt, wo die Straßen alle Vogelnamen
haben und ein brauner
Gartenzwerg den Weg weist. Wenig hält er von der
Allianz-Arena ("Reiß de
Hüttn weg") und natürlich vom Krieg. Denn er weiß:
"Des war scho oiwei so,
sterbn duad da kloane Mo". Während die Politiker
daheim bleiben.
So weit Ringsgwandl, der Liedermacher. So eigentlich
unvergleichlich ist er
aber da, wo sein Kabarett improvisiert ist und er
hart an der Grenze
zwischen Hintersinn und Kalauer wandert. Da stülpt
er sich etwa die
Wollmütze über und wird mit Gefuchtel, "Yo, Yo" und
"Hey Motherfucker" zum
grimmigen Rapper. Um sich gleich darauf an die Zither
zu setzen und über den
Ort des Geschehens zu sinnieren. Schon der Mühlhiasl,
so weiß er, hat
prophezeit: Wenn in den Tiefgaragen des Bayerischen
Waldes zu wenig Zither
gespielt wird, kommen irgendwann die Rotjackerl aus
dem Osten. Und der Seher
riet weiter: Seid dankbar gegenüber dem rettenden
Zitherspieler und bewirtet
ihn mit kühlem Bier. Ein Hinweis, den das Schankpersonal
des Adam-Bräu
sofort aufnahm. Dann stimmt Ringsgwandl endlich die
Zither an. Und besingt
sein schlechtes Gewissen als Konsum-Muffel, der den
Aufschwung bremst. "I
hob koa Duschgel, i wasch mi mit da Bürschtn" - nur
eins seiner vielen
Versäumnisse. Das Ergebnis: "Die droben in Berlin,
ja, die bemühen sich -
aber der Ringsgwandl, der hat's verschissen."
Mit gewissen Tücken der langen Tiefgarage hatten
die Soundtechniker ebenso
zu kämpfen ("wir haben erst mal eine stärkere Anlage
organisiert") wie
manche Zuhörer, die hinter Pfeilern saßen. Dafür
war die Akustik erstaunlich
gut und die Lautstärke auch direkt vor der Bühne
erträglich. In der mit
Biertischen bestückten, angenehm temperierten Halle
kam richtige
Bierzelt-Stimmung auf. Ringsgwandl gewährte dem begeisterten
Publikum fünf
Zugaben. Und der neuen Konzerthalle seine Art der
Anerkennung:"Ihr in
Bodenmais seid das Las Vegas des Bayerischen Waldes".
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Weilheimer Tagblatt, 18.11.05
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Volle
Breitseite vom Rabiatkomiker
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Ringsgwandl begeisterte
in der Stadthalle
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| VON
ANDREAS BRETTING |
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Weilheim
- "Ja, sowas muss man
tragen können", ruft Georg Ringsgwandl.
Denn normal gab sich der Entertainer am Mittwochabend
in der Weilheimer
Stadthalle nicht. Ob Strickmütze mit Teufelshörnchen
oder
Chiffonmantel: Schon auf optischer Ebene war der
Seehausener eine
Provokation.
Sprachlich
erst recht. Da erklärte er flugs sein grünes
Sakko zur
Schlangenhaut von der Smaragdbaumnatter und nutzte
die Illusion, um auf dem
Jackett gleichviel wie auf der Ökobewegung herumzutrampeln.
Meisterlich
sprang der Rabiatkomiker zwischen öliger Ironie - "mein
Sonnengeflecht muss
mit ihrem Karma Kontakt aufnehmen" - und böser
Breitseite: "Verschissene
Ökosandalen."
So
hatte das Publikum erst gar keine Chance sich
zurückzulehnen. Kaum
hatte man sich an eine Gangart des Humors gewöhnt,
folgte schon ein
Tempowechsel. Der konnte auch zum Langsamen hin gehen.
So ließ sich
Schlagzeuger Manfred Mildenberger mit einem weinerlich
gebremsten
Tränendrüsler a la
Heintje hören, und Ringsgwandl selbst griff zur
Zither.
Nach einem derben Erguss in Balkandeutsch kam er
zu einem Lied, das neu,
ruhig und ernsthaft klang. "Ich hab kein Duschgel,
ich wasch mich mit der
Bürst`n" - mit einer bescheidenen Eindringlichkeit,
wie sie wohl nur im
Bayerischen zu finden ist, unterstrich der Song
das Lob des einfachen
Lebens.
Selbstironisch
verschrie sich Ringsgwandl als "Bremsklotz
der Konjunktur" und
erntete Jubel für seine Konsumterror-Absage. Daneben
gab es auch ausführlich
Raum für eine Klamauk-Nummer nach Art von Helge Schneider.
Als Diva im
Falsett quiekend, mixte Ringsgwandl mögliche und
unmögliche Einfälle rund um
einen Besuch in der Arena di Verona. Die makabre
Phantasie des Ex-Chirurgen
reichte dabei bis hin zum blutigen Unfall eines Reisebusses.
Am stärksten
beeindruckte freilich das Rockerblut, das in der
Band für Kraft und Genuss
sorgte - schließlich war mit Nick Woodland ein Meister
der Sologgitarre
dabei. Immer noch begeisterte Ringsgwandls rockender
Drive gegen den "Gartennazi", der vom Grashalm
bis zum störenden Kind alles niedermäht, was
ihn in seiner Kleinkariertheit stört.
Der
brandende Beifall in der ausverkauften Stadthalle
bewies, dass das bunt
gemixte Publikum die gepfefferte Karikatur gerne
goutierte. Unvermeidliche
Klassiker wie Radl Mare sorgten in der "oquasterten
Pendlermetropole" Weilheim
bis zuletzt für Begeisterung.
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DIE RHEINPFALZ, 04.11.05
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Ein
richtiger Rocker
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Aber
auch ein bisserl tuntig: Georg Ringsgwandl begeistert
in der ausverkauften Kammgarn
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| VON
JÜRGEN NORDMANN |
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Ein
Hund ist er schon, würde man in Norddeutschland
sagen. Ein Sauhund, würde man südlich der Mainlinie
ergänzen. Und wieder hat er es allen gezeigt, der
wahre Meister aus Bayern, dieses Unikat: Georg
Ringsgwandl, am Mittwochabend in der Kammgarn.
Solche
echt bayerischen Anarchisten wie ihn kriegt keine
CSU klein. Er macht, was er will. Und besser macht
er es sowieso. Kurz gesagt: Georg Ringsgwandl rockte
und salbaderte mal wieder stundenlang auf Bayerisch,
machte eine fummelige Modenschau und ließ sich
von dem vollen Haus unzählige Zugaben abfordern.
Bei
Ringsgwandl kann man sich auch nach Jahrzehnten
noch fragen, was seine Kunst so großartig und originell
macht. Weil er ja alles und nichts auf der Bühne
bietet: Rockmusik, Chansons, Kabarett, Comedy -
et cetera, et cetera, et cetera. Selbstredend sieht
er in voller Montur - mit Feinstrumpfhosen, Badeanzug
und neuerdings mit einem alten Borussia-Trikot
- immer noch knackiger aus als Boy George in seinen
besten Zeiten. Und dass Otto manche Gesten von
Ringsgwandl abgekupfert hat, weiß jeder. Mit dem
Unterschied, dass es bei Ringsgwandl witzig ist.
Solche Äußerlichkeiten sind aber oft nur Extras.
Das Tuntengehabe gehört bei ihm dazu, steht aber
nicht im Zentrum.
Ein
richtiger Rocker ist er wieder. Sein aktuelles
Programm ist eine Mischung aus alt und neu - was
bayerisch besser klingt, nämlich "Alte Reisser
& Frisches Gwachs". Das heißt also, dass er nicht
nur zu den scharfen Fummeln, sondern auch wieder
zu einer richtigen "Rockmusikbeschäftigung" zurückgefunden
hat. Er hatte ja vor Jahren ein Zwischenspiel mit
einem ziemlich ruhigen Programm ohne Schminke und
Band. Was zugegeben auch eine große Sache war.
Aber wie nicht anders zu erwarten, wird Ringsgwandl
im Alter kein Schmusebär, sondern ein zorniger
und vor allem ein wilder Mann.
Seine
Rockband ist einmal mehr exzellent bestückt: Nick
Woodland an der E-Gitarre ist ein alter Meister,
und Florian Schmidt am Bass sowie Manfred Mildenberger
am Schlagzeug sind auf dem besten Weg dorthin.
Die bekanntermaßen guten Songs haben so eine Eingängigkeit
und Power, die nicht vom Verstärker, sondern vom
Können kommt. Natürlich ist Ringsgwandl nach wie
vor am besten, wenn er sich - in der Kammgarn bals
Gangstarapper - an das Hackbrett oder die Zither
setzt und eine zünftige Stubenmusik macht. Alles
andere ist bestimmt nur Verstellung. Er ist halt
ein Bayer! Wenn auch der einzig wahre.
Als
solcher lebt er nicht nur von seinen Instrumenten
und seiner schrillschönen Jodelstimme, sondern
davon, dass er ein knallharter Sprachkünstler ist.
Seine Texte sind nach wie vor das Non-Plus-Ultra
der süddeutschen Welterklärung. Vom Arztbesuch
über Nazis bis zum Golfkrieg werden die Wahrheiten
ohne Schminke um die Ohren gehauen. Bis der Letzte
im Saal vor Lachen zusammenbricht. Denn bei Ringsgwandl
ist Satz für Satz so witzig wie illusionslos. In
aller gebotenen Härte und mit geradezu optimistischer
Resignation lässt sich die Wahrheit nur auf Bayerisch
sagen. Mit Dialekt und noch dazu mit diesem, klingt
alles ganz anders. Nicht harmloser oder niedlicher.
Im Gegenteil.
Ringsgwandl
formuliert die Dinge böser als all die Kabarettisten,
die sich ständig nur fragen, wie weit sie gehen
können. Fast will es scheinen, dass nur er das
kann, ohne gesteinigt zu werden. Er ist halt der
einzig wahre Bayer!
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Kölnische Rundschau,
31.10. 2005
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Die
einzige Pelzschlange der Welt
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Virtuoser
"Multidilettant": Georg Ringsgwandl gastierte im
Gloria
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| Von
BARBRO SCHUCHARDT |
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Kaum
donnern die ersten Gitarren-Riffs durch den Saal,
steht das Gloria schon unter Strom. Dabei ist der
Mann, der da wie Rumpelstilzchen auf der Bühne herumspringt,
kein Heavy-Metal-Jungstar, sondern gestandene 56
Jahre alt.
Und
was er macht, passt in keine Schablone. Einen "Multidilettanten"
hat sich Georg Ringsgwandl selbst mal genannt. Ein
verrenkter Karl Valentin des Showbusiness, vereint
er Clownerie mit absurdem Theater, Rock-Songs mit
Kabarett, Opernparodien mit trügerisch sanften Reggae-Klängen,
denen stets eine rabenschwarze Pointe auf dem Fuß
folgt. Seit 30 Jahren steht der Bayer auf der Bühne,
obwohl er bis 1993 als Oberarzt der Kardiologie am
Krankenhaus von Garmisch-Partenkirchen arbeitete.
Wie
man Männer artgerecht hält
Dann
vertauschte er den weißen Kittel endgültig mit schrillem
Bühnen-Fummel und zappelt, fuchtelt, hopst und grimassiert
sich seitdem über die Bühnen des Landes. In Köln
hat er meist im Schauspielhaus gastiert, doch die
Club-Atmosphäre im Gloria bekommt seiner schrägen
Show entschieden besser. "Alte Reißer und frisches
Gwachs" heißt sein Programm - ein immergrüner Titel,
unter dem sich Bekanntes und Neues bündeln lässt. Wie
der Storch im Salat stakst Ringsgwandl über die Bühne,
um im nächsten Moment mit seinen drei fabelhaften
Musikern Nick Woodland (Gitarre), Manfred Mildenberger
(Schlagzeug) und Florian Schmidt (Bass) loszufetzen
mit skurrilen Songs; über "Garten-Nazis" und skrupellose
Profitmacher ("Reißt die Hütten weg"), über Feng-Shui-Hysterie
und Frauen, die sich auf artgerechte Männerhaltung
verstehen.
Er
besingt seine grüne Jacke, die aus der Haut der "Smaragdbaumnatter,
der einzigen Pelzschlange der Welt" gemacht ist,
eine geschützte Tierart, die Prinz Charles im Privatdschungel
des Sultans von Brunei entdeckt hat. Und er zelebriert
seine für die "Verena von Arona" mit 85 Darstellern
plus Elefanten komponierte Oper in einer elektronischen
Ein-Mann-Sparfassung - ein Höhepunkt des Abends.
Doch
Georg Ringsgwandl, auch ein Virtuose der Zither und
Akustik-Gitarre, kann's nicht nur auf die harte Tour:
Seine Bob Dylan-Coverversion von "You gotta serve somebody"
("Du kannst nix mitnehma"), rhythmisch präzis akzentuiert,
geht unter die Haut. Und wenn er mit "Es war keine
so wie du" schnulzige Schlagerromantik parodiert,
kommt das dicke Ende garantiert nach: "Keine hatte
so schlechte Abgaswerte wie du". Ein hinreißender
Abend für Könner und Kenner.
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Kölner Stadt-Anzeiger,
29.10. 2005
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Bebend, zitternd und gesittet
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| ELKE BIESEL UND MARIANNE KOLARIK |
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Georg
Ringsgwandl und die Vorleser begeistern beim Köln
Comedy Festival.
Wenn
es noch einen Beweis für den Erfolg generationen
übergreifender Projekte bräuchte, Georg Ringsgwandl
liefert ihn
an diesem denkwürdigen Abend auf der Bühne des Gloria-Theaters.
Zwei junge und zwei ältere Musiker auf der Bühne,
Vater-Kind-Urlaub nennt Ringsgwandl das und lässt
es heftig rocken. Wie ein Storch, der das Rappen
gelernt hat, hüpft er über die Bühne. Er bebt und
zittert, als stünde er unter Strom bei seinen Liedern,
die zwischen Absurdität und bayerischer Bodenhaftung
balancieren - über "Marion, dem Vulkan aus dem
Waschsalon", über alte Straßenköter, falsche
Ernährung und dem von ihm, Ringsgwandl höchstpersönlich
verpatzten Aufschwung.
Das
ist schweißtreibend, und es dauert nicht lange,
da muss er das kostbare grüne Jackett aus "Smaragdbaumnatter,
der einzigen Pelzschlange der Welt" ablegen.
Mit Wollmütze und Sonnenbrille verwandelt er sich
in einen Gangsta-Rapper, der Stubenmusi auf der Zither
spielt - weil "die intelligenten Frauen nicht
mehr so auf E-Gitarre stehen". Dann wird er
schwarz bestrumpft im kurzen Glitzerkleid zur italienischen
Operndiva und spielt gleich alle anderen Rollen mit
- inklusive der 526 Elefanten, die nach jeder Arie
die Arena wieder sauber spritzen. Vogelwild ist er
geblieben, der verrückte Herr Ringsgwandl, aber manchmal
liegt darin auch ein Schuss Weisheit.
Wesentlich
gesitteter ging es bei der 6. Köln-Comedy- Lese-Nacht
in der Comedia zu. Zwei Tische und vier
Stühle genügen den Vorlesern völlig, um ihre Geschichten,
Glossen und Gedichte in die Köpfe der Zuhörer zu
transportieren. Als perfekter Gastgeber und Moderator
schuf Jess Jochimsen ein angenehm lockeres Klima:
"Wir lesen, Sie hören zu", stellte er zu
Beginn klar - und mit Ralf Welteroth den ersten Gast
vor. Der Ermittler der "Freiburger Geschmackspolizei"
berichtete von einer Busreise nach Helmstedt und
erzählte ein Fußballmärchen - zum Beispiel. Die aus
Berlin angereiste Kolumnistin Sarah Schmidt gab praktische
Tipps für Mütter, deren Zöglinge in der Pubertät
sind, und fasste in der Rubrik "Männer und Alkohol"
ihre unvergesslichen erotischen Erfahrungen mit einem
Motorradfahrer in Worte ("Ich bin eine sehr
gute Biertrinkerin"). Der aus Aschaffenburg
kommende Satiriker Thomas Gsella ("Titanic")
trug ebenso kurze wie prägnante "Gedichte mit
Säugling" vor.
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Leipziger Volkszeitung,
12.10. 2005
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Rasender
Bremsklotz
|
| Von
Jürgen Kleindienst |
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"Entzieht
sich geschickt einer Einordnung in bestimmte Schubladen",
heißt es im Munzinger-Archiv über Georg Ringsgwandl.
Man könnte auch sagen, er flieht, rast, schreitet.
Eben stapfte er noch knietief im Blues, jetzt hat
er den Country. Dann gibt es hier ein bisschen
Operette, da Heavy Metal, später Volksmusik.
Doch
egal an welchem Fach er im Verlauf dieses ausverkauften
und furiosen Konzerts in der
Pfeffermühle auch zerrt, heraus kommt immer Ringsgwandl.
56 ist er jetzt. Ein gutes Alter, um Bundestagspräsident
zu werden. Stattdessen tourt der Eulenspiegel mal
wieder und schenkt dem Land seine Bizarresken zum
eigenunartigen Sound.
Eindeutig
zu eng ist die Pfeffermühlenbühne für den Hyperaktiven,
der die Hosen und Hemden wechselt
wie andere Rocker die Frauen. Ein grünes Jackett
aus "Smaragdbaumnatter" trägt er anfangs,
dazu ein Schweiß fressendes BVB-Hemd aus der Weltraumforschung.
Später wird eine blickundichte Strumpfhose das dürre
Gebein kleiden, während er über digitale Socken doziert,
die "analog stinken", oder den "Garten-Nazi".
Ruhe
findet er nur zwischendurch, auf einem "orthopädisch
angepassten Reinhard-Mey-Liedermacherstuhl".
Nebenan, an der Zither, setzt er famos zusammen,
was nach Ringsgwandl nicht mehr zusammengehören wird: "Gangsta-Rap
und Stubenmusik" zum Beispiel. Mit Sonnenbrille
und Wollmütze frohlockt er vom einfachen Leben: "Für
mich tut's später ein gebrauchter Fichtensarg." Und
sieht ein: "Ich bin ein Bremsklotz für die Konjunktur."
Für
die Show gilt das gar nicht. Dafür sorgt auch eine
gute Band mit dem erstklassigen Gitarristen
Nick Woodland. Der soll mal bei den Stones im Gespräch
gewesen sein, hatte aber keine Lust. Jetzt zaubert
er stoisch für Ringsgwandl und ein Publikum, das
den Anarcho-Karneval erst nach mehreren Zugaben von
der Bühne lässt. "Nix mitnehmen", lautet
die Botschaft zum Abschied. Stimmt nicht.
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Oberhessische Presse,
04.10. 2005
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Humoristische Jagd aufs Publikum
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Im
grünen Karo-Sakko präsentierte sich das bayerische
Gesamtkunstwerk Georg Ringsgwandl.
Foto: de Batselier
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Marburg.
350 Kabarett-Fans ließen sich am Freitagabend
in der Stadthalle von Georg Ringsgwandls Best-of-Programm "Alte
Reißer" königlich bezaubern.
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| Von
Dennis Dippel |
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Die
Marburger sind verwöhnt, zumindest in humoristischer
Hinsicht - denn sie
haben den Kabarett-Herbst. Und in dieser Reihe darf
auch einer nicht fehlen,
dessen Name auszusprechen auch Weißbier-liebenden
Mittelhessen noch schwer
fallen darf: Georg Ringsgwandl, bayerisches Gesamtkunstwerk,
Valentin des
Rock'n Roll und wie er sonst noch genannt wird. 350
Fans lockte er in die
Stadthalle, deren Hoffnungen auf zotige Irrwitz-Geschichten,
böse
sarkastische Sozialkritik durch die geistige Hintertür
und einer geballten
Ladung Bluesrock nicht enttäuscht wurde.
In
der Erscheinung irgendwo zwischen Drag-Queen und
Akrobat Schöön stürmte
ein Mann zum wummernden Groove seiner vorzüglichen
Band auf die Bühne, der
mit knarzender Stimme kurz vor dem Plärren einen
bayerischen Blues-Gesang
anstimmte und mit minimal rhythmischer Bewegung über
die Bühne wackelte.
Alles
an Ringsgwandls ist Programm, vom grünen Karo-Sakko
zum gelben
Fußballtrikot bis zu den affektiert ausgespielten
Rockerposen. Und damit
setzt er zu einem wilden Ritt durch sein Anarcho-Universum
an: Er singt vom
Macho im Waschsalon, erzählt abstrus-anbiederisch,
wie er von Marburg die
Lahn abwärts bis in die Fulda gefahren sei um daran
anschließend in die
zucker-schöne Country-Ballade vom "Straßenköter"
überzugehen.
Die
Gäste im Saal sind gebannt, aber schwanken oft
noch zwischen
begeistertem Johlen und ungläubigem Staunen über
die Schnelligkeit der
Richtungsänderung von Ringsgwandls Gedankenwindungen.
Der erklärt dafür auch
sein Outfit: das grüne Sakko, Güteklasse Schlussverkauf,
sei aus der
kostbaren Haut der "Smaragd-Baumnatter, der
einzigen Pelzschlange der Welt",
und spinnt eine Odyssee der Geschichte bis zum Sultan
von Brunei, der diese
Tiere mit Jack-Russel-Terriern als Köder fange. Der
Saal liegt ihm zu Füßen,
auch wenn er auf der Zither das Lied eines tragischen
Versagers anstimmt,
dabei den Rotz hochzieht und singt "Für mich
tut's später ein gebrauchter
Fichtensarg".
Alle
vier Männer auf der Bühne wirken unvereinbar, aber
doch schafft
Ringsgwandl eine so magische Stimmung mit kräftigem,
hintersinnigen Witz und
hervorragend komponiertem Rock, dass alles eine Einheit
bildet. So bleibt
die Bühne nach der Pause einige Minuten leer, der
Saal mutiert zu einem
dunklen Anarcho-Dschungel mit kicherndem Publikum,
das nicht weiß, ob die im
Düsteren gerufenen Zoten aus ihren Reihen oder von
den Künstlern stammen -
so wird die Abwesenheit zum Programm.
Aber
auch eine irrwitzige Synthesizer-Opernarie, der
Klassiker-Blues "Garten-Nazi" fehlen ebenso
wenig wie ein Lied ganz in bajuwarischer
Mundart. Nach mehr als zwei Stunden humoristischer
Querfeldein-Jagd hält
sich das Publikum johlend den Bauch, verneigt sich
die Band und ein
Handküsse werfender Blues-Rock-Wolpertinger verabschiedet
sich mit einem
süß-ironisch gesäuselten "Gute
Nacht"-Countrysong.
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Neue Osnabrücker Zeitung,
30.09. 2005
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Zitherspieler in Strumpfhose, Ringsgwandl im Haus der Jugend
|
| Von
Susanne Fetter |
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"Ringsgwandl, was ist der denn?" Vor
Beginn des Konzertes im Haus der Jugend
gerät der Besucher in Erklärungsnot. Irrwisch,
Paradiesvogel, moderner
Hofnarr, Anarcho-Rocker, Punk-Qualtinger, Meister des
schlechten Geschmacks:
Gar viele Schubladen wurden für ihn schon gezimmert
- in keine lässt sich
der 56-jährige Bayer aber bisher hineinzwängen. Ob
man nach dem Auftritt
schlauer ist?
"Alte Reißer und frisches Gwachs" lautet
das Motto des Abends: ein Streifzug
durch Georg Ringsgwandls Karriere. Dunkel wird es im
Saal, die Bühne ist in
bläuliches Licht gehüllt, bevor recht unspektakulär
drei Musiker vors
Publikum treten - leise setzten klassische Klavierklänge
ein. Dann wird es "wuid": Der Hauptakteur
des Abends schleicht sich in geduckter
Haltung auf die Bühne. Mit zwei Filzhüten auf dem ergrauten
Haupt, "schweißfressendem Raumfahrerhemd",
einem grünen Sakko, gefertigt aus der
Haut einer "Smaragdbaumnatter", die Beine
verhüllt durch eine kleinkarierte
Hose, wie sie sonst nur "japanische Getreidewissenschaftler" besitzen,
verwischtem Lippenstift und Rouge auf den Backen, gibt
Ringsgwandl die
Erscheinung eines Waldschrats. "Das muss man schon
tragen können", lautet
der Kommentar.
Ungelenk wirken seine Bewegungen. So schnallt sich
ein Ringsgwandl nicht
einfach die Gitarre um, sondern steigt umständlich
durch den Haltegurt
hindurch und zieht mühsam das Instrument nach oben.
Ringsgwandl ist ständig
in Aktion: Mit grotesken Bewegungen stolziert er über
die Bühne - sinniert
dabei über Politik, seine Nachbarn oder die Lebensqualität
in Osnabrück.
Seine skurrilen Outfits wechselt er ebenso oft wie Mikrofon, Gitarre
und Zither - dem "Instrument für echte Männer", das
Ringsgwandl später in nicht ganz blickdichter Strumpfhose,
glitzerndem Top und "Chiffonmantel" spielt. So wie es ihn nicht auf dem
von Reinhard Mey geliehenen "Liedermacherstuhl" hält, zappelt sich
Ringsgwandl musikalisch mit seinen drei hervorragenden und ebenfalls
leicht durchgeknallt wirkenden Musikerkollegen durch die Stile: Jazz,
Rap, Rock oder Oper. Hin und wieder bekommt der Zuhörer sogar den
Eindruck, als bediene sich Ringsgwandl einiger Elemente atonaler
Zwölftonmusik: Schnell wechselt er dann Tonhöhen,
Lautstärke und Ausdrucksform. Ob als "Gangsta"-Rapper, harter
Rocker oder launige Diva-, auch die Rollen, in die Ringsgwandl
schlüpft, sind mannigfaltig. Seine Lieder, mal bissig, mal
nachdenklich, aber oft fordernd, wenden sich gegen "Gartennazis", das
Establishment und "den frommen Christen, dem nun der Irak gehört",
oder propagieren einfach nur "die normale Frau". Nur ein Ringsgwandl
kann in wenigen Minuten eine ganze Oper erzählen und spielen. Was
er denn nun ist? Vieles und auf jeden Fall einzigartig.
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Braunschweiger Zeitung,
29.09. 2005
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"Ich bin
pervers, ich bin frivol, ich bin der Schorschie aus Tirol"
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Wie
Otto Waalkes auf LSD: Der wilde Georg Ringsgwandl
gestaltete den Abschluss des Festivals "Kultur
im Zelt"
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| Von Benjamin Foitzik |
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"Sag a mal, bin i deppert?!" krakeelt
der schrille Ringsgwandl bajuwarisch durch das gut
gefüllte Kultur-Zelt. Und keiner will diese Frage
ernsthaft verneinen.
Ringsgwandl
trägt ein dunkelgrünes Sacko, das - so wird
man später erfahren - eigentlich eine
Jacke aus Smaragdbaumnatterpelz ist, darunter ein
neongelbes T-Shirt, hat knallroten Lippenstift aufgetragen
und ist bleich gepudert. Er singt, johlt, säuselt,
tiriliert und schreit, rennt wie ein Wilder herum
und wirft seine langen, dünnen Beine in die Luft.
Wie
Otto Waalkes auf LSD, möchte man meinen. Seine
Mitstreiter sind nicht minder schrill: Der Schlagzeuger
ist in einen Paulchen-Panther-Gedenk-Anzug geraten,
der Gitarrist eine Art Lindenberg-Klon, und der Bassist
spielt im silbrig-schimmernden Ganzkörper-Jogginganzug.
Mit anderen Worten: Wie spinnerte Mars-Menschen schauen
die aus.
Plötzlich
wird es ruhig, Ringsgwandls Zuckungen sind vorbei,
der Rumpelstilzchen-Modus geht auf Stand-by.
Und blockt den Applaus ab: "Klatschen Sie sich
keinen Wolf, dadurch werden die Künstler so selbstgefällig."
Das wird ihm wohl nicht so schnell passieren, wirkt
er doch bei seinen Zuckungen, Zoten und sonstigen
Albernheiten immer noch authentisch und ambitioniert.
Er referiert in bayrischem Kauderwelsch, und die
Leute biegen sich.
Im
Laufe des Abends wechselt der quickfidele 56-Jährige
mehrmals sein furchtbares Outfit, mal ist er ein
Boy-George-Klon im orangefarbenen Morgenmantel, dann
wird er zum ordinären Hip-Hop-Gangster mit Kondommütze
auf dem Kopf und tiefschwarzer Sonnenbrille, der
an seiner Zither "HipHop-Stubenmusik" zelebriert.
Mal zithert er, mal marodiert er wie ein Springfloh
über die Bühne, bis er schließlich an seinem Keyboard
eine Oper für Verona komponiert, in der alle arbeitslosen
Politiker mitsingen können, wenn die Koalitionsverhandlungen
vorbei sind. "Hühnerarsch, sei wachsam!",
intoniert der Barde und übersetzt für den Robbie
Williams-Part gleich mit: "Chicken-ass, be watchful!"
Je
länger der Abend, desto mehr begeistert Ringsgwandl
die Zuschauer mit seiner clownesquen Performance.
Und er singt weiter über den "Garten-Nazi",
klagt mit humoristischer Präzision die Kriegstreiberei
an und belfert Gesänge wie "Ich bin pervers,
ich bin frivol, ich bin der Schorschie aus Tirol!"
Tosender
Beifall für einen außergewöhnlichen Künstler, irgendwo
zwischen Politkabarett und Bierzeltposse.
Wie Helge Schneider als Transvestiten-Nummer. Welch
ein schaurig schöner Abgesang auf drei pralle Wochen
Kultur im Zelt!
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Nordsee-Zeitung, 26.09.
2005
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Der Zither spielende
Gangsta-Rapper
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Ringsgwandl
läuft im TiF zu Höchstform auf
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| Von
Ulrich Müller |
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Bremerhaven.
20.05 Uhr im bis auf den letzten Platz gefüllten
Theater im Fischereihafen (TiF) wird erwartungsvoll
getuschelt. Der Ringsgwandl Schorsch ist in der
Stadt, heuer zum fünften Mal. Diesmal wieder mit
Band, ja, aber wirklich noch der Alte? 56 ist er
jetzt, hat im Urlaub auf Langeoog Krabben gepult.
Und, schon gehört?, behauptet, er sei eigentlich
normaler als seine Nachbarn.
Keine
Angst: Georg Ringsgwandl, gerade mit dem "Prix
Pantheon" in der Sparte "Reif und Bekloppt" geehrt,
ist auf der Bühne nach wie vor ein absolut schräger
Vogel. Arbeitet weiter an sich als Gesamtkunstwerk,
stürmte mit "Bin i deppert" das TiF, rockte jodelnd
los und schob sofort zwei weitere Kracher in Ohrwurmqualität
nach. Keine Atempause, keine Zeit für Applaus:
"A Wahnsinn." Und eine Band, in der Florian Schmidt
(Bass) und Manfred Mildenberger (Schlagzeug/Keyboard)
als Neulinge mit viel Spaß bei der Sache waren,
während Gitarrist Nick Woodland wie von einem anderen
Stern aufspielte - musikalischer Hochgenuss.
Auch
optisch wurde einiges geboten: Herr Doktor (zuletzt
Oberarzt für Kardiologie) trug anfangs das Smaragdbaumnattersakko,
ein schweißfressendes Nasa-Hemd und eine japanische
Mönchshose, dazu Formel-1-Schuhe und einen arabischen
Gürtel. Schlüpfte aber bald ins extravagant Geblümte:
"Ja, das muss man tragen können", bekannte er.
"Verreckte
Geschichten"
Seiner
Devise - "Ich verwurste, was um mich herum passiert"
- getreu, gab es "Alte Reißer" wie "Straßenköter"
und jede Menge bizarr "verreckte Geschichten".
Höhepunkt des ersten Teils war die Verwandlung
in einen Zither spieklenden Gangsta-Rapper, kongenial
dazu "Bad-Bad-Motherfucker" Woodlands Begleitung
auf der Mandoline.
Nach
der Pause legte Ringsgwandl modemäßig noch nach,
storchte, tanzte und sprang weiter wie aufgedreht
durch die Songs. Ein Husten oder Schnäuzen im Publikum,
schon war er wiedxer mitten in einem ätzenden Exkurs.
Spielte "Wuide unterwegs", widmete "Hühnerarsch,
sei wachsam" samt englischer Übersetzung Frau Merkel.
Die Zugaben spiegelten seine grandiose Mischung
aus Tiefsinn, Melancholie und bloßer Gaudi: die
Reise nach Bremerhaven - "von Bremen an ging's
nur noch mit der Draisine" - hatte sich wieder
einmal für alle gelohnt.
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Tölzer Kurier 30.07.2005
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Mit sechsundfuchzig noch
kein bisschen weise
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Bei
Georg Ringsgwandl ist von Altersmilde nichts zu
spüren
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Bad
Tölz - Weit hat er`s ja nicht gehabt. Es war sozusagen
ein Heimspiel am Donnerstagabend
im Zirkuszelt beim Hillside-Festival: Von Murnau
Richtung Osten über "Gsindelsdorf" und "Bad
Geilbrunn" nach Bad Tölz - dieses geradezu mondäne,
vornehme "Gelenk-Rheuma-Bad", wie der Künstler
meint. Und schon ist er da, der Ringsgwandl. Tobt,
lärmt, stolziert, klampft und speit - ganz wie in
alten Zeiten. Damals in den 80-er Jahren des vorigen
Jahrhunderts, als der Ringsgwandl noch "das
Letzte" spielte und ganz "Trulla, Trulla" war.
Jetzt
ist er sechsundfuchzig und kein bisschen weise.
Spitzzüngiger vielleicht, philosophischer,
das mag sein - aber von Altersmilde ist nichts zu
spüren. Das Knie tut dem einstigen Oberarzt schon
länger weh, und dass Ringsgwandl kein Papst heilig
ist, weiß man auch schon seit ewigen Zeiten. Den
Garten-Nazi hasst er wie den Garmischer ("so
was Reinrassiges") - und dem Publikum gefällt`s,
weil er so gradlinig, so direkt, so derb ist.
Respekt
hat der Künstler ohnehin nur vor einfachen, ehrlichen
Leuten, vor "einer ganz normalen Frau,
wie eines seiner Lieder heißt. Alles Künstliche lehnt
er ab, indem er`s zur Schau trägt. Als Mann im Anzug,
den er beim Bulgaren am Bahnhof Süd gekauft hat,
mit einem Hemd geschneidert aus der Unterhose einer
Prinzessin. So blödelt er sich durch sein Programm,
bis zur Verena von Arona, vulgo Arena von Verona,
wo er allein mit seinem Klein-Synthesizer eine komplette
Oper in einem Akt aufführt, mit Elefanten und allem,
was dazu gehört.
Seine
Kostümierung würde jeder amerikanischen Pop-Diva
zur Ehre gereichen: Dem schon erwähnten Anzug folgt
ein Blümchen-Shirt und jede Menge Mützen und Hüte.
Und nach der Pause trägt der Herr Doktor dann eine
hautenge Leggins. Und man muss zugeben: Diese Beine
kann man herzeigen. Spindeldürr auch das restliche
Gestell, das sich bisweilen wie eines der Monster
aus dem Kinoschocker "Krieg der Welten" über
die Bühne stelzt.
Musikalisch
ist Ringsgwandl vielseitig wie lange nicht: Vom
trockenen Blues bis zum Liebeslied, vom
Rock à la
Spider Murphy Gang bis zum Landler, den er als "Motherfucker-Gangsta-Rapper" mit
Sonnenbrille und Mütze auf der Zither auffährt. Begleitet
wird er von zwei hoch motivierten jungen Musikern
- Florian Schmidt am E-Bass und Manfred Mildenberger
(Schlagzeug) - und von seinem Freund aus Kindertagen,
dem grandiosen Gitarristen Nick Woodland. Dass der
auch sehr gut singen kann, war eine der schönsten
Erkenntnisse des Abends. Joachim Braun
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Eßlinger Zeitung 25.07.2005
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Schätze aus dem reichen
Fundus des Absurden
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ESSLINGEN:
Georg Ringsgwandl beschert dem Burgfest der Dieselstraße
ein tolles
Finale |
| Von Alexander Maier |
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Selbst
in der schillernden Welt der Rockmusik muss man
weit laufen, um einem
wie ihm zu begegnen. Sehr weit. Er ist ein bayerisches
Urviech, rockt für
sein Leben gern, ist originell wie nur wenige, und
er kennt sich aus im
Innersten unserer Gesellschaft. Kein Wunder, Georg
Ringsgwandl ist gelernter
Kardiologe, doch sein Herz schlägt längst
für die
Musik. Und für die
Menschen. Wo andere wegschauen, guckt er genau hin.
Wo andere schönreden, was
hässlich ist in unserer Welt, nimmt er kein
Blatt vor den Mund. Und er
bescherte dem Esslinger Burgfest-Publikum am Samstag
ein tolles Festival-Finale.
Wenn ihn manche, die ihn nicht so mögen, als
Spinner abqualifizieren, kontert Ringsgwandl ebenso
cool
wie überzeugend: Es gibt viele, die sich ganz
normal finden und in Wahrheit viel verrückter
sind als ich. Und wer seine Lieder
hört, wird ihm kaum widersprechen. Georg Ringsgwandl
nimmt die Irrungen und
Wirrungen moderner Architektur aufs Korn und fordert
ultracool: Reißt die
Hütten weg. Er schüttelt den Kopf über
hirnlose Sportskanonen, die
gaggerlfidel und vogelwild durch die Welt radeln,
climben oder gleiten und
darüber ganz vergessen, was wirklich zählt
im Leben. Er legt einen
eurythmischen Schlangentanz hin und plaudert sich
vom Esoterik-Boom über die
Urlaubsvorbereitung bis zur Kinderwunschbehandlung,
um gleich darauf im Rhythmus eines bayerischen Heavy-Metal-Ländlers über
das abenteuerliche Leben eines Wohnmobil-Besitzers
zu spötteln.
Was hat man ihm nicht schon für Etiketten angeheftet:
Paradiesvogel,
Anarcho-Rocker, Irrwisch, Punk-Qualtinger, Valentin
des Rock 'n' Roll und,
und und. Wahrscheinlich ist er von alledem ein bisschen
und alles zusammen
ergibt ein Unikat: Ringsgwandl. Er erzählt von alltäglichen
Menschen und
deren ganz alltäglichen Geschichten: der Esoterik-Jüngerin,
die nicht recht
weiß, wie ihr geschieht, als sie sich in irgendeinen
Straßenköter-Typen
verguckt und plötzlich merkt, wie all ihre Prinzipien
nichtig und klein
werden. Von zwei Siebzehnjährigen, die immer wieder
an die Grenzen ihrer
eigenen Träume stoßen. Oder von bornierten Schickeria-Angebern,
die gar nicht
sehen, was um sie herum in der Welt passiert.
Keine Chance für Denkverbote
Vielleicht ist gerade das eines der wichtigsten Erfolgsgeheimnisse
von Georg
Ringsgwandl: Er kennt keine Denkverbote und wehrt
sich gegen
Totschlag-Argumente, die durch vermeintliche political
correctness notdürftig
verbrämt werden. Er spielt lustvoll mit den Tabus
der Gutmenschen-Zunft,
findet sich selbst kein bisschen besser als die anderen
und setzt sich
bereitwillig die Hofnarren-Kappe auf, weil er weiß,
dass nur der Hofnarr den
anderen derart ungeniert den Spiegel vorhalten darf.
Er zieht das Star-Gehabe
des Showbiz' durch den Kakao und treibt das manierierte
Gehabe vieler seiner
Musikerkollegen derart ungeniert auf die Spitze,
bis auch dem letzten klar
wird, was dahintersteckt. Und er spürt begeistert
den Absurditäten unseres
Alltags nach, wobei er aus einem immer größeren Fundus
schöpfen kann.
Im Handumdrehen schlüpft Georg Ringsgwandl von einer
Haut in die nächste,
wechselt perfekt die Charaktere und hat selbst den
meisten Spaß daran. Nicht
minder vielseitig ist er auch musikalisch: Ob Heavy
Metal, Country, Ländler,
Rap oder grundsolider Rock - Ringsgwandl lässt nichts
aus. Und er hat mit
Christian Diener (Bass), Gerwin Eisenhauer (Schlagzeug)
und vor allem dem
großartigen Gitarristen Nick Woodland drei Musiker
im Schlepptau, die wie
geschaffen sind für dieses Gesamtkunstwerk.
Jede Menge schräger Vögel
Am Esslinger Burgfest muss Georg Ringsgwandl seine
helle Freude gehabt haben,
denn der dritte Festival-Abend präsentierte neben
dem bayerischen
Anarcho-Rocker noch jede Menge anderer schräger Vögel.
Und egal, ob das
Theater Irrwisch nochmal seine Gatschpletzn von der
Leine ließ, ob der
köstliche Herr Blahatsch als menschliches Mofa über
den Platz knatterte, ob
das Trio Grande seine ganz eigene Musik machte oder
ob der Drunken MastEr
Noah in schwindelnder Höh' auf einer Laterne balancierte
- selten hat ein
Abend auf der Esslinger Burg derart viel Spaß gemacht.
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Nürnberger Nachrichten
18.07.2005
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Georg der Groteske
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Ringsgwandl
begeisterte in der Katharinenruine
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Sieht
so die neue Herrenmode aus? Zur formlosen Getreidewissenschaftlerhose
passt das giftgrüne Smaragdbaumnatter-Jackett, dazu
ein arabisches
Prinzessinnen-Top (großgeblümt), quietschgelbe Formel1-Schuhe
und digitale
Socken. Das ist die aktuelle Mode-Kreation von Georg
Ringsgwandl, dem
unnachahmlichen Verkleidungs- und Unterhaltungskünstler.
Wie jeder große
Komiker hat er im Laufe der Jahre seine Kunst- zur
Kultfigur stilisiert.
Äußere Erscheinung und innere Wahrheit sind nicht
voneinander zu trennen.
Mit abgründigem Humor, "alten Reißern und
frischem Gwachs" begeisterte der
Meister des schlechten Geschmacks das Nürnberger
Publikum in der
ausverkauften Katharinenruine - Echt irre!
Ringsgwandl
arbeitet weiter an seinem Gesamtkunstwerk zur menschlichen
Tragikomödie. Und wird dabei immer besser. Als
Sänger, Songschreiber
und Geschichtenerzähler. Begleitet wird er von
einer famosen Band mit dem
Engländer Nick Woodland an der Gitarre, dem Ex-Nürnberger
Christian Diener
am Bass und dem Regensburger Schlagzeuger Gerwin
Eisenhauer. Sie verwandeln
die oft sperrigen Songs in federleichte Ohrwörmer.
Ringsgwandl
verrenkt seinen Körper auf ebenso groteske Weise
wie er mit der Sprache und seiner Stimme spielt.
Ob durchgeknallter Operntenor, cooler
Bayern-Rapper, eigensinniger Volkssänger, gnadenloser
Witzereißer,
Möchtergern-Rockstar - der Wahnsinn hat Methode.
Im
Zickzack geht's durch die Absurditäten und Aktualitäten
des Alltags. "Was
macht eigentlich die Busenwitwe, das einstige Wahrzeichen
von Nürnberg",
fragt er unvermittelt und fängt aus dem Stegreif
zu frozzeln an, wie nur er
es kann.
Wer
sich von dem Gezappel und Gezeter nicht ablenken
lässt, entdeckt hinter
der schrillen Maskerade einen Moralisten, der sich
auskennt mit den Nöten
der Zukurzgekommenen und Verlierern der Gesellschaft.
Ringsgwandl macht sich
über Modetorheiten lustig und steigert die Widersprüche
und
Ungerechtigkeiten des Systems ins komische Extrem.
Das kann der grassierende
Fengshui-Wahn sein oder Tier-Homöopathie. Er ätzt
über Garten-Nazis oder den
Bomben-Bush, macht sich Gedanken über Wirtschaftsaufschwung
und
Konsumstreik. "Mein Hund wird falsch ernährt"
behandelt eines der
Hauptprobleme unserer Zeit.
Mit
Hohngelächter und Sirenengeheul bittet Ringsgwandl
zum Tanz auf dem
Vulkan. Ja, ist der deutsche Spießer bzw. die Menschheit
noch zu retten? Die
Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst. Deshalb
serviert der Anarcho-Clown
zum Schluss noch seine heimlichen Hits "Jedermann"
und "Nix mitnehma". Das
Leben ist zum Totlachen. Vom Ringsgwandl lassen wir
uns das nicht nur zwei
Mal sagen. STEFFEN RADLMAIER
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Nürnberger Zeitung 18.07.2005
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Ringsgwandl in der Katharinenruine
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Irrwisch
in sechs Hosen
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In
der ausverkauften Katharinenruine muss am Samstagabend
so mancher stehen. Doch der Herr Doktor hat Manieren:
Einer Zuschauerin bietet Georg
Ringsgwandl seinen "Zitherstuhl" an; der frühere
Kardiologe braucht ohnehin
keine Sitzgelegenheit. Wie ein Irrwisch flitzt er
die ganze Zeit über die
Bühne, manchmal auch im Walking-Schritt, den er bei
der "AOK Dingolfing"
gelernt hat: Ringsgwandl, Jahrgang 1948, kokettiert
mittlerweile auch schon
mit seinem Alter.
Dazu
passt sein neues Programm: "Alte Reisser,
frisches Gwachs" will der philosophische Clown präsentieren
und somit - unterstützt von Nick Woodland
(E-Gitarre), Gerwin Eisenhauer (Schlagzeug) und Christian
Diener (Bass) -
einen Rückblick auf 30 Jahre als Musikkabarettist
geben.
Doch
zunächst doziert er mal wieder über seine Kleidung:
über das grüne
Jackett aus Smaragdbaumnatter, das "Arabische-Prinzessinnen-Top"
und die Getreidewissenschaftlerhose, die er später
auszieht und in die Ruine
befördert. "Ich ziehe immer fünf bis sechs
Hosen übereinander an", klärt
Ringsgwandl auf.
Das
ist aber beileibe nicht das Abstruseste, was Ringsgwandl
an diesem Abend erzählt. Später berichtet er von
einem Ausflug Jürgen Trittins und Ludwig
Stieglers in die Arena von Verona, wo die beiden
ein Lied über Coladosen
sangen, bevor die aus Verdis "Aida" übrig gebliebenen
Elefanten die Arena
stürmten und die Zuschauer mit "Powasser
aus der Arschebene" vollspritzten.
Das Wasser, berichtet Ringsgwandl, wäre freilich
sauberer gewesen, wenn
Trittin auch in Italien Umweltminister wäre. Noch
Fragen?
Gesungen wurde auch noch
Ach
ja, gesungen wurde auch noch, vornehmlich im zweiten
Teil des Konzerts:
Da gibt Ringsgwandl dann unter dem Jubel des Publikums
seine Klassiker zum
Besten: "Jedermann", "Wuide unterwegs", "Hühnerarsch,
sei wachsam". Und er
zeigt sich von seiner bissigen Seite: Etwa, wenn
er sein Lied über den "Garten-Nazi" aus
dem preisgekrönten Album "Gache
Wurzn" anstimmt, mit dem
er die Doppelmoral des Großbürgertums entlarvt, oder
wenn er im Hinblick auf
das neue Münchener Fußballstadion fordert: "Reißt's
die Hütten ei'."
Ringsgwandl
singt auch über den "frommen Christen",
dem nun der Irak gehöre
und der "mit Kampfgas spritzt" und "auf
Kinder schießt". Doch der
Kabarettist spart dabei nicht mit Selbstironie: Er
habe sich für dieses
ernste Thema eigens den Liedermacherstuhl von Reinhard
Mey ausgeliehen,
erzählt er treuherzig.
Das
Lied "Sepp", mit dem er in den neunziger
Jahren die Familienpolitik des
damaligen Kardinals Joseph Ratzingers kritisierte,
fehlt in Ringsgwandls "Best-of-Programm". Aber
einen kleinen Seitenhieb auf "Ratzl-Spatzl"
kann er
sich zum Schluss dann doch nicht verkneifen: "Wir
danken Benedikt XVI. für
das schöne Wetter." Marco Puschner
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Heilbronner Stimme 04.07.2005
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Rive gauche
|
| Von
Claudia Ihlefeld |
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Wäre
er eine fesche junge Frau, Ringsgwandl würde den
Zitherspieler dem selbst ernannten Rotweinkenner
vorziehen. Als "Bad motherfucker" mit Gangsta-Strickmütze
und Sonnenbrille schlüpft Georg Ringsgwandl verkehrt
herum ins smaragdbaum-nattergrüne Jackett und lässt
die Saiten des "geilen" Instruments schwingen.
Mit harschem Humor watet der Paradiesvogel mit dem
Faible für ausgefallene Kopfbedeckungen und Beinkleider
durch unsere depperte Welt. "Rive gauche",
vom linken Ufer eben: außen friedlich, innen herrscht
Krieg, rockt und röhrt das Gesamtkunstwerk aus Garmisch-Partenkirchen
über die Bühne, ein Hofnarr, der die anderen zum
Narren macht. Spöttisch zieht er die rot geschminkten
Lippen nach unten, verdreht die melancholischen Augen
und seinen bemerkenswerten Zinken. Subversiv, absurd,
schräg, schrill, vulgär und auf der aktuellen Höhe
der Niederungen von Politik und selbst verliebter
globaler Zivilgesellschaft, ist Ringsgwandl ein dadaistischer
Wiedergänger. Mit exaltierter Falsettstimme und hintersinnigen
Texten trifft der exzellente Rockmusiker und gelernte
Kardiologe den Nerv und seziert unsere Lebenswelt.
Dass, wo der Gartennazi wohnt, kein Bühnenhochdeutsch
gesprochen wird, haben wir vermutet. Ringsgwandl
ist ein Geschichtenerzähler und Menschenfreund, dem
nichts fremd ist. Den Deutschen auf Reisen schickt
er von der Arena in Verona in den Po und lässt ihn
in Venedig als zeitgenössische Kunst zur Biennale
an Land gehen, bevor er bei der nächsten documenta
ausgestellt wird. Beiläufig und blitzg'scheit rechnet
der Außerirdische aus Bayern ab. "Jedermann,
deine Tage sind gezählt". Ein herrlich
verrückter Kerl.
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Süddeutsche Zeitung 02.07.2005
|
Anarchos Urschreitherapie
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"Alte
Reisser, verreckte Geschichten" Georg Ringsgwandl
sucht seine Wurzeln
|
| Von
Franz Kotteder |
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Unseren
so genannten "Kleinkünstlern" droht
ja neuerdings, ab einem gewissen
Alter zumindest, das schwere Schicksal, zum halbamtlichen
Staatskabarettisten zu werden. Auch Georg Ringsgwandl
scheint davor nicht
ganz gefeit zu sein, hat er doch die vergangenen
Jahre weniger auf Konzert-
und Kabarettbühnen zugebracht als in den Kammerspielen
und im
Residenztheater. In Letzterem ist er noch immer zugange;
sein"
Prominentenball" ist nach wie vor ausverkauft,
die letzte Vorstellung
findet am 20. Juli statt, danach ist erst mal Schluss
mit dem Staatstheater.
Nein,
sagt Georg Ringsgwandl, unglücklich sei er deshalb
gewiss nicht, "aber
das Theater ist halt eine komplett andere Geschichte
als der Rock 'n' Roll".
Da sei man sehr stark eingebunden in Zuständigkeiten
hier und dort, für
jeden Handgriff gibt es Spezialisten, es gibt Bühnenverträge
und Tarife und
lauter so Dinge, die man gar nicht groß beeinflussen
kann. Als Musiker
hingegen steht man eben auf der Bühne, muss fast
alles selber machen, und
wenn es dann blöd läuft, ist man allein dafür verantwortlich.
Das hat seinen
Reiz, findet Ringsgwandl, das macht ihm Spaß. Und
auch wenn die Stücke am
Staatsschauspiel, bei einem ganz anderen Publikum
als draußen in den
Kleinkunstkneipen und Festivalzelten, sehr erfolgreich
waren: "Es behindert
einen dann doch bei anderen Aktivitäten."
Die
anderen Aktivitäten des bayerischen Songpoeten
und Anarcho-Rockers Ringsgwandl sollen jetzt wieder
ihren Platz bekommen. An einer neuen CD
arbeitet er gerade, und gewissermaßen als Rückblick
und Magentratzer sind
vor kurzem eine DVD mit Konzertaufnahmen und eine
CD, überwiegend mit
Wortbeiträgen von ihm, erschienen. "Alte
Reisser, verreckte Geschichten"
heißt die CD, und neben ein paar älteren, bislang
unveröffentlichten Liedern
besteht sie im wesentlichen aus jenen Anmoderationen
und skurrilen
Geschichten, für die Ringsgwandl berühmt ist. "Früher
dachte ich, ein
ordentliches Konzert besteht aus einer Reihe von
Songs, die möglichst sauber
gespielt werden", schreibt Ringsgwandl im Booklet, "als
ich dann auf die
Bühne ging, war unsere Musik so windig, dass die
Leute für eine launige
Ansage zwischen den Songs ganz dankbar waren." Hier
handelt es sich
natürlich um Understatement, was selbst dem unbedarften
Ersthörer schnell
klar werden dürfte, und noch viel deutlicher, wenn
er dazu die DVD mit
Konzertmitschnitten aus den Jahren 1991 bis 1998
ansieht. Da merkt man nicht
nur, dass die Songs möglichst sauber gespielt werden,
sondern auch, was der
Ringsgwandl für ein wilder Hund war auf der Bühne,
wie er ständig in neue,
wüste Rollen und vor allem auch Kostüme schlüpfte.
In den vergangenen Jahren
ist er da schon etwas ruhiger, gesetzter geworden.
Ist
er das wirklich? Klar, sagt Ringsgwandl, auch er
habe ein bisschen
gestutzt, als er die alten Aufnahmen für die
DVD wieder angeschaut hat." Damals gab es ja
einen starken Kollektivdruck, vernünftig und
normal zu sein", sagt er, "und deshalb
waren die Programme auch umso besser, je
abgedrehter und radikaler sie waren." So etwas,
meint er, vergesse man
leicht, wenn man ein paar Jahre lang im Theaterbetrieb
unterwegs sei.
Inzwischen habe er aber wieder gemerkt, dass es ihm
nur gut gehe, "wenn ich
richtig Radau machen kann. Das ist halt meine Urschrei-Therapie."
Und deshalb wird es jetzt auch wieder ein bisschen
heftiger, verspricht er.
Gerade hat er seine Tournee begonnen; das Tollwood-Festival,
bei dem er am
Samstag (Beginn: 19.30 Uhr) in der Musik-Arena auftritt,
ist eine der ersten
Stationen. Wieder gibt es "Alte Reisser",
aber eben auch "frisches Gwachs",
wie der zweite Teil des Tournee-Titels lautet. Nicht
nur, weil Ringsgwandl
einige neue Nummern live ausprobieren will, sondern
weil auch ganz neue
Musiker dabei sind. Nick Woodland, der wunderbare
Gitarrist, ist natürlich
geblieben, "der gehört ja schon zum Inventar".
Ein junger Keyboarder und ein
Bassist, Manni Mildenberger und Florian Schmidt,
sind dazugestoßen: "Die
sind beide so um die 20, die hab ich bei einer Band
vom Land, irgendwo da
hinter Erding, aufgegriffen." Das mache die
Sache recht vital, sagt der Meister, normales Volksliedgut
dürfe man sich also
nicht erwarten, "sondern
eher wuides Zeug". Nick Woodland sei richtig
aufgelebt, grinst Ringsgwandl
und sagt: "Der dreht jetzt richtig auf, der
spürt den frischen Wind der
Jugend! Und der Nick spielt gerne mit, weil er hat
ja selber keine Kinder."
Da
scheint Ringsgwandl nun also wieder ein wenig an
seine Anfänge
anzuknüpfen. Über die neuen Stücke und Lieder will
er noch nicht allzu viel
verraten "klar, es sind wieder "gesellschaftliche
Schnappschüsse", wie er
sagt. So gesehen hat sich ja im Vergleich zu seinen
Theaterstücken nicht
viel verändert. Lauter wird's halt werden, verspricht
er, und wilder, eher
nichts für die Freunde des Abonnement-Theaters. Die,
das will Ringsgwandl
nicht ausschließen, kommen irgendwann schon auch
mal wieder auf ihre Kosten.
Vorerst aber ist wieder die Zeit für verreckte Geschichten
auf der
Rockbühne.
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Aachener Zeitung 27.06.2005
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Skurriles Spiel mit den
bitteren Wahrheiten des Lebens
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Kabarettist
Georg Ringsgwandl zeigt sein ungewöhnliches Programm
auf Burg Wilhelmstein. Bizarre Szenen und gute
Band.
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| Von
Sabine Rother |
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Würselen.
Er ist ein Eulenspiegel, ein melancholischer, kluger
Narr, der
seine zum Teil sehr bitteren Weisheiten in urigen
Verpackungen unter die
Leute mogelt: Mit dem bayerischen Kabarettisten Georg
Ringsgwandl hat
Veranstalter Ulrich Pesch auf der Open-Air-Bühne
von Burg Wilhelmstein einen
Ausnahmekünstler präsentiert, der sich mit niemandem
im großen Kreis der
heiter-kritischen Kollegen vergleichen lässt.
Ringsgwandl ist ein Ereignis. Und man staunt immer
neu, was diesem energiegeladenen Mann so einfällt
und wie er es dramaturgisch gekonnt
umsetzt. Von Anfang an sind seine Zuschauer hingerissen,
hören gespannt zu,
reagieren auf feine Zwischentöne, obwohl die herzhafte
Mundart eines
Ringsgwandl in unseren Breiten nicht unbedingt jedem
geläufig ist.
Ringsgwandl liebt den heftigsten Mummenschanz. Das
ist nicht einfach
"Dekoration" es ist jener Schutzwall, hinter dem er
Skurrilität und
abstrusen Witz auslebt. Seine Gedanken und Ideen
verdichten sich zu einem
anspruchsvollen Programm, das zwischen Heiterkeit,
Ironie, Traurigkeit und
kummervoller Kritik pendelt. Er zeigt mit genialer
Leichtigkeit, wie
Skurrilität im schlichten Alltag lauert - wenn man
nur hinschaut. Und so
findet er immer wieder neue Erklärungen für irgendwelche
Lebenskrisen, etwa
im Refrain: "Mein Hund wird falsch ernährt",
oder der entsetzte Blick auf die Machenschaften der
Politiker: "Mir hoams
gwählt..." Entwaffnend und
zärtlich, doch nicht ohne Biss, sind seine "Liebeslieder
- etwa für jene
eigenwillige Dame, der man alle Schlamperei verzeiht,
weil: "Sie is halt a
schene Frau". Bodenständig, dunkel und hintergründig
ist Ringsgwandl selbst
in seiner Musik. Da taucht er zusammen mit dem grandiosen
Gitarristen Nick
Woodland und den beiden jungen flotten Kollegen Florian
Schmidt (E-Bass) und
Manfred Mildenberger (Schlagzeug) gern ab und zu
in wuchtige Rock-Gefilde
ab. Den mächtigen Blues hat er im kleinen Finger,
und dieses starke Gefühl
kommt von Herzen.
Hatte sich Ringsgwandl zunächst für ein schrilles
gelb-grünes Outfit
entschieden, so sorgt er im zweiten Teil des Konzertes,
frisch geschminkt, für eine Steigerung: schwarze
Strumpfhosen,
die keinesfalls "blickdicht" sind,
ein knappes Shirt, darüber in orangefarbener Mantel
aus
durchsichtigem Stoff und dazu ein spitzer Hut. Und
wenn er die langen Beine
kreuzt, tänzerische Posen ausprobiert, erinnert er
an jene bizarren und bis
heute geheimnis-umwitterten Figuren, die einst ein
Erasmus Grasser im 15.
Jahrhundert als kunstvolle und gestenreiche "Moriskentänzer"
schuf und die
man im Münchner Rathaus bis heute in ihrem Reigen
bewundern kann.
Vielleicht hat sich Ringsgwandl ja hier inspirieren
lassen, denn in seiner
Kunst wird sichtbar, was auf den Marktplätzen vergangener
Jahrhunderte und
an den Höfen der Könige die Menschen fasziniert,
amüsiert oder schockiert
hat. Diese Fähigkeit, die Gesellschaft zu durchleuchten,
lebt mit
Ringsgwandl auf. Begeisterter Applaus, das Publikum
versteht ihn - jedenfalls das meistens.
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HNA.de 26.06.2005
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Faustdick hinter
den Ohren
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| Von
Juliane Sattler |
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KASSEL.
Was für eine schräge Mischung, dieser Ringsgwandl.
Steht auf der Bühne im Kasseler
Kulturzelt und sieht aus, als ob er ein bisschen
deppert wär. Dabei hat er es faustdick hinter den
Ohren, der Herr Doktor aus Bad Reichenhall. Ringsgwandl
ist Programm, sein Name steht für schwarzhumorige
Kleinbürgergeschichten, über das alltägliche Scheitern,
die großen, längst zu klein gewordenen Gefühle, Männer-
und Frauengeschichten, die irgendwie nicht zusammen
passen. Und singen kann er auch: Mit seiner virtuosen
dreiköpfigen Band "Die alten Giftler" liefert
er Anarcho-Pop der besten Sorte, schreibt gefühligen
Country-Rock und Folk-Blues in seine Sprache um.
Vor allem schrill und schräg.
Den
Hut auf dem Kopf, die Gitarre in der Hand, die
Lippen rot geschminkt: Im voll besetzten Sternenzelt
am Fuldaufer brütet die Hitze, und das bayerische
Urgestein heizt seinem Kasseler Publikum so richtig
ein. Springt über die Bühne, als sei er eine Mischung
aus Otto, Mick Jagger und Udo Lindenberg, irrlichtert
zwischen Travestie und Kabarett und bringt doch alles
auf den Punkt, mal erzählend, mal singend.
Das
bayerische Urgestein ist ein böser Knabe. Doch
wenn er den Finger auf die Wunde legt, tuts nicht
weh. Oder man lacht darüber hinweg, wenn er vom bösen
Mief singt, der in deutschen Vorgärten lauert - Garten-Nazis
nennt er die Leut' - oder sich auf die Suche
nach einer ganz normalen Frau begibt, eine, die sich
auskennt mit der Spezies Mann. Ringsgwandls schräge
Philosophie schlägt immer wieder virtuos den Haken
in unser aller Alltagsleben: Verlierer und Möchtegerne,
Arbeitslose und Big Bosse. Er singt deftige Bürokraten-Moritaten,
verrockt den guten "Jedermann", lässt die
Endlichkeit aufscheinen mit "Nix mitnehma" oder
stimmt mit schmeichelnder 20-Jahre-Stimme sein "C'est
la vie" an. Es werd' schon wer'n.
Wenn
dieser Ringswandl sinniert und dazu seine beiden
Zeigefinger in die Luft bohrt, mit einem Ententanz-Sprung
über die Bühne hüpft, dann kann man den Alltag vergessen.
Doch genau um den geht's. Wie gesagt, er hat
es faustdick hinter den Ohren. Vorsicht Ringsgwandl.
E DVD: Ringsgwandl: Trulla! Trulla! Alte Reißer live.
CD Ringsgwandl. Alte Reisser. Verreckte Geschichten.
Sony BMG. www.ringsgwandl.de
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Mittelbayerische Zeitung
- Kultur, 06.06.2005
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Paradiesvogel in der Spitzenpfalz
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Das rockige Clowngenie Ringsgwandl betörte
die Zuhörer beim Zeltfestival
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| Von
Susanne Wiedamann |
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Ringsgwandl schreibt Pophistory.
Foto: altrofoto.de
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REGENSBURG.
Um ein Haar wär' er gar nicht da gewesen.
In Tübingen hätten ihn "greane WG-Schlamp'n"
wegen seines Sackos aus Smaragdbaumnatter (einziger
Schlangenpelz auf
Erden) fast mit einem Sushi-Messer erstochen, erzählt
Georg Ringsgwandl. Rund 580 Zuhörer hängen am Freitag
im Festivalzelt mitten im Schlosshof von "derer
Esscellenz", die er nur aus der Bunten kennt,
an seinen Lippen. Verzückt verfolgen sie jede seiner
von spastischer Rhythmik geprägten Zuckungen, himmeln
ihn an, ihr Idol, das Genie, diese durchgeknallte,
freigeistige, vogelwilde, schrille, grellbunte, erdverbundene
Lichtgestalt. Diesen Einzigartigen, dessen Musik
packt, egal ob er es bluesig, rockig, volksmusik-zither-ig
oder diskofiebrig angeht. Dessen Wort-Endlosschleifen
so wahr sind, wie die Ausdrucksweise schräg und die
Denke bayerisch-valentinesk.
Schlangenmensch eingekabelt
Ringsgwandl
ist eine Naturgewalt, optisch irgendwo zwischen
g'scheckertem Grashüpfer, spillerigem
Boandlkramer und Zauberer Catweazle. Ein Schlangenmensch,
der in seine Gitarre einsteigt, statt sie sich
einfach umzuhängen, der sich auf eine Weise
mit Kabel umgarnt,
die laut Ringsgwandl in zehn Jahren Pophistory
geschrieben haben wird: 3.Juni 2005, Thurn & Taxis
Zeltfestival im Schlosspark zu Regensburg,
Ringsgwandls "Kabelflechtvolkstanz".
Mit weit ausgebreiteten Armen segelt er traumtänzerisch
über die Bühne und betört sein Publikum. Was
für ein Publikum! Ringsgwandl hat eines, das
ihn umschwärmt,
seine Songs laut einfordert und mitsingt, das
ihn so feiert, dass er die Oberpfalz kurzerhand
zur
"Spitzenpfalz" erhebt.
"Wuide unterwegs" wollen sie hören:
Und diese abgefahrenen Wilden, Ringsgwandl an
der akustischen
Gitarre, Zither und Keyboard, E-Gitarrist Nick
Woodland, der Abensberger Christian Diener (E-Bass)
und der
Regensburger Drummer Gerwin Eisenhauer, liefern
zwei Stunden lang eine Spitzenshow mit Songs
vom "Straßenköter"
über "Roulett in Monte Carlo", "Mein
Hund wird falsch ernährt" bis zu "Chicken
ass, be watchful!" ("Hühnerarsch, sei
wachsam!" für die weniger Polyglotten unter
uns): "Passt
du nicht auf, Poularde, rupft dich wer, und das
wär' schad'."
Sitzen im Feng Shui
Vom
"Garten-Nazi", der seinen Hund mit dem Hochdruckreiniger
abduscht, erzählt
der Avantgarde-Barde
mit dem tiefen Einblick in die Volksseele.
Und, in Fortentwicklung von "Der Wind",
vom durchschlagenden
Erfolg des Feng Shui, das den Besoffenen
im Wirtshaus
festhält, denn er sitzt gerade so schön "im
Feng Shui".
Im Ringsgwandl'schen Kosmos der hemmungslosen
Spintisiererei kennt die Gedankengalaxie
keine Grenzen. Vom Feinstaub-Verbrechen bis
zum Akt
in der Samenspende-Kabine
("Hab' scho' früher Angst
g'habt, dass mi' beim Wixen da
Blitz daschlogt")
wird nichts und niemand ausgelassen. Sängerin
Nicki nicht, die "Sprechstundenhilfe
des Choppers",
die nach einer Geschlechtsumwandlung zu Küblböck
mutiert sei. Und auch nicht DJ Ötzi: "Ich
bin pervers, ich bin frivol, i' bin
da Ötzi aus
Tirol" sängelt Ringsgwandl zur Anton-Musik
- und das Publikum rast. Von den Wolga-Unterwasser-Kosaken
erzählt er, diesen "verstrahlten Tschernobyl-Kosaken:
Die treten nachts auf, die brauchen gar keine
Beleuchtung."
Auch Ringsgwandl strahlt von innen heraus:
dieser groovende Paradiesvogel mit einem
Hirn aus zerbröselndem
Smaragd, verehrt und geliebt in der Spitzenpfalz.
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Hamburger
Morgenpost, 13.05.2005
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Die
Loreley der Reeperbahn
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Einfach unheimlich gut -
Ringsgwandl
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Die Mütze
tief ins Gesicht gezogen, darunter verdeckt eine Sonnenbrille den Rest
all dessen, was nicht leuchtend roter Mund ist. "Ey motherfucker, ey,
babe", nuschelt er und nickt lässig mit dem Kopf, grinst dann und
stellt sich als die bayerische Antwort auf Udo Lindenberg vor. Aber des
is woit g'fehlt! Georg Ringsgwandl ist Diva, Rocker, Rapper und alles,
was sonst noch geht. Das Publikum im St. Pauli-Theater lag ihm zu
Füßen.
Welch Bühnenwunder, welch Talent! Seine Hirngespinste: zynisch,
ironisch, selten lieblich. Egal, ob er blödelte, pöbelte oder
tiefschürfend analysierte, seine eigene Begeisterung, sein
garstiger Humor und derber Wortschatz fixten jeden an. Ein Karl
Valentin stand da, und bei dem borgte er sich auch schon mal ein
Späßchen.
Mit Leidenschaft zog Ringsgwandl über seine Band her, die er
entsprechend den "Sehnsüchten der Frauen" zusammengestellt hatte:
den Bassisten für die Normalen ("benutzt Zahnseide"), den
Gitarristen für das Abgründige in der Frau ("Mein Körper
ist ein Labor"), und den Schlagzeuger ("die Krankenschwester") für
die Perversen. Er selbst? "Ich bin die Loreley der Reeperbahn."
Besonderen Spaß hatte er daran, Nick Woodland (Gitarre) ob seiner
Starallüren aufzuziehen, immerhin ist der ein ganz Großer
und spielt sonst bei Westernhagen. Hier wusste der die Aufmerksamkeit
allerdings nicht zu schätzen und quittierte sie mit Stinkefinger.
Aber sonst ein absolut großartiger Abend! Nicht mehr
steigerungsfähig.
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DIE WELT,
13.05.2005
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Ringsgwandl
auf St. Pauli - Prêt-à-Porter
auf bayrisch
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Reden wir aus
gegebenem Anlaß mal kurz nicht über obszön-bajuwarische
Kleinkunst, sondern über ungleich obszönere Bad Reichenhaller
Herrenmoden. Denn eine Augenweide waren sie ja nicht gerade, die
Farbauswahl und die Abendgarderobe vom Herrn Doktor Ringsgwandl. Der
ellenlange Entertainer, der am Mittwoch abend im gut gefüllten St.
Pauli-Theater gastierte, kam nach der Pause in folgendem Outfit auf die
Bühne gestorcht: roter Lippenstift, blaues Tüchlein,
neon-orangefarbener, halbdurchsichtiger Trenchcoat, glitzerweinrotes
Kurzshirt, quietschgelbe Turnschuhe. Dazu anstelle einer Hose eine
schwarze Nylonstrumpfhose.
Vor der Pause
hatte er noch so geprahlt mit seinem feinen grünen Jackett,
gefertigt aus Smaragdbaumnatter, "der einzigen Pelzschlange der Welt".
Von dem seltenen Reptil besäße sonst nur der Sultan von
Brunei noch ein paar Exemplare in seinem Privatdschungel. Nun darf sich
in einem freien Land selbstverständlich jeder so gewanden, wie er
mag. Und jeder darf sich drüber mokieren, Ringsgwandl vorneweg.
Seine eigentliche kabarettistische Spezialität sind normalerweise
die Machtgierigen, die Korrupten und die Leo-Kirch-Momente im Leben:
Drei Uhr morgens in Monte Carlo, und der Jaguar ist schon lange
verspielt. Und doch kann er es nicht lassen: Wahre Abgründe in der
scheinbar harmlosen Welt der Herrenoberbekleidung tun sich auf, wenn
das "Ex-Model im Regenmantelbereich" (Ringsgwandl über
Ringsgwandl) mit seinem Publikum einen perfekten Sonnabend nachmittag
bei der Schwester in Freilassing durchlebt: Wo es den Schwager
zunächst in Bottropper Tracht (bunter Trainingsanzug, braune
Slipper) in den Baumarkt zieht.
Später wird er zum gemütlichen Teil übergehen - im
Bärli-Kostüm: grauer Stretchfrottee, mit Ausnahme der
Halsöffnung eher turnbeutelartig geschnitten, versehen mit
Eingriffen auf Taillenhöhe rechts und links, eben wegen der
Gemütlichkeit. Schlimmer noch als jedes Modeverbrechen in
Herrentaschen: Ringsgwandls Ode an die Haltbarkeit von
Herrentaschentüchern wird Virusverängstigte erst recht
weiterhin pro Leben Papiertücher im Gegenwert zweier stattlicher
Buchen verschneuzen lassen - sehr, sehr guten Gewissens. "So Jungs,
Disco!", befiehlt Ringsgwandl in regelmäßigen Abständen
seiner kleinen Band, bestehend aus dem totengräbergleichen Rocker
Nick Woodland, dem smarten Bassisten Christian Diener und dem
Schlagzeuger Gerwin Eisenhauer. Eine dezent-verläßliche
Truppe, die ihren Meister nur in cyberweltlich- modephilosophischen
Fragen einmal im Stich läßt. Denn darauf hatten auch sie
keine Antwort: Können digitale Socken eigentlich analog stinken?
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Welt am Sonntag,
08.05.2005
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Grellste
Eleganz für den Kiez
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Der Kabarettist Georg Ringsgwandl
gastiert im St. Pauli-Theater
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| Von Simone
Meyer |
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Eines Tages habe
ihn der Teufel geritten, erzählt er. Da schmiß Dr. Georg
Ringsgwandl seinen weißen Kittel hin und verließ das
Klinikum Garmisch, ohne sein Büro aufzuräumen, ohne sich
umzudrehen. "Diesen Schritt habe ich nie bereut", sagt Georg
Ringsgwandl, 56, heute. Seit zwölf Jahren operiert der Arzt nun
hauptberuflich auf Bühnen. Nächsten Mittwoch gibt der Musiker
und Kabarettist in Hamburg "Bescheid": ein "lohnender Abend für
Kleinkriminelle".
Aber paßt
Schorschi, der Gurkenkönig, seine Figur aus dem tiefen Bayern, in
den hohen Norden? "Speziell vorbereiten müssen wir uns nicht",
sagt er. Er habe schließlich Norderfahrung: Ringsgwandl studierte
in Kiel und nahm 1996 seine Platte "der Gaudi-Bursch vom Hindukusch" in
der Altonaer Fabrik auf. Sein Eindruck: "Die Hanseaten sind doch ein
weltoffenes Volk, mit allen Wassern gewaschen."
Deswegen tritt
er in Hamburg mutig auf: Grellste Eleganz will der Transvestit auf dem
Kiez vorführen. "Den orangefarbenen Chiffonmantel zieh' ich auf
alle Fälle an, dazu ein paar fesche Hüte." Seine
weißblonde Perücke, das Markenzeichen, habe dann Pause. Was
nicht bedeute, daß der schrille Vogel nun brav werde. Zwar habe
er zwischendurch mal überlegt, ein dezenteres Image an den Tag zu
legen. "Das war eine verdeckte Midlife-Krise, da dachte ich, es
wäre besser, normal aufzutreten." Doch schnell kam die Erkenntnis:
"Dann sehe ich ja genauso öde aus wie jeder Hanswurst."
Manche nennen
Georg Ringsgwandl den Karl Valentin des Rock'n'Roll, den
intellektuellen Robin Hood. Er selbst bezeichnet sich als
soziologischen Komposthaufen. "Das bezieht sich auf meine Arbeit", sagt
er. "Ich verwurste, was um mich herum passiert, beobachte zum Beispiel
übergewichtige Kinder am Kaugummiautomaten."
Ringsgwandls
Herz gehört den Gestörten, Gescheiterten und Quertreibern.
"Ich bin durch meine Biographie mit einer gewissen Riege an gebeutelten
Personen zusammen gewesen", erzählt er. In dem
Glasscherben-Viertel, aus dem er komme, hätten alle gestrampelt.
Und auch in den 20 Jahren als Arzt habe er überwiegend mit Leuten
zu tun gehabt, denen es eher schlecht gehe. Doch die Strauchelnden
böten den interessanteren Stoff. "Deswegen gehe ich auch in keinen
Golf-Club, weil da nur Leute sind, die ihr Leben im Griff haben."
Im April bekam
Georg Ringsgwandl den Bonner Prix Pantheon 2005, einen der wichtigsten
deutschen Kabarettpreise, der sein Lebenswerk als "reif und bekloppt"
adelt. Im vergangenen Jahr wurde Helge Schneider damit ausgezeichnet,
davor auch Harald Schmidt, Dieter Hildebrandt und Gerhard Polt.
"Respektable Ahnenreihe", findet Ringsgwandl. Die Jury würdigte
ihn als Kultfigur mit inhaltlichem Tiefgang, als "einen, der sich einen
Teufel um die gerade herrschenden Moden schert, der aufrecht auf dem
doppelten Boden der Moral steht".
Eine gute Show
muß für ihn witzig sein und geistige Substanz haben. "Wie
ein irischer Eintopf." In dieser Beziehung habe sich die deutsche
Kabarettlandschaft in den vergangenen Jahren sehr verändert:
Professioneller sei die Szene geworden. "Als ich 1977 zum ersten Mal
auf der Bühne stand, kam man mit allen möglichen lausigen
Sachen durch", erinnert er sich. Mit "harmlosem Gestöpsel"
müsse man jetzt nicht mehr anfangen. "Die Leute sind viel
informierter, schneller, pfiffiger." Natürlich sei auch immer mal
Schrott dabei. "Noch halte ich mich ganz zäh' wie ein sturer
Ochse."
Und sollte seine
Gratwanderung zwischen Blöd- und Tiefsinn einmal keinen Nerv mehr
treffen - "dann geh ich wieder ins Krankenhaus und guck mir Krampfadern
an."
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General-Anzeiger,
Bonn 28.04. 2005
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Schlange mit Pelz
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Georg Ringsgwandl nimmt den
Sonderpreis "Reif & Bekloppt" des Prix Pantheon Bonn entgegen und
bedankt sich mit einem fast dreistündigen Programm
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| Von Bernhard
Hartmann |
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Bonn. Nach vier
Songs und einigen wilden Tänzen fühlt sich Georg Ringsgwandl
soweit erhitzt, dass er ablegen kann. "So, i zieh mi jetzt aus",
kündigt er in breitem Bayerisch an und steigt etwas
umständlich aus seiner bizarr schwarzweiß gemusterten Hose,
unter der ein Paar langer dünner Beine zum Vorschein kommt, das
wiederum in schwarzen Nylonstrumpfhosen steckt. Es schließt sich
ein Monolog über sein grünes Jackett an, das er ebenfalls
abstreift und sorgfältig zusammenlegt.
"Wann i die
duachschwitz. . .", sorgt er sich. Die "Jack`" sei nämlich
"sauteuer" gewesen, erklärt Ringsgwandl wortreich dem
Pantheon-Publikum, echte "Smaragdbaumnatter", die einzige Pelzschlange
der Welt, wie das rheinische Publikum staunend aus dem Munde des
gebildeten Bayern erfährt.
Im Verlauf des
Abends wird er noch häufiger darauf zu sprechen kommen, dass
Nordrhein-Westfalen bei der Pisa-Studie weit hinter Bayern rangiere.
Seine Heimat, meint er, liege da schon eher mit Finnland gleichauf:
"Das muss am Alkohol liegen", analysiert Ringsgwandl mit bajuwarischer
Geistesschärfe.
Ringsgwandl ist
ein würdiger Träger des Prix-Pantheon-Sonderpreises "Reif
& bekloppt", den er zum Auftakt der diesjährigen "11.
German-Spaß-und-Satire-Open" aus der Hand von Rita Baus und
Reiner Pause entgegennahm. Der 56-jährige, in einem Vorort von Bad
Reichenhall geborene Musiker, Kabarettist, Musical-Autor, Kardiologe
und ehemalige Oberarzt ist bei seinem Jahrzehnte währenden Feldzug
gegen Spießbürgertum, geistige Trägheit, Langeweile
immer den unbequemen Weg gegangen, hat sich nie auf Erfolgen ausgeruht.
Für die
Münchner Kammerspiele schrieb er ein Musical über Ludwig II.
und für Köln 1994 die "Tankstelle der Verdammten" mit Gerd
Köster in der Hauptrolle, eine "lausige Operette", wie ihr
Schöpfer meinte. Und er ist immer wieder mit Solo-Programmen auf
Tour gegangen. Auch wenn er die Schminke nicht mehr gar so grell
aufträgt und die weißblonde Perücke in der Requisite
bleibt, ist er noch lange nicht leise geworden. Und hat immer noch mehr
Biss als die meisten seiner Kollegen, wie er in Songs wie dem vom
"Garten-Nazi" zeigt, der dort wohnt, "wo die Straßen Vogelnamen
haben".
In Bonn trat er
mit musikalischer Unterstützung des Nick Woodland Trios auf, das
den Songs von Ringsgwandl ein amerikanisches Blues-, Country und
Rock'n'Roll-Fundament verlieh, angereichert mit groovigen Soli des in
existenzialistischem Schwarz gewandeten Gitarristen Woodland.
Mitreißend etwa die Cover-Version von Chuck Berrys "You Never Can
Tell" vor der Pause des fast dreistündigen Programms.
Gelegentlich
muss das fulminante Trio dem Meister die Bühne überlassen.
Dann, wenn Ringsgwandl zu langen, absurden Erzählungen anhebt,
oder sich mit seinen Stelzenbeinen vor ein Keyboard stellt und zu
improvisieren beginnt: "Ich spiel auf dem Keyboard eine Oper, die wo
ich im Waldorfkindergarten gelernt hab`. . .", nuschelt er ins
Mikrophon. Die Augen blinzeln, und seine lange Nase ragt unter dem Rand
einer seltsamen Wollmütze hervor. Als er einmal
rückwärts vom hohen "Liedermacherstuhl" fällt, glaubt
er, das sei der "Fluch von Reinhard Mey".
Ähnlich wie
bei seinem Vorgänger als Sonderpreis-Träger des Bonner Prix
Pantheon, Helge Schneider, ist in Ringsgwandls Geschichten der Weg das
Ziel, sie brauchen keine Pointe und sind dennoch zum Brüllen
komisch. Die Jury des Prix Pantheon, heißt es in der
Begründung, zeichne mit Georg Ringsgwandl einen
Musik-Kabarettisten aus, der "aufrecht auf dem doppelten Boden der
Moral steht". Ringsgwandl selbst würde es vielleicht so sagen:
"Hühnerarsch, sei wachsam." Und sich mit gekreuzten Beinen und der
Eleganz einer Ballerina verbeugen.
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Süddeutsche
Zeitung 26.04. 2005
| Seit 30 Jahren auf der Bühne |
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Der
Vogelwilde
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In Bonn wird heute der Kabarettist
Georg Ringsgwandl mit dem Prix Pantheon ausgezeichnet
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Von Christina Maria Berr
München -
Angefangen hat alles mit Frau Kranawittvogel. Frau Kranawittvogel kam
aus dem zehn Kilometer enfernten Urwies nach Staufenbrück
geradelt. Es war kalt, windig und es war der 15. November 1948. In
dieser Nacht sollte die englische Königin ihren Sohn Charles auf
die Welt bringen. Dem Prinzen standen die Ohren ab, aber ansonsten war
alles normal an der königlichen Geburt. Von all dem wusste Frau
Kranawittvogel nichts, und es hätte sie vermutlich ohnehin nicht
interessiert, denn sie war selbst beschäftigt mit einer Geburt.
Frau Kranawittvogel war Hebamme und sollte an diesem Tag in
Staufenbrück, einem Vorort von Bad Reichenhall, Georg Ringsgwandl
auf die Welt bringen.
Und Prinz
Charles? "Der weiß das gar nicht, deswegen stochert er so ziellos
herum", sagt Ringsgwandl und grinst. Der Kabarettist sitzt in seiner
leer geräumten Münchner Wohnung und malt mit dem Finger ein
Schlagzeug in die Luft. Normalerweise probt hier seine Band, aber sie
würden nicht viel proben, sagt er, "den Endschliff bekommen die
Lieder auf der Bühne". Zeit genug also, um zwischendurch die
Wohnung zu weißeln. "Ich hab einen bayerischen Handwerker
beauftragt." Ringsgwandl sitzt an einem leuchtblauen Tisch, auf dem
eine quietschgelbe Kaffeekanne und eine grüne Milchtüte
stehen. Ein bisschen sieht es aus, als säße er in einem
Bühnenbild.
Hauptberuf
Kardiologe
Ringsgwandl, der
mit seiner Familie in Murnau lebt, ist Kardiologe, Schauspieler,
Musiker und ein begnadeter Kabarettist. Das fand auch die Jury des Prix
Pantheon und verleiht ihm am heutigen Dienstag im Bonner
Pantheontheater die Auszeichnung in der Kategorie "reif und bekloppt".
Der Künstler erhält damit einen wichtigen Kabarettpreis, mit
dem schon Harald Schmidt, Gerhard Polt und Dieter Hildebrandt geehrt
wurden.
Seine Augen
blicken hektisch umher, während er erzählt, und dann springt
er auf und rennt mit seinem Stuhl in die Küche, weil dort nun die
Sonne durchs Fenster scheint. "Das ist eine Wechselwohnung."
Ringsgwandl spricht bayerisch und manchmal, wenn er nicht mehr
verstanden wird, bemüht er sich auch hochdeutsch zu sprechen, was
aber sehr künstlich klingt. "Man muss ja nicht dem Omnipotenzwahn
unterliegen", findet er. "Ich bin ohnehin kein massenverwertbarer
Artikel."
Ringsgwandl ist
ein Star der 80er Jahre. Kaum jemand hat diese Zeit so gut beschrieben
wie er. "Wir waren eine Insel der ungestörten Glückseligen
und Wohlhabenden. Wir hatten ja nur Lifestyle-Probleme." Dann
erzählt er, dass er eine Depression hatte, die niemand bemerkte.
Eine Bühnen-Depression. Und weil er Arzt ist, sagt er "eine
larvierte Depression". Ein bisschen hat er Ähnlichkeit mit dem
Monaco Franze. Die Depression sei jetzt vorbei. Im Laufe der Jahre ist
er bei seinen Auftritten dezenter geworden und stiller und
ungeschminkt. Damit ist nun Schluss. "Jetzt wird's wild." Schminke,
Klamotten, Lärm, alles wieder da. Neue Glitzeroase, Damenschuhe,
Badeanzüge hat er schon besorgt. Gleich um die Ecke ist so ein
Ringsgwandl-Laden. "Zwischen all den Tinten, Showgesten und
ausgetickten Hausfrauen fall ich gar nicht auf." Wenn er eine Idee hat,
irgendwo im Auto oder in der Badewanne, schreibt er sie auf einen
Zettel und steckt ihn in die Hosentasche. Von dort wandert er
irgendwann in eine Kiste hinein. Fertig. Erst wenn er wieder einen
neuen Song braucht, wühlt er in der Kiste. Die Idee, das ist die
erste Zeile. "Danach fängt ja erst die Arbeit an", sagt
Ringsgwandl. Wenn einer der Musiker dann in der ersten Probe sagt: "Wie
hast du das gemeint?", landet der Song sofort wieder in der
Mülltonne. Seine Band, das sind Christian Diener am Bass, schlank
und jungenhaft. Umso dicker dagegen Gerwin Eisenhauer am Schlagzeug,
der meist so aussieht, als würde er im nächsten Moment in die
Trommel fallen. An der Gitarre sitzt Nick Woodland, mit dem er seit
1992 zusammen arbeitet. Woodland blickt fast immer zu Boden, den Mund
offen, ein Fuß schlägt im Takt mit, und er sieht dabei so
aus, als ginge ihn das alles gar nichts an.
Charmant
und ordinär
Seit 30 Jahren
steht Ringsgwandl auf der Bühne - zunächst allein mit der
Gurkenkönigs Hausfrauenshow, dann tingelte er mit einem Trio durch
die Lande. 1988 erschien das Programm "Trulla! Trulla!", das ihn
bekannt machte. Er schrieb Musicals, zuletzt "König Ludwig - Die
volle Wahrheit" und "Tankstelle der Verdammten", die an den
Münchner Kammerspielen aufgeführt wurden. Seine Show
"Prominentenball" am Residentheater läuft noch.
Bei seinen
Bühnenstücken ist jeder Witz aufgeschrieben. Wenn er jedoch
mit seiner Band unterwegs ist, dann schimpft er über die
Grünen und über Stoiber und erzählt von seinem
Schlagzeuger, der ihm auf einer Tournee abhanden gekommen ist. Dann
kommt Skurriles aus dem Leben der Schwester: Wenn sein Schwager ein
Fledermäuschenhäuschen im Garten aufstellen muss, steht der
Kabarettist daneben und betrachtet amüsiert die Szene. So
zumindest stellt man sich das vor, wenn er es erzählt,
später, auf der Bühne.
Wie eine
Damentasche hängt Ringsgwandl dann die Mikrofonschnur über
die Schulter und packt eine Zeitung aus. Lokalnachrichten. Bayerns
griabigstes Wirtshaus gesucht. Hochzeitsmesse. Ringsgwandl fabuliert
über solche Nachrichten, improvisiert über jedes Thema, das
er findet. Witzig, charmant, manchmal heftig und ordinär. Dabei
schiebt er seine Lippen hin und her, bläst sie weit auf. Im
nächsten Moment saugt er sie an, so dass nur ein schmaler Strich
bleibt. Irgendwann kreuzt er ein Bein nach hinten und verbeugt sich wie
eine Ballerina: "Ihr dürft Schorschi zu mir sagen. Tschau."
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Traunsteiner
Tagblatt 20.04. 2005
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Es brennt
kein Licht am Arsch der Welt
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Georg Ringsgwandl zu Gast in der
Traunsteiner Kulturfabrik NUTS
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Eine Preisverleihung steht an, das
Programm sitzt, ist aber noch nicht getestet. Nicht vor Publikum. Was
also macht ein Künstler, der etwas auf sich hält, in so einem
Fall? Richtig, er ersucht um einen Auftritt im NUTS. Denn dort findet
sich das schärfste Publikum, der unbestechlichste Kritiker, das
beste Pils. Also auf nach Traunstein, dachte sich Georg Ringsgwandl,
und ich weiß, was Sache ist, so oder so.
Er hat's nicht
bereut, glaube ich. Und das NUTS, das an diesem Abend aus allen
Nähten zu platzen drohte, auch nicht. Wobei ich hinzufügen
muss, dass sein Gastspiel auch für mich eine Premiere war, dass
ich den Musiker und Kabarettisten bislang nur aus dem Fernsehen kannte.
Und da dominierte eher sein wunderliches, clowneskes Erscheinungsbild,
sein Image als schriller, abgefahrener Hund der Szene. Was er also
wirklich auf dem Kasten hatte, wie er live rüberkommen würde,
keine Ahnung.
Somit war die
erste Überraschung des Abends: von überdrehter, egomanischer
Performance keine Spur. Ganz im Gegenteil: unterstützt von drei
hervorragenden Musikern (Nick Woodland, Gitarre; Gerwin Eisenhauer,
Schlagzeug; Christian Diener, Bass) bot Ringsgwandl ein rundes,
temporeiches Programm, das mühelos grundsolide Rockmusik mit
kabarettistischen Einlagen vermischte, wobei ihm letztere häufig
als Ansagen bzw. Überleitungen dienten, die dann in teils
improvisierte Reflexionen zu allen möglichen (und
unmöglichen) Themen ausuferten. "Alte Reißer und frisches
Gwachs" nennt er sein Programm, und entsprechend legte er los, der
agile Mittfünfziger, um das Publikum heiter-ironisch zu belehren,
wo's langgeht. Oder auch, wo's herkommt. Das, wovor wir uns
fürchten sollen. Denn "Hühnerarsch, sei wachsam". Zum
Beispiel, wenn Papa ein Jähzorn-Gen intus hat. Das über Nacht
zum Sektierer-Gen mutieren kann, oder wie sonst wäre es zu
erklären, dass die Schwester bei den Zeugen Jehowas gelandet ist.
Da hilft dann auch kein Feng Shui mehr, oder ein
Bärli-Schlafanzug. Nicht verschmähen sollten wir hingegen den
Gebrauch von Stofftaschentüchern. Die legt man getaner Rotzarbeit
einfach über die Heizung und schüttelt sie am nächsten
Morgen kurz aus. Und wie man eine lapidare Zeitungsmeldung über
eine betrügerische Russin in Wien zu einem wahnwitzigen Exkurs
über Namensgebung inklusive Polit-Theater ausweiten kann, auch das
demonstrierte Ringsgwandl so unnachahmlich wie pointensicher.
Musikalischer
Einstieg war "Um sechse in der Früh, da stehst du ned auf."
Stimmt. Aber auch die Garten-Nazis, die mit der Nagelschere den Rasen
schneiden, wurden in "Nimmer Stadt und noch nicht Land"" aufs Korn
genommen, und Ringsgwandl selbst präsentierte sich im "Lied eines
Unangepassten" als Bremsklotz für die Konjunktur, ("den Aufschwung
auf dem Gewissen, der Ringsgwandl hat`s verschissen.") Prall und leicht
makaber seine "Jedermann"-Version, und einfach grandios seine
eingedeutschten Fassungen von Chuck Berrys 50er Jahre-Hit "You Never
Can Tell" (bekannt aus der Tanzszene in "Pulp Fiction") mit "Irgendwie
werd's scho wern" und von Bob Dylans "Gotta Serve Somebody" mit "Du
derfst nix mitnehma". Zwar hatten die Texte mit dem Original nurmehr
wenig zu tun, Stimmung und Poesie aber blieben aufs Feinste erhalten.
Nach etlichen
Zugaben meinte Ringsgwandl zum Abschied dann noch: "Geile neighbourhood
hier in Traunstein." Ja dann.
Wolfgang
Schweiger
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Der Standard.at
16.03.05
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Georg
Ringsgwandl nun offiziell "reif und bekloppt"
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Die Jury des
Kabarettpreises Prix Pantheon 2005: Der Bayer steht "aufrecht auf dem
doppelten Boden der Moral"
Bonn - Der
bayrische Musiker und Kabarettist Georg Ringsgwandl (56) erhält
den Bonner Kabarettpreis Prix Pantheon 2005. Die Jury würdige mit
Ringswandl eine "Kultfigur" mit inhaltlichem Tiefgang und einen
Musik-Kabarettisten, "der sich einen Teufel um die gerade herrschenden
Moden schert", teilte das Kleinkunsttheater Pantheon am Donnerstag in
Bonn mit. Der Satirepreis gilt als einer der angesehensten Kleinkunst-
und Comedyauszeichnungen im deutschsprachigen Raum.
"Wurschtiger
Witz"
Ringsgwandl
stehe "aufrecht auf dem doppelten Boden der Moral", hieß es in
der Jury-Laudatio. In seinen Liedern beschreibe er die verzweifelt
kämpfende Kreatur, mit erbarmungsloser Freude am entlarvenden
Detail. In Bayern werde er für seinen "wurschtigen Witz"
geschätzt, in anderen Landstrichen gelte er als "schrill und
abgefahren". Mit weißblonder Perücke und seltsamen
Hutkreationen erscheine er wie ein Besucher von einem anderen Stern.
"Doch weit gefehlt: hier steht einer, der die ganz normale
Absurdität des Alltags kennt - ein Gegenentwurf zu all jenen, die
ängstlich durchs Leben huschen."
"Reif und
Bekloppt"
Ringsgwandl wird
mit dem mit 4.000 Euro dotierten Pantheon-Sonderpreis "Reif und
Bekloppt" ausgezeichnet. Im Vorjahr hatte der Komiker Helge Schneider
die seit 1995 vergegebene Auszeichnung erhalten, mit der Künstler
gewürdigt werden, die "seit langen Jahren sich selbst und ihrer
Kunst treu geblieben" sind. Zu früheren Preisträgern
zählen unter anderem die bayrischen Kabarettisten Gerhard Polt und
Dieter Hildebrandt sowie TV-Entertainer Harald Schmidt.
Die Gewinner in
zwei weiteren Kategorien des Prix Pantheon werden bei den "11. German
Spass- und Satire-Open" ("Comedy- und Kabarett-Olympiade") im Pantheon
vom 27. bis 28. April 2005 im direkten Wettstreit von Jury und Publikum
ermittelt. Die Preisverleihung an Ringsgwandl erfolgt bei einer Gala am
26. April im Pantheon. (APA/dpa)
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Kölner
Stadt-Anzeiger 11.03. 2005
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Portrait -
Zweite Karriere eines Kardiologen
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Ehrung für
Musikkabarettist Ringsgwandl
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Er bezeichnet sich selbst als einen
"soziologischen Komposthaufen", der 1948 in einem Vorort von Bad
Reichenhall geborene Musikkabarettist Georg Ringsgwandl. Ende April
wird er mit dem Sonderpreis des Bonner Kabarettpreises "Reif &
Bekloppt" ausgezeichnet. Wenn jemand beide Eigenschaften in sich
vereint, dann der gelernte Kardiologe, der seinen Beruf 1993 aufgibt -
zugunsten einer Bühnenlaufbahn.
Den Grundstein dazu hat Ringsgwandl allerdings schon in frühen
Jahren gelegt. Als Achtjähriger bekommt er eine Zither geschenkt,
mit 14 lernt er Posaune. Weil er mit 18 Jahren an Tuberkulose erkrankt,
ist es aus mit dem Blasinstrument. Stattdessen lernt er Gitarre spielen
- was seinen Lungen wesentlich besser bekommt. Drei Jahre nach seiner
Promotion 1975 hat der Mann seinen ersten abendfüllenden
Bühnenauftritt. "Gurkenkönigs Hausfrauenshow" heißt das
Programm, das ihm bis heute den Spitznamen Gurkenkönig eingetragen
hat.
Tatsächlich schafft er es - man fragt sich, wie -, während
seiner Arbeit als Oberarzt für Kardiologie und Intensivtherapie
ein zweites abendfüllendes Programm auf die Beine zu stellen: die
"luxuriöse Unterhaltung mit Dr. Muschnik". 1988 nimmt er den
Deutschen Kleinkunstpreis entgegen. Ohne zu übertreiben, darf man
wohl behaupten, dass es sich bei Ringsgwandl um den gründlichsten
aller Menschen-Sezierer handelt.
In seinen Liedern beschreibt er "die verzweifelt kämpfende Kreatur
mit erbarmungsloser Freude am entlarvenden Detail", heißt es in
der Begründung der Jury des Prix Pantheon, die den Preis vergibt.
Anders gesagt: Ringsgwandl guckt in die Vorgärten, beobachtet den
Kleinbürger beim Grillen und Häuslebauen, treibt sich in der
Münchener Schickimicki-Szene rum, beschreibt die frustrierte
Galeristin und den abgehalfterten Möchtegern-Künstler. Ein
erfolgloser Rockmusiker stand im Mittelpunkt der "Tankstelle der
Verdammten", seiner "lausigen Operette", die am 30. Dezember 1994 mit
Gerd Köster in der Hauptrolle Premiere in der Halle Kalk hatte und
60-mal vor ausverkauftem Haus gespielt, gesungen und gerockt wurde.
Wenn er selber - angetan mit einer weißblonden Perücke und
höchst seltsamen Hutkreationen - Luftsprünge vollführend
auf der Bühne steht und dabei seine Kopfstimme in die Höhe
schraubt, könnte man meinen, ein außergewöhnlicher
Vogel treibe hier sein Spiel mit dem Publikum. Und doch ist Ringsgwandl
alles andere als abgehoben. Er schert sich weder um Moden noch
Ideologien, sondern gehört zu denen, die das bayerische Idiom dazu
benutzen, die Prototypen des Alltags in all ihren Ausformungen
vorzustellen.
Sein Herz gehört den Gestörten und Desillusionierten, den
Träumern und im Leben zu kurz Gekommenen. Sein Kosmos ist
bevölkert von achtlos weggeworfenen Unterhoserln und affigen
Designerbetten, von Einkaufswagenschiebern und
Lebensmittelkontrolleuren, von Müll-Trennern und
Hühnerärschen.
Kurz: von allem, was das ganze verrückte Leben so schön macht
- nicht nur in Bayern.
MARIANNE KOLARIK
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